Von Wohnungsbau bis TikTok: So wollen die Jusos im Dümmerland junge Wähler überzeugen
Bezahlbarer Wohnraum, bessere Busverbindungen und mehr Unterstützung fürs Ehrenamt: Die Jusos im Dümmerland starten mit eigenen Akzenten in den Kommunalwahlkampf. Welche Forderungen die Nachwuchsorganisation an die Kommunen richtet, lesen Sie im Interview.
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Stand: 08.08.2026, 06:30 Uhr
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Bezahlbarer Wohnraum, bessere Busverbindungen und mehr Unterstützung fürs Ehrenamt: Die Jusos im Dümmerland starten mit eigenen Akzenten in den Kommunalwahlkampf. Welche Forderungen die Nachwuchsorganisation an die Kommunen richtet, lesen Sie im Interview.
Diepholzer Land – Die Jusos im Dümmerland möchten nicht nur für die SPD als Ganzes für Wählerstimmen werben, sondern mit einer eigenen Kampagne auch eigene Schwerpunkte im Kommunalwahlkampf setzen. Es ist naheliegend, dass der Vorstand um die neu gewählten Vorsitzenden Thilo Stolte und Marie Dreier, unterstützt von Ella Kohring, Leon Melloh, Jolie Michaelis und Tom Miklis, dabei insbesondere die Interessen junger Menschen in den Mittelpunkt rückt. Zu den wichtigsten Themen der kommenden Jahre zählen aus Sicht der Nachwuchsorganisation bezahlbarer Wohnraum, ein besseres ÖPNV-Angebot insbesondere in den Abendstunden, die Stärkung von Vereinen und Ehrenamt sowie der Einsatz für eine offene und tolerante Gesellschaft.
Jusos in den Räten
Die Jusos im Dümmerland wollen die Kommunalpolitik auch direkt in den Gemeinde- und Stadträten gestalten. So bewirbt sich der ehemalige stellvertretende Vorsitzende Steffen Schupp für einen Sitz im Fleckenrat und im Samtgemeinderat Lemförde, Simon Reinhardt kandidiert für den Samtgemeinderat. In Wagenfeld steht Dennis Langhorst auf der Wahlliste, in Sulingen kandidieren Leon Meloh, Tom Miklis und Bente Kollhorst für den Stadtrat. Steffen Schupp, Tom Miklis und Leon Meloh bewerben sich zudem für einen Sitz im Kreistag.
Dass in den übrigen Kommunen keine Jusos auf den Listen stehen, liegt laut Vorstand keineswegs an fehlenden Interessenten. Ein Großteil der aktivsten Mitglieder, insbesondere vier von sechs Vorstandsmitgliedern, habe das passive Wahlalter (18 Jahre) noch nicht erreicht. „Das bremst uns aber keineswegs aus: Auch ohne eigenes Mandat setzen wir uns innerhalb unserer Ortsvereine sowie bei den Verantwortlichen in den Ortsräten und Fraktionen aktiv für unsere Anliegen und Vorschläge ein.“ Das Engagement und die neuen Perspektiven, die die Jusos in viele Themen einbringen, würden von vielen in der Partei geschätzt.
Die Jusos nennen bezahlbares Wohnen als zentrales Anliegen. Welche konkreten Maßnahmen sollen die Kommunen im Dümmerland ergreifen, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
Für die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum wollen wir, dass die Diepholzer Wohnbau GmbH ihre Baukapazitäten erhöht, um neue und günstige Wohnungen zu schaffen. Vor allem sollen junge Menschen, Auszubildende und Alleinerziehende davon profitieren. Auch die Gründung von Wohnbaugesellschaften durch Städte und Gemeinden würden wir begrüßen.
Sie fordern insbesondere bessere Busverbindungen in den Abendstunden. Haben Sie konkrete Vorstellungen zu Strecken, Taktungen und Finanzierung? Und wie realistisch ist eine Umsetzung angesichts knapper kommunaler Finanzen?
