Villa Knagge öffnet erstmals ihre Türen – Schlange schon vor 12 Uhr
StartseiteLokalesLandkreis OldenburgWildeshausenStand: 14.09.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenIn der Villa Knagge erklärte Andreas Vock (hinten M.) die ursprüngliche Wanddekoration, die freigelegt ...
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Stand: 14.09.2026, 06:30 Uhr
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Beim Tag des offenen Denkmals empfing die Villa Knagge in Wildeshausen erstmals Besucher in ihren Innenräumen. Unter sechs Tapetenschichten kamen dabei historische Wandgestaltungen zum Vorschein, die heute wieder zu sehen sind.
Wildeshausen – Bereits kurz vor 12 Uhr hatte sich am Sonntag eine Schlange vor der Villa Knagge an der Ahlhorner Straße in Wildeshausen gebildet. Denn erstmals war das aufwendig sanierte Gebäude am Tag des offenen Denkmals mit dabei – und es stieß auf großes Interesse. Während die Rechtsanwälte der dort ansässigen Kanzlei Dr. Meyer, Vock und Dr. Pickart kleine Gruppen durch die Innenräume führten, versammelte Gästeführerin Sabine Terkowski vom Verkehrsverein die vielen Besucher vor dem Haus.
Führung begann mit Infos zum Bauherrn
Terkowski begann ihre Kurzführung mit der Schilderung über den Mann, dem Wildeshausen die Villa verdankt: Johannes Lambertus Joseph Knagge. Der 1807 in Wildeshausen geborene Sohn eines Gastwirts und Posthalters hatte nach beruflichen Stationen in Bremen und Amsterdam ab 1838 als Kaufmann auf Java Karriere gemacht und war dort zu Wohlstand gelangt. Nach seiner Rückkehr ließ er zwischen 1852 und 1853 vor den damaligen Toren Wildeshausens an der Straße nach Ahlhorn die spätklassizistische Villa errichten. Sie sollte auch seiner auf Java geborenen Tochter Josephine ein Zuhause bieten.
Wie für ihre Führungen typisch, erzählte Terkowski Geschichte nicht nur, sondern ließ sie erleben. Ein Säckchen mit Gewürzen machte beispielsweise die Runde und vermittelte den Besuchern zumindest einen kleinen sinnlichen Eindruck von jener fernen Welt, in der Knagge einen Teil seines Lebens verbracht hatte.
Auch das Gebäude selbst erzählt von verschiedenen Epochen. Die hölzerne Vorhalle mit Portikus stammt aus dem Jahr 1878, Giebelmosaik und Jugendstilfries kamen 1906 hinzu. Später wechselten Besitzer und Nutzungen. Unter anderem diente die Villa nach 1955 den Dominikanern als Heimschule. Ab 1994 nutzte der Landkreis Oldenburg Räume für eine psychologische Beratungsstelle. 2016 endete diese Nutzung aufgrund baulicher Mängel.
Bei Restaurierung kam Wandgestaltung zum Vorschein
2021 erwarben die Rechtsanwälte und Notare Hans-Jürgen Meyer, Andreas Vock und Volker Pickart das Baudenkmal und ließen es grundlegend sanieren. Dabei kamen unter sechs Tapetenschichten historische Wandgestaltungen zum Vorschein, die restauriert wurden und heute wieder zu sehen sind.
„Die alte Wanddekoration haben wir mit der Restaurierung wieder hervorgeholt. Das wirkt zwar alt, aber das soll es auch“, erklärte Andreas Vock im Eingangsbereich, bevor er die Besuchergruppe durch die weiteren Räume führte. So konnten die Gäste an diesem Sonntag nicht nur eines der markantesten Wildeshauser Baudenkmäler von innen betrachten, sondern zugleich erleben, wie aus einem mehr als 170 Jahre alten Wohnhaus ein moderner Arbeitsort geworden ist.