Während Metro enteignet wird, heuert Schröder beim Konkurrenten in Russland an

(Bild: 360b / Shutterstock.com) Tage nach der Zwangsverwaltung der Metro AG beruft Hyperglobus den Altkanzler in den Aufsichtsrat. Soll sein Draht in den Kreml das Geschäft absichern? Pipelin...

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Während Metro enteignet wird, heuert Schröder beim Konkurrenten in Russland an

Gerhard Schröder, im Jahr 2005, bei einer Veranstaltung.

(Bild: 360b / Shutterstock.com)

Tage nach der Zwangsverwaltung der Metro AG beruft Hyperglobus den Altkanzler in den Aufsichtsrat. Soll sein Draht in den Kreml das Geschäft absichern?

Pipelines, Ölkonzerne – und jetzt Supermärkte. Die Gesellschafterversammlung der russischen Hyperglobus GmbH hat Altkanzler Gerhard Schröder am 30. September in ihren Aufsichtsrat berufen, am 2. Oktober bestätigte das Unternehmen die Personalie.

Hyperglobus betreibt in Russland 21 Hypermärkte unter dem Namen Globus, den viele hierzulande vom Wocheneinkauf kennen. Schröder ließ sich in der Unternehmensmitteilung zitieren, sein Vertrauter Hans-Peter Huber bestätigte die Ernennung zudem gegenüber RIA Nowosti.

Brisant ist das Timing. Am 28. September stellte Russland das Geschäft der Metro AG unter vorübergehende Zwangsverwaltung. Wie Metro in einer Mitteilung erklärte, bleibt der Konzern formal Eigentümer von 91 Großhandelsmärkten mit rund 9000 Beschäftigten, hat aber keine operative Kontrolle mehr. Die liegt bei UK Torg Rus, einer Firma von Metro-Russland-Chef Johannes Tholey.

Zuvor traf es Auchan, Nestlé, Lemana Pro und FM Logistic, deren Verwaltung L.E.V. Management übernahm. Hintergründe zum Kontrollverlust bei Metro hat Telepolis kürzlich zusammengefasst.

Ein Erlass als Druckmittel

Rechtsgrundlage ist der Erlass Nr. 302 vom 25. April 2023. Er erlaubt dem Staat, Vermögen mit Bezug zu als "unfreundlich" eingestuften Ländern vorübergehend zu verwalten. Eigentümer verlieren damit das Steuer, nicht aber automatisch den Besitz.

Beim Waldai-Forum am 1. Oktober nannte Putin das Instrument eine spiegelbildliche Antwort auf mögliche Verstaatlichungen russischen Vermögens in der EU.

Unter bestimmten Bedingungen, so Putin, könnten westliche Firmen die Kontrolle zurückbekommen.

Was Schröder tun soll – und was offen bleibt

Laut Hyperglobus soll Schröder die strategische Entwicklung in Russland unterstützen. Ein Sprecher ergänzte, er werde an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und bei der langfristigen Planung helfen.

Das klingt nach mehr als Beratung. Eine Liste konkreter Befugnisse oder Stimmrechte hat das Unternehmen aber nicht veröffentlicht.

Ein Vergleich mit dem Aufsichtsrat einer deutschen AG führt in die Irre: Bei einer russischen GmbH legt die Satzung fest, was das Gremium darf, das Tagesgeschäft führt in der Regel ein Generaldirektor. Dass Schröder selbst operativ entscheidet, ist nicht belegt.

Eigentümer Thomas Bruch, früher Chef der deutschen Globus-Gruppe, nennt Schröder eine "ideale Ergänzung". Dessen langjähriges Wirken in Russland solle helfen, den "dialogorientierten Ansatz" fortzuführen.

Schröder betont laut russischen Medienberichten die Lebensmittelversorgung als grundlegenden Bereich der Zusammenarbeit: "Gerade in Krisenzeiten sind diese Verbindungen besonders wichtig: Sie ermöglichen es, einander zuzuhören und Wege in die Zukunft zu finden."

Sein Draht in den Kreml ist kurz: Im Juni führte er laut Kreml ein freundschaftliches Vier-Augen-Gespräch mit Putin, der ihn zudem als bevorzugten Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel brachte.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte ihn laut Deutscher Welle einen "hochrangigen Lobbyisten russischer Staatsunternehmen".

Ob die Berufung als Schutz vor Zwangsverwaltung gedacht ist, diskutieren Kommersant und die Deutsche Welle. Hyperglobus bestätigt das nicht.

Getrennt, aber in denselben Händen

Seit Januar 2025 ist das Russlandgeschäft rechtlich und organisatorisch von der deutschen Globus Holding abgespalten und finanziert sich selbst. Die Anteilseigner sind jedoch dieselben.

Und es geht um viel: 2025 stieg der Umsatz um 5,4 Prozent auf 165,6 Milliarden Rubel, der Nettogewinn um 12 Prozent auf 7,4 Milliarden Rubel. Für 2026 sind Investitionen von fünf Milliarden Rubel geplant, im Juli öffnete ein Markt in Tula.

Ein 24.000 Quadratmeter großer Neubau bei Moskau für über vier Milliarden Rubel soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 eröffnen.

Keine Garantie

Frühere Fälle zeigen, wie teuer Zwangsverwaltungen enden können: Danone bezifferte seinen Russlandverlust auf 1,2 Milliarden Euro, Carlsberg erhielt rund 300 Millionen Euro – etwa ein Drittel des Marktwerts.

Alexander Kolyandr von der Eurasia Group glaubt laut Deutscher Welle, Moskau habe einst auf die Rückkehr westlicher Firmen gehofft und eigne sich deren Vermögen inzwischen schlicht an.

Ob ein Altkanzler im Aufsichtsrat daran etwas ändert, muss sich erst zeigen.