Wahre Heimatliebe: Initiative tourt vor der Landtagswahl mit Camper durch Sachsen-Anhalt
Es ist eine Initiative von Freunden, die wissen wollen, was wahre Heimatliebe ist. Mit einem orangefarbenen Camper fahren sie durchs Land und wollen mit Menschen ins Gespräch kommen. Dabei wollen sie auch aufmerksam darauf machen, was passiert, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regiert.
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Wahrer Heimatliebe auf der Spur
Stand: 03.09.2026 19:03 Uhr
Es ist eine Initiative von Freunden, die wissen wollen, was wahre Heimatliebe ist. Mit einem orangefarbenen Camper fahren sie durchs Land und wollen mit Menschen ins Gespräch kommen. Dabei wollen sie auch aufmerksam darauf machen, was passiert, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regiert.
von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT
Der orangefarbene Camper hat auf dem Markt in Halle Station gemacht. Menschen bleiben neugierig stehen, andere werden von den Ehrenamtlichen am Stand angesprochen – in Halle wie in den anderen elf Städten im Land.
Der orangefarbene Camper machte auch auf dem Marktplatz in Halle Station.
Der Verein "Mehr als uns trennt e. V." hat für die Tour Spenden gesammelt. Und für die Plakate, die vielerorts aufgehängt worden sind und auf denen man lesen kann, was Menschen unter Heimatliebe verstehen: "Wenn wir wissen, worauf wir stolz sein können", "Wenn wir Deutschland lieben und trotzdem kritisieren dürfen", "Wenn Menschen mit Ideen bleiben dürfen." Sachsen-Anhalt steht vor einer wegweisenden Wahl, darum sollen Menschen ermutigt werden, wählen zu gehen und ihre Stimme einer demokratischen Partei zu geben.
Viel Zuspruch, aber auch Unmut
Angelika füllt nach dem Gespräch am Camper einen Zettel aus. Hier können die Passanten formulieren, was für sie wahre Heimatliebe ist. Unter all den Einsendungen wird die Stadt mit der größten Heimatliebe gesucht, die 10.000 Euro für ein gemeinnütziges Projekt gewinnen kann. Für Angelika ist wahre Heimatliebe, wenn man Fremde in ihrer Heimat aufnehme und nicht die Blauen wähle.
Für Angelika beginnt Heimatliebe mit Menschlichkeit.
Angelika ist Rentnerin und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie hilft Frauen, die deutsche Sprache zu lernen, und hat Nähmaschinen für Hilfsprojekte gesammelt. "Wir müssen alle mobil sein, damit die Demokratie bewahrt bleibt", findet sie.
Gespräche wie mit Angelika führen die Frauen um Annemarie Rosenstock viele. Manche Passanten finden die Aktion gut, andere gehen weiter, wieder andere nutzen die Gelegenheit, um über Probleme zu sprechen. Henning etwa. Er war Handwerker, bekommt jetzt nur eine niedrige Rente und muss weiterhin arbeiten, um über die Runden zu kommen.
Henning wünscht sich Veränderungen bei der Rentenpolitik.
"Bei der Rentenpolitik muss sich dringend was ändern", findet er. "Da müssen eben die Beamten und Politiker auch mit einzahlen. In Österreich geht es doch auch."
Ein anderer Passant führt ein langes Gespräch am Stand, will aber seinen Namen nicht nennen. Er sagt, er habe bis vor drei Jahren konsequent die Linke gewählt. Heute mache er sein Kreuz bei der AfD. "Weil sich die Linke mit der CDU ins Bett legt", schimpft er. Es gibt vieles, was ihn störe an der jetzigen Politik.
Im Gespräch bleiben
Annemarie Rosenstock versteht das nur zu gut. "Uns stört ja auch vieles", sagt die Sachsen-Anhalterin. Sie gehört zu den Organisatoren der Kampagne "Wahre Heimatliebe ist", ins Leben gerufen vom Verein "Mehr als uns trennt".
Annemarie Rosenstock sucht auf der Camper-Tour den Austausch mit den Menschen.
"Ursprünglich waren wir nur eine Gruppe von Freunden, die sich Sorgen gemacht hat um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Inzwischen haben wir breite Zustimmung von Leuten im Land, von Freiwilligen, Unterstützern."
Das Ziel der Kampagne: aufzeigen, dass Heimat dort entsteht, wo Menschen gemeinsam die Zukunft gestalten. Aber auch: die Konsequenzen aufzeigen, die eine rechte Regierung für Sachsen-Anhalter hätte. Dafür haben sich die Initiatoren das Parteiprogramm genau angeschaut. "Es droht zum Beispiel die Nichtanerkennung von Schulabschlüssen. Es könnte auch sein, dass der Verein, in dem man aktiv ist, keine Förderung mehr erhält. Oder auch, dass man nicht mehr mit dem Perso nach Malle fliegen kann, weil Deutschland ja aus der EU austreten soll", zählt Annemarie Rosenstock auf.
Prominente Unterstützer
Zahlreiche Prominente haben sich der Kampagne angeschlossen und teilweise eigene Videos veröffentlicht. Dazu gehören etwa die Schauspieler Dieter Hallervorden, Christian Friedel, Anna Schudt, Sportler, Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler und Ministerpräsident a. D. Reiner Haseloff. Ihre Botschaften werden vom Verein "Mehr als uns trennt" über soziale Medien verbreitet oder auf Plakate gedruckt.
Der orangefarbene Camper ist das Markenzeichen der Kampagne.
Herzstück der Kampagne aber ist die Tour mit dem Camper durch Sachsen-Anhalt. In unzähligen Gesprächen erfahren die Aktivistinnen viel Zuspruch, aber eben auch, was die Menschen stört. Bei Menschen, die mit der AfD sympathisieren, erlebt Annemarie Rosenstock große Enttäuschung und "ein tiefsitzendes Nein". Welches nachvollziehbar sei, denn so richtig zufrieden ist gerade kaum jemand mit der Politik, vor allem auf Bundesebene. Umfragen belegen historische Tiefstwerte. Für Annemarie Rosenstock ist es keine Lösung, eine radikale Partei zu wählen. Im Gespräch zu bleiben, gerade mit den Unzufriedenen, ist für sie ganz wichtig.
MDR (Annette Schneider-Solís, Susanne Liermann)