Der ÖPNV ist für junge Menschen ein wichtiger Baustein zur gesellschaftlichen Teilhabe. Konkreten Verbesserungsbedarf in den Abendstunden sehen wir auf den Linien 129 und 125, die viele Ortschaften parallel der Bahnstrecken ohne eigene Bahnhöfe (Hüde, Lembruch, Drebber, etc.) an den Regionalverkehr anbinden, sowie ein wichtiges Angebot für den Tourismus darstellen. Außerdem fordern wir eine Busverbindung zwischen gegebenenfalls Barnstorf, Wagenfeld und Lemförde. Hier könnte durch Pendler unter anderem der BASF und ZF Nachfrage nach einer verlässlichen Verbindung vorhanden sein. Arbeitnehmer könnten finanziell profitieren. Bei einer Einrichtung einer solchen Linie wäre aus unserer Sicht eine Landesbedeutsamkeit denkbar. Die Entwicklungen auf den Landesbuslinien Linien 137, 138 und OM2 zeigt aus unserer Sicht, dass ein verlässliches Angebot bis in die Abendstunden möglich und nachgefragt ist.
Wie soll eine stärkere Unterstützung von Vereinen und Ehrenamtlichen praktisch aussehen? Geht es Ihnen dabei um höhere Zuschüsse, weniger Bürokratie oder andere Maßnahmen?
Viele Sport- und Kulturangebote werden durch Ehrenamtliche getragen. Diese Ehrenamtlichen wollen wir verstärkt wertschätzen. Dafür wünschen wir uns, die Beantragung von Ehrenamtskarten zu vereinfachen, wo möglich auf Nachweispflichten zu verzichten und Kooperationen mit lokalen privaten Anbietern einzugehen. Denkbar wäre hier zum Beispiel ein Rabatt in lokalen Supermärkten für Ehrenamtliche. Kürzungen von Vereinsförderungen für minimale Einsparungen wie im Flecken Lemförde lehnen wir ab und setzen uns für den Erhalt und die Modernisierung von Sportstätten ein. (Anm. d. Red.: Der Fleckenrat hat gegen die SPD-Stimmen beschlossen, Vereine künftig mit einer einheitlichen Summe zu fördern. Für einige bedeutet das eine Kürzung, für andere einen höheren Zuschuss.)
Unter dem Motto „Liebe für alle – Gegen rechten Hass und Hetze“ wollen Sie ein Zeichen setzen. Welche konkreten Projekte oder Initiativen wollen Sie in den Kommunen anstoßen, um dieses Ziel über Symbolik und Plakatkampagnen hinaus mit Leben zu füllen?
Gegen Hass und Hetze hilft vor allem eines: eine starke, demokratische Jugend, die zusammenhält. Wir füllen dieses Motto mit Leben, indem wir aktiv Gedenkarbeit organisieren und Räume schaffen, in denen Vielfalt selbstverständlich gelebt wird. Konkret zeigen wir Jugendlichen, dass sie ihre Heimat selbst gestalten können, statt frustrierten Parolen zu folgen. Durch das Aufzeigen von Konzepten und Wegen, wie Kommunalpolitik gestalten kann – siehe Konzept zur Neugestaltung des Sulinger ZOB etc. –, machen wir Politik vor Ort greifbar. Wir informieren und beteiligen junge Menschen und holen mehr junge Menschen direkt in die Kommunalpolitik.
Auch digital halten wir dagegen: Allein auf unserem TikTok-Account konnten wir über 120.000 Aufrufe erzielen und bieten dort progressive Perspektiven. Kurzum: Wir bieten Jugendlichen in allen Gemeinden des Dümmerlands eine starke Gemeinschaft, die über Gemeindegrenzen und Wahlbezirke hinweg eng zusammenarbeitet und zeigt, dass Vielfalt und Zusammenhalt bei uns vor Ort gelebt werden.