(+) Was die Reeperbahn tagsüber zu bieten hat
Hamburg Voller Überraschungen: Bei Tageslicht rund um die Reeperbahn Aus einer ehemaligen Fischräucherei an der Großen Freiheit wurde ein beliebtes Wohn- und Arbeitsquartier. Anke G...
- 3 min read
Hamburg
Voller Überraschungen: Bei Tageslicht rund um die Reeperbahn
Wer nachts etwas erleben möchte, geht nach St. Pauli. Tagsüber lässt sich hier auch einiges entdecken. Versteckte Gärten zum Beispiel oder eine sehenswerte Kirche.
Ganz schön ruhig mitten am Tag rund um die Reeperbahn. Clubs, Bars und Kneipen sind geschlossen. Zu entdecken gibt es jetzt andere Dinge. Verwunschene Gärten zum Beispiel. Ein bedeutendes Kunstwerk. Oder eine Barockkirche. Hier sind unsere Tipps für alles, was in der Nacht verborgen bleibt.
Pause im Grünen
Der Name ist geblieben, der Ort seit 2019 ein anderer: Früher trafen sich die Nachbarn auf einem ehemaligen Parkdeck zum Gärtnern, heute wachsen Blumen, Kräuter und Gemüse am Betty-Heine-Stieg gegenüber von Hamburg Leuchtfeuer. Gunnar Weidt ist seit der Gartengründung 2011 dabei und kennt sich mit allem, was aus dem Boden kommt, bestens aus. Und als Hobbyimker auch mit Bienen, die hier im Garten ein Zuhause gefunden haben.
Anzeige
Als echtem St. Paulianer ist er auch am Nachtleben der Pflanzen interessiert. Die Nachtkerzen zum Beispiel blühen nur kurz und nur bei Dunkelheit. Wer ihm zuhört, erfährt viel Spannendes über die Tier- und Pflanzenwelt. „Wäre schön, wenn mehr Kinder vorbeikämen. Die könnten dann sehen, wie Tomaten und Zucchini wachsen, und probieren, wie sie schmecken“, sagt er. Immer samstags ab 15 Uhr ist die Gartenpforte für alle geöffnet. Oder einfach mal vorbeigehen und gucken, ob jemand vor Ort ist.
Musik-Geschichte(n)
Anzeige
Tagsüber geschlossen – und abends erstmal auch. Der legendäre Musikclub Indra, in dem die Beatles 1960 Bühnenerfahrungen sammelten, wird drei Jahre lang restauriert. Genauso wie das Gruenspan nebenan. Hier gab es bereits 1889 Hamburgs ersten Tanzsalon, den „Palmengarten“. Seinen Namen erhielt das Gruenspan zu Ehren des jüdischen Freiheitskämpfers Herschel Feibel Grynszpan. Ein Blick auf das Wandgemälde an der Südseite des Gebäudes lohnt sich. Nach jahrzehntelangem Verfall soll das 500 Quadratmeter große Pop-Art-Werk der Künstler Werner Nöfer und Dieter Glasmacher von 1968 neu aufgetragen und erweitert werden. Die Maler sind auch nach 56 Jahren dabei, wenn eines der größten Street-Art-Objekte Europas wieder zu leuchten beginnt.
Fischbrötchen fast rund um die Uhr
Anzeige
Egal, ob um zehn Uhr vormittags oder abends um 22 Uhr – die Nachfrage nach den Fischbrötchen bei „Kleine Haie, große Fische“ in der Querstraße 4 reißt nicht ab. Ob „Brathering-Bunker“ oder „Backfisch Elphi“ – hier schmeckt alles und macht auch bei Tageslicht betrachtet einen ausgezeichneten Eindruck. Um Fisch ging es auch vor 100 Jahren in der ehemaligen Räucherei in der Großen Freiheit Nr. 70. Die Gebäude und der 42 Meter hohe Schornstein sind geblieben, seit 2020 umgebaut zu Büros und Wohnungen.
St. Joseph auf St. Pauli
Umgeben von Sexshops und Fastfood-Restaurants, steht sie seit 300 Jahren unbeeindruckt vom Nachtleben ringsum. Die katholische St.-Josephs-Kirche ist Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe suchen. „Es gibt nichts, womit Jesus nicht fertig wird“, steht neben dem Gittertor am Eingang. „Mit einer Kirche auf St. Pauli rechnen die wenigsten, dabei sind wir hier der älteste Club“, sagt Karl Schultz. Seit 2010 ist er Kiez-Pfarrer. Neuestes Projekt ist das „Kulturhaus St. Joseph“, das er mit Theatermacher Corny Littmann eröffnet hat. Im ehemaligen Schwesternhaus wohnen seit einem Jahr sieben junge Künstlerinnen und Künstler von der Stage School als Stipendiaten der Corny-Littmann-Stiftung für Kunst und Kultur.