Volkswagen: Kaum Hoffnung auf Einigung bei Sanierung vor Aufsichtsratstreffen
Volkswagen und seine Arbeitnehmer versuchen immer noch einen Kompromiss im Ringen um die Sanierung des Autobauers zu finden – die Aussichten dafür sind offenbar gering. Dem Aufsichtsrat werden am Freitag wohl drei Beschlussvorlagen vorgelegt.
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Im Ringen um die Zukunft von Volkswagen zeichnet sich mehreren Insidern zufolge bislang kein Kompromiss ab. Vor den außerordentlichen Betriebsversammlungen in der vergangenen Woche habe es Bewegung in den Gesprächen zwischen Management und den verschiedenen Interessengruppen gegeben, seitdem seien jedoch Kompromissvorschläge wieder zurückgenommen worden, sagte eine der mit dem Vorgang vertrauten Personen am Dienstag. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (59), der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, habe sich als Makler angeboten. Allerdings gehe es in den Gesprächen inzwischen eher einen Schritt nach vorn und zwei zurück.
Eine weitere Person sagte, in dieser Woche stünden zwar noch Treffen an. Unter anderem trifft sich am Donnerstag das AR-Präsidium, in dem nur ein kleiner Kreis der Aufsichtsratsmitglieder vertreten ist. Die Versuche, einen Kompromiss zu finden, seien nicht endgültig für beendet erklärt, die Aussichten dafür seien aber gering. Ein Sprecher des Volkswagen-Aufsichtsrats lehnte eine Stellungnahme zu den Gesprächen ab. Auch das „Handelsblatt“ hatte über den Vorgang berichtet.
Drei Beschlussvorlagen für die Aufsichtsratssitzung am Freitag
Damit dürften bei der Aufsichtsratssitzung am Freitag Insidern zufolge drei Beschlussvorlagen auf den Tisch kommen. Neben dem Vorstand haben demnach auch die Arbeitnehmer und das Land jeweils einen eigenen Vorschlag erarbeitet. Vor allem die Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die zusammen die Mehrheit an dem Wolfsburger Konzern besitzen, übten hohen Druck aus, sagten zwei der Insider. Sie fürchteten um ihre Investition.
Sollte es nicht gelingen, einen Kompromiss zu finden, könnte Volkswagen ein Machtkampf bevorstehen, wie ihn die deutsche Unternehmenslandschaft so noch nicht oft gesehen hat. Der Autobauer könnte dann eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die letztlich über das Sanierungskonzept entscheidet. Der Konzern leidet unter dem Kollaps des chinesischen Marktes, den Zöllen von US-Präsident Donald Trump (80) und der zunehmenden Konkurrenz chinesischer Autobauer auf dem europäischen Markt. VW-Chef Oliver Blume (58) hat sich vorgenommen, die Kapazitäten in Europa um weitere 500.000 Fahrzeuge jährlich zu reduzieren.
Der VW-Vorstand hatte schon bei einer Aufsichtsratssitzung Anfang Juli vorgeschlagen, die Fertigung in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm auslaufen zu lassen, wenn es keine neuen Modelle für die Werke mehr gibt. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet jetzt , das stehe auch in der neuen Beschlussvorlage. Bei den Betriebsversammlungen an mehreren Standorten hatte Blume gesagt, dass derzeit keine langfristige Belegung dieser Werke gewährleistet werden könne, sollten die Kosten nicht deutlich gesenkt werden. Ein VW-Sprecher lehnte einen Kommentar zu Unterlagen des Aufsichtsrats ab.