Tradition trifft Technologie: Wie Swisstopo Karten neu erfindet
1982 erschien in der Schweiz die erste Wanderkarte. Heute ist die ganze Schweiz mit den roten und gelben Wanderwegen abgebildet. Sowohl digital als auch auf Papier. In der Sendung «Treffpunkt» fragen wir, wofür man denn noch Papierwanderkarten benötigt.
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Wanderkarten Papier oder App? So findet die Schweiz ihren Weg
Digitale Karten auf dem Smartphone gehören heute für viele Wandernde zur Standardausrüstung. Trotzdem verschwinden die klassischen Papierkarten nicht von der Bildfläche. Im Gegenteil: Gerade im alpinen Gelände setzen nicht nur Profis weiterhin auf beide Systeme.
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03.10.2026, 21:05
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Die Schweiz verfügt über eines der besten analogen und digitalen Kartenwerke der Welt. Grundlage dafür sind die präzisen Geodaten von Swisstopo. Urs Isenegger stellt bei Swisstopo Karten her und kennt die Vor- und Nachteile beider Welten.
Wenn Papier seine Stärken ausspielt
Für Papierkarten spricht, dass sie unabhängig von Akku, Mobilfunknetz oder Software funktionieren. Wer eine Karte ausbreitet, erhält einen Überblick über eine ganze Region und erkennt Zusammenhänge oft schneller als auf dem Smartphone.
Ich bevorzuge immer noch die Wanderkarte, da habe ich kein Funkloch.
Obwohl die erste Karte mit eingezeichneten Wanderwegen in der Schweiz erst 1982 erschien, verzeichnet die klassische Karte aus Papier spürbare Einbussen: Bei Swisstopo gingen die Verkäufe innert zehn Jahren um rund 75 Prozent zurück, während an sonnigen Wochenenden Hunderttausende die App nutzen, weiss Urs Isenegger.
Eine reine Altersfrage sei das Phänomen nicht. «Wir stellen fest, dass die App auch von vielen Seniorinnen und Senioren genutzt wird.»
Papierkarte – die Sicherheitsnadel im Rucksack
Viele Profis kombinieren beide Systeme. Gerade bei längeren Touren oder in abgelegenen Regionen erhöht die Kombination aus Papierkarte und digitaler Navigation die Sicherheit. Auch SAC-Tourenführer Thomas Winkler nutzt beides und sagt: «Die Fähigkeit zum Kartenlesen muss sowohl bei digitalen als auch bei Papierkarten vorhanden sein.» Das gehe bei der Nutzung der App oft vergessen.
Wenn in den Bergen die Technik versagt, hilft der Griff zum Papier.
KEYSTONE/Alessandro Della Bella
Bergführerin Karin Isaksson ermuntert deshalb ihre Kundschaft auch, sich mit dem Kartenlesen zu beschäftigen. «Kartenlesen ist eine Fertigkeit.» Wer Karten lesen kann, erkennt anhand von Höhenkurven, Geländestrukturen und Orientierungspunkten, wo er sich befindet und wie er sicher ans Ziel kommt. Gerade bei Nebel, leeren Akkus oder technischen Problemen ist diese Fähigkeit im Gebirge zentral.
Karten «on demand»
Digitale Karten haben die Tourenplanung revolutioniert. Die Swisstopo-App vereint Landeskarten, Luftbilder, Wanderwege und zahlreiche Zusatzinformationen auf einem Gerät. Trotzdem glaubt Urs Isenegger von Swisstopo nicht, dass die Papierkarte ganz aussterben wird. Es gebe viele, die sich auf einem Wanderportal eine Karte ausdrucken und mitnehmen. Zudem beobachtet Swisstopo einen Trend von Karten «on demand». Nutzende wählen ihren Kartenausschnitt online aus. Auf Wunsch wird die Karte personalisiert, gedruckt und nach Hause geschickt.
Das Schweizer Kartenbild ist für mich eines der besten, sogar weltweit.
Die Schweiz hat bei den Karten die Nase vorn
Schweizer Karten gelten international als Vorbild für Präzision, Detailtreue und Lesbarkeit. Das bestätigt auch SAC-Tourenführer Thomas Winkler, der verschiedenste Kontinente bereist hat. «Das Schweizer Kartenbild ist für mich eines der besten, sogar weltweit.»
Die Nachbarländer hätten auch gute Karten, erreichten aber nicht das Schweizer Niveau. Ein Grund sieht Urs Isenegger von Swisstopo in den Bedürfnissen anderer Länder. «In Holland sind Fels- und Gerölldarstellungen kein Thema.» Hingegen investiere die Schweiz als klassisches Alpenland sehr viel in die Kartografie.
SRF 1-Hörerin Dóra Steták meint: Das kann nur eine Papierkarte.
Dóra Steták
Grund genug, die Swisstopo-Karten wertzuschätzen. Auch jene aus Papier.
Radio SRF 1, 02.10.2026, 10:00 Uhr