Vier Kandidaten werben beim Speeddating der Landfrauen um Stimmen

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Vier Kandidaten werben beim Speeddating der Landfrauen um Stimmen

Stand: 14.08.2026, 19:00 Uhr

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Gruppenbild vor dem Speeddating: (v.l.) die Kandidaten Robert Stüssel, Tom Müller, der Landfrauenvorstand mit Hilke Bellersen, Annette Wöbse und Heike Sanders sowie die Bewerber Ralf Kaptein und Peer Beyersdorff.

Gruppenbild vor dem Speeddating: (v.l.) die Kandidaten Robert Stüssel, Tom Müller, der Landfrauenvorstand mit Hilke Bellersen, Annette Wöbse und Heike Sanders sowie die Bewerber Ralf Kaptein und Peer Beyersdorff. © Andreas Hapke

Der Landfrauenverein Harpstedt-Heiligenrode hat zum Speeddating mit den Bürgermeisterkandidaten eingeladen. Die Bewerber mussten an vier Tischen Rede und Antwort stehen – von Feuerwehr-Problemen bis zur Straßenbahn-Planung.

Heiigenrode – Sollte Robert-Jan Stüssel sein Glück von Donnerstagabend zum 13. September hinüberretten, könnte es etwas werden mit der Wahl zum Bürgermeister. Als einziger der vier Kandidaten würfelte Stüssel im Restaurant Meyerhof eine Sechs. Damit durfte er sich beim Speeddating des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode als Erster vorstellen.

„Euer Interesse zeigt, wie wichtig euch die Zukunft unserer Gemeinde ist“, sagte Vorstandsmitglied Annette Wöbse zur Begrüßung. Sie bedauerte, dass sich nur 14 Personen angemeldet hatten. Andererseits hätten die, die gekommen wären, ausreichend Gelegenheit, sich ein persönliches Bild von den Bewerbern zu machen.

Stüssel warf seine weltweit erworbenen wirtschaftlichen Kompetenzen in die Waagschale, zuletzt als Interimsmanager bei Firmen, die vakante Positionen nicht besetzen konnten. Aufgewachsen in Stuhr, sei ihm die Kandidatur eine Herzensangelegenheit. Begonnene Projekte zu Ende führen, die Angleichung der Lebensverhältnisse in den Ortsteilen und die Mobilität für alle Bewohner nannte er als Schwerpunkte seiner Bewerbung.

Der mit 23 Jahren jüngste Kandidat Tom Müller lebt seit seiner Geburt in Stuhr, arbeitet als Vertriebsinspektor bei einem der größten Luft- und Raumfahrtunternehmen Europas und unterhält eine eigene Medienagentur. Als studierter Wirtschaftsinformatiker setzt er auf die Karte Digitalisierung: „Sie können alle Anträge vom Sofa aus stellen.“ Vor jeder Abstimmung im Rat wolle er ein Stimmungsbild der Bewohner einholen.

Kommunalpolitische Erfahrung bringt Ralf Kaptein aus seiner Zeit bei der CDU mit. Der gelernte Schifffahrtskaufmann und Betriebswirt war in diversen Positionen in der Schifffahrt und bei Speditionen tätig, leitet heute selbst eine Spedition in Stuhr – seine Heimat von Kindheit an. Wie sehen die nächsten zehn Jahre in der Gemeinde aus? Darum geht es Kaptein. Unter anderem mit wirtschaftlichen Leuchtturmprojekten wolle er Stuhr zukunftssicher machen.

Wirtschaftsförderer und Diplom-Ökonom Peer Beyersdorff ist in der Nähe von Hamburg aufgewachsen. Er habe schon im Kreis Osterholz als Wirtschaftsförderer und damit „sehr stringent am Thema regionale Entwicklung“ gearbeitet. Als Geschäftsführer habe er das dortige Technologie- und Gründerzentrum aus den tiefroten Zahlen geholt. Er „hafte“ an dem Thema Infrastruktur, das neben dem Glasfaserausbau auch Mobilität und bezahlbaren Wohnraum beinhalte.

Sollten sie zum Verwaltungschef gewählt werden, würden alle Kandidaten der Bürgerbeteiligung einen großen Raum geben. Beim Speeddating im Meyerhof mussten sie „nur“ vier Tische abklappern, um Bürgern ihr Ohr zu schenken.

Für Stüssel fiel der Startschuss bei Ilka Meinke und ihrem 17-jährigen Sohn Kristen. Ihre Familie sei in der Feuerwehr engagiert und erlebe den Umgang mit der Gemeinde nicht mehr auf Augenhöhe, sagte Ilka Meinke. „Was können Sie da konkret tun?“ Er sei gewohnt, nicht von oben herab zu arbeiten, sagte Stüssel. Dies habe er als Führungskraft auf seinen Stationen im In- und Ausland gelernt. „Ich würde mich zuerst mit allen Ortsbrandmeistern zusammensetzen. Wo drückt denn der Schuh?“ Wenn die Feuerwehr gute Argumente habe, müsse ihre Expertise gehört werden.

Welche Ideen er von den anderen drei Kandidaten übernehmen würde, wollte Dirk-Oliver Thoms-Joa von Beyersdorff wissen. „Ich glaube eher, einige haben in mein Wahlprogramm geguckt“, konterte Beyersdorff und lenkte das Gespräch auf die Erschließung von Gewerbegebieten. Er habe konkrete Vorstellungen, wo er noch Flächen erwerben könne. „Aber das öffentlich zu machen, würde die Grundstückspreise in die Höhe treiben.“ Als problematisch empfindet es Thoms-Joa, dass Beyersdorff im Rathaus plötzlich zum Vorgesetzten aufsteige. Er gehöre bereits jetzt zum Verwaltungsvorstand, stellte Beyersdorff klar.

Am Tisch von Nicole Hartmann und Uta Bellmer musste Tom Müller die Bedenken zerstreuen, ihm würde es nur auf Digitalisierung ankommen. „Es wird immer ein Bürgerbüro geben“, versicherte Müller. Er warb für eine Mobilität per App, nach Art eines Sammeltaxis. „Was ist mit den Älteren, die nicht handy-affin sind?“, fragte Uta Bellmer. „Man kann Oberflächen schaffen, die für ältere Personen nutzbar sind. Natürlich sind auch Telefonnummern möglich“, sagte Müller, der ein Beispiel für datenbasierte Entscheidungsfindung nannte: „Wenn 40 Prozent der Fahrenhorster einen Radweg wollen, muss ich mich damit beschäftigen.“

Welche Entscheidung der Gemeinde würde er aus heutiger Sicht anders treffen? Mit dieser Frage von Ilka Meinke sah sich Ralf Kaptein konfrontiert. Ihm fiel die Straßenbahn ein. „Ich würde als Logistiker nie eine Strecke planen, die um das Zentrum herumführt“, sagte Kaptein. Die Linie 8 koste für den Moment wenig. Betrachte man das Thema jedoch losgelöst von der Förderkulisse, verursache die Bahn Folgekosten. Eine weitere Frage Meinkes – „Wo würden Sie Geld sparen?“ – betrachtete Kaptein von der Einnahmenseite: „Wir benötigen moderates Wachstum.“