Wahl Sachsen-Anhalt: So reagiert Berlin auf die starke AfD

Die AfD ist klarer Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, die anderen Parteien sind geschockt. Linke, Grüne und auch SPD-Vertreter machen die Bundesregierung dafür mitverantwortlich, doch die Union lehnt Konsequenzen in Berlin ab. Wir haben bundespolitische Reaktionen auf den AfD-Triumph bei der Landtagswahl gesammelt.

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Wahl Sachsen-Anhalt: So reagiert Berlin auf die starke AfD

Reaktionen auf Sachsen-Anhalt-Wahl

CDU sieht "Zäsur", lehnt aber Merz-Debatte ab

Stand: 06.09.2026 20:48 Uhr

Die AfD ist klarer Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, die anderen Parteien sind geschockt. Linke, Grüne und auch SPD-Vertreter machen die Bundesregierung dafür mitverantwortlich, doch die Union lehnt Konsequenzen in Berlin ab. Wir haben bundespolitische Reaktionen auf den AfD-Triumph bei der Landtagswahl gesammelt.

von MDR AKTUELL

Reaktionen CDU/CSU: "Zäsur", aber keine Merz-Debatte

Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Einschnitt bezeichnet. Erstmals sei eine vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei stärkste Kraft geworden. Die CDU müsse nun analysieren, warum sie die Menschen nicht erreiche. Er verteidigte jedoch den Reformkurs, weil er für die Zukunft notwendig sei. Eine Debatte über Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz lehnt Frei ab.

Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) sagte im ZDF, "dieses Ergebnis ist eine Zäsur". Es sei ein "sehr, sehr schwieriges Ergebnis" auch für die Bundesregierung.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann schloss bundespolitische Konsequenzen aus. Es beginne nun keine Diskussion über Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundesregierung, sagte Hoppermann in der ARD. Zugleich bekräftigte Hoppermann im ZDF die Abgrenzung zur Linken, "die uns vorwirft, faschistische Politik zu machen". Es werde "keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben".

Video: CDU-Generalsekretärin Hoppermann: Keine Debatte über Merz (2 Min)

Philipp Amthor (CDU), Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, sagte in der ARD. "Wir haben keine Staatskrise, sondern haben ein Grundgesetz, das auch mit solchen komplizierten Wahlergebnissen gut umgehen kann." Diese Stärke der AfD werde nicht dazu führen, "dass wir unser Verhältnis zur AfD relativieren".

Unions-Vizefraktionschef Sepp Müller aus Sachsen-Anhalt schrieb beim Kurznachrichtendienst X kurz und bündig: "Katastrophe !".

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann, warnte die Koalition vor einem Abweichen vom Reformkurs: "Dieses schwierige Wahlergebnis ändert nichts am Reformbedarf unseres Landes", sagte Hoffmann der "Rheinischen Post". Die Schlappe müsse "uns auch in Berlin beschäftigen".

AfD: Klarer Regierungsauftrag – CDU ist abgewählt

AfD-Co-Chefin Alice Weidel jubelte im ZDF über ein "historisches Ergebnis" und sprach von einem "klaren Regierungsauftrag für die stärkste Partei". Die Hand der AfD sei immer ausgestreckt. "Wir ziehen keine Brandmauer." Dabei sei der Landesverband Sachsen-Anhalt völlig eigenständig.

Video: "Man möchte einen politischen Wechsel in diesem Land haben" (1 Min)

Co-Chef Tino Chrupalla sagte in Magdeburg: "Ulrich Siegmund wird unser neuer Ministerpräsident". Und: "Wir haben die CDU halbiert, also von daher toller Abend" – eine Anspielung auf das vor einigen Jahren von CDU-Chef Friedrich Merz angekündigte Ziel, die AfD zu halbieren. Ministerpräsident Schulze sei klar abgewählt, die Politik der Brandmauer gescheitert.

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SPD-Chef Klingbeil spricht von "Signal an Berlin"

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil sieht in der Politik der Bundesregierung einen Grund für das Wahlergebnis. Die Zahlen seien "auch ein Signal an Berlin", sagt Klingbeil im ZDF. Viele Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken.

Die Co-Vorsitzende Bärbel Bas sagte in der ARD: "Vielen Menschen macht das Ergebnis Angst, nicht nur in Sachsen-Anhalt." Sie sieht jedoch keinen Grund für Personaldebatten in ihrer Partei. "Ich glaube, das schließt bei uns eher die Reihen, weil wir hier einen ganz anderen Kampfauftrag haben – nämlich diese Demokratie aufrechtzuerhalten".

Video: SDP-Chefin Bas sieht Bildung von demokratischen Mehrheiten als Aufgabe der SPD (1 Min)

Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigte sich zufrieden mit dem SPD-Ergebnis: "Wir leisten unseren Beitrag, dass wir eine andere Mehrheit bilden können", sagt Klüssendorf im ZDF. Man müsse jetzt versuchen, eine Mehrheit ohne die AfD finden, sagte er in der ARD.

Linken-Fraktionschefin Reichinnek: AfD-Stärke ist Ergebnis der schlechten Bundespolitik

Die Linksfraktionschefin im Bundestag Heidi Reichinnek nannte das AfD-Ergebnis "katastrophal". und Ergebnis der Politik der Bundesregierung. "Die AfD ist nicht deswegen so stark, weil sie so gute Konzepte hätte, sondern weil die Regierung auf Bundesebene alles dafür tut, den Nährboden für sie zu bereiten", sagte Reichinnek im Fernsehsender phoenix.

Video: Reichinnek: "Ihr seid nicht allein, habt keine Angst" (1 Min)

Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner räumte ein, das Ergebnis sei für viele in ihrer Partei enttäuschend. Zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der CDU sagt sie im ZDF: "Die Politik der Bundesregierung ist Teil des Problems." Die rechtsextreme AfD dürfe nicht an die Schalthebel der Macht kommen. Doch die Linke wolle "über Inhalte reden und nicht bloß wahltaktische Manöver machen".

Grünen-Bundeschef Banaszak: "Dramatische Zustände"

Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak zeigte sich "bestürzt" von den starken Stimmenzuwächsen der AfD. "Das sind dramatische Zustände." Es würden zwei Herzen in seiner Brust schlagen, sagte er weiter mit Blick auf die Stimmenzuwächse der Grünen und das aller Voraussicht nach beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt.

Video: Banaszak: Das sind dramatische Zustände (2 Min)

BSW-Chefin Ali: Abweichler in Thüringen haben uns geschadet

BSW-Co-Chefin Amira Mohamed Ali warf den Abweichlern der Partei in Thüringen vor, der Partei in Sachsen-Anhalt geschadet zu haben. Sie sagte in der ARD. "Insofern glaube ich schon, dass es uns auch bei dieser Wahl eher gekostet hat." Man müsse nun abwarten, ob man über der Fünf-Prozent-Hürde liege.

Video: BSW-Chefin Ali: Streit in Thüringen hat BSW im Wahlkampf geschadet (1 Min)

Eine Frau wirft ihren Stimmzettel in eine Wahlurne

Schwerpunkt

Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt

Am 6. September 2026 wurde in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Hier finden Sie die aktuelle Hochrechnung, einen Liveticker und die Wahlergebnisse.

MDR AKTUELL (ans)

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