Fast 80 Prozent mehr Micro-Cars auf deutschen Straßen: Versicherer schlagen jetzt Alarm – das steckt dahinter
StartseiteVerbraucherVersicherer schlagen Alarm: Micro-Cars boomen – doch die Sicherheit bleibt auf der StreckeStand: 13.09.2026, 06:39 UhrKommentareUns auf Google folgenMicro-Cars boomen auf deutschen Straßen,...
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Versicherer schlagen Alarm: Micro-Cars boomen – doch die Sicherheit bleibt auf der Strecke
Stand: 13.09.2026, 06:39 Uhr
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Micro-Cars boomen auf deutschen Straßen, gerade bei jungen Fahrern. Die Versicherer schlagen nun Alarm: Denn die Fahrzeuge schützen bei einem Unfall wenig.
Kassel – Sogenannte Micro-Cars – auch Moped-Autos genannt – werden auf deutschen Straßen immer beliebter: Laut Statistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren Ende 2025 rund 46.000 dieser Fahrzeuge haftpflichtversichert. Drei Jahre zuvor waren es noch knapp 26.000 – ein Anstieg von fast 80 Prozent. Allein im vergangenen Jahr kamen etwa 8.000 Fahrzeuge hinzu. Nun warnen die Versicherer eindringlich vor den Risiken.

„Micro-Cars können insbesondere für kurze Wege eine interessante Alternative zu größeren Autos sein“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV. „Mit ihrer wachsenden Verbreitung muss jedoch auch die Sicherheit der Insassen stärker in den Blick genommen werden.“ Die Fahrzeuge fahren maximal 45 km/h, dürfen bereits ab 15 Jahren mit Mopedführerschein gesteuert werden und lassen sich unkompliziert mit Versicherungskennzeichen anmelden – ganz ohne Hauptuntersuchung oder Kfz-Steuer.
Micro-Cars: Crashtest offenbart die Schwächen
Wie gefährlich solche Fahrzeuge sein können, zeigte bereits ein Crashtest, den die Dekra im Auftrag der TV-Sendung „auto mobil – das VOX Automagazin“ durchführte. Ein Aixam Access und ein Citroën Ami wurden dabei mit 45 km/h gegen ein deformierbares Offset-Hindernis gefahren, das ein entgegenkommendes Fahrzeug simuliert. Das Ergebnis war verheerend: An den Dummys wurden in beiden Fahrzeugen Belastungen gemessen, die für menschliche Insassen höchstwahrscheinlich tödlich gewesen wären. Der Stellantis-Konzern, zu dem unter anderem Citroën gehört, verwies gegenüber Auto, Motor und Sport darauf, dass für Leichtfahrzeuge keine Crashtests vorgeschrieben seien. Aixam erklärte, bei einem zulässigen Gewicht von 425 Kilogramm ohne Fahrer sei vieles, was moderne Pkw an Sicherheitstechnik bieten, schlicht nicht umsetzbar.
Micro-Cars: Ähnlich viele Unfälle wie Pkw
Genau dieses Gewichtslimit sehen auch die Versicherer als Kernproblem. Für Micro-Cars sind weder Airbags noch ein elektronisches Stabilitätsprogramm oder Notbremsassistenten vorgeschrieben. „Die Fahrzeugstruktur eines Micro-Cars ist nicht mit der eines Kleinwagens vergleichbar“, sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV). „Bei einem Zusammenstoß sind die Insassen deshalb einem deutlich höheren Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen ausgesetzt als in einem Pkw.“ Hinzu kommt: Trotz der niedrigen Geschwindigkeit verursachen Micro-Cars pro 1.000 Fahrzeuge ähnlich viele Schäden wie reguläre Pkw. 2025 registrierten die Versicherer rund 2.300 Kfz-Haftpflichtschäden mit Micro-Cars – umgerechnet 50 Schäden je 1.000 versicherte Fahrzeuge.
Was die Versicherer in Bezug auf Micro-Cars fordern
Der GDV fordert deshalb mehr Spielraum beim zulässigen Fahrzeuggewicht sowie verbindliche Sicherheitsanforderungen, die sich stärker an Pkw-Standards orientieren. „Micro-Cars dürfen für ihre Insassen nicht zur Sicherheitsfalle werden“, so Käfer-Rohrbach. „Das gilt insbesondere für jugendliche Fahrerinnen und Fahrer, die noch wenig Erfahrung im Straßenverkehr haben und diese Fahrzeuge als Alternative zum Elterntaxi oder zum Bus nutzen.“ Trotz des starken Wachstums bleiben Micro-Cars bislang eine Nische im deutschen Straßenverkehr – ihre steigende Verbreitung zeigt aber, dass der Insassenschutz dringend nachgebessert werden muss. (Quelle: GDV, Auto, Motor und Sport, eigene Recherche) (sop)