Nepal: Warnung vor weiteren Überflutungen

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal ist die Opferzahl weiter gestiegen. 800 Todesopfer konnten laut offiziellen Stellen bis Sonntag geborgen werden. 3.000 Menschen gelten weiter als vermisst. Die Behörden warnen unterdessen vor neuen Überschwemmungen. Ein Schuldirektor, der wohl Hunderten Kindern und Jugendlichen das Leben rettete, wird unterdessen als Held gefeiert.

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Nepal: Warnung vor weiteren Überflutungen

Nepal

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal ist die Opferzahl weiter gestiegen. 800 Todesopfer konnten laut offiziellen Stellen bis Sonntag geborgen werden. 3.000 Menschen gelten weiter als vermisst. Die Behörden warnen unterdessen vor neuen Überschwemmungen. Ein Schuldirektor, der wohl Hunderten Kindern und Jugendlichen das Leben rettete, wird unterdessen als Held gefeiert.

Online seit gestern, 23.27 Uhr

„Ich erfuhr durch Anrufe von der Flutwelle – etwa 15 Minuten, bevor sie unsere Schule tatsächlich erreichte“, sagte Rajenda Dawadi, Direktor der höheren Schule in dem Ort Trishuli Baraar, der Nachrichtenagentur dpa. Daraufhin leitete er die Evakuierung der Schule ein.

Die 900 Schülerinnen und Schülern flüchteten zu Fuß, einige mit dem Bus. Zudem gelang es Baraar rechtzeitig, zur Schule fahrende Busse umzuleiten. „Hätten wir die Entscheidung zur Flucht zehn Minuten später getroffen, könnten wir alle – einschließlich der Schüler und mir – heute nicht mehr mit Ihnen sprechen“, zitierte die BBC den Schuldirektor.

Suche nach Arbeitern in Tunnel

In Nepal suchen die Behörden unterdessen mit Hochdruck nach Bauarbeitern, die in einem Tunnel eingeschlossen sind. Heftige nächtliche Regenfälle und steigende Pegel erschwerten die Einsätze. Seit der Sturzflut vom Mittwoch wurden über 900 Arbeiter vermisst, die an Baustellen von Wasserkraftwerken eingesetzt waren. Die Regierung ging davon aus, dass mehr als hundert von ihnen noch lebten und in einem der Tunnel eingeschlossen waren.

Überflutetes Gebäude und eine zerstörte Brücke in Nuwakot, Nepal
Die Flut hinterließ eine Schneise der Zerstörung

Betroffene am Bhotekoshi-Fluss zur Vorsicht aufgerufen

Die steigenden Pegel lösten bei den Behörden Besorgnis aus. Sie warnten am Sonntag vor möglichen neuen Überschwemmungen. Zudem forderten sie die Bewohnerinnen und Bewohner der von Überschwemmungen betroffenen Bezirke auf, weiterhin höchste Wachsamkeit zu wahren, nachdem der Wasserstand des Bhotekoshi-Flusses gestiegen war.

Die Sturzflut war am Mittwoch über den Fluss Bhotekoshi von Nepal aus durch die Grenzregion im Südwesten des chinesische annektierten Tibet bis nach Zentralnepal geschossen und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die jüngste Warnung basiert auf Daten chinesischer Behörden, die Nepal über einen erhöhten Wasserzulauf stromaufwärts informiert hatten.

Massenbestattungen haben begonnen

Unterdessen begann am Sonntag in Nepal die Massenbestattung nicht identifizierter Opfer. Die Behörden begründeten den Schritt mit der von den Leichen ausgehenden Gesundheitsgefahr. Die Leichname waren durch die Wassermassen fast 200 Kilometer weit aus dem Katastrophengebiet im Distrikt Rasuwa in die Ebene des ländlich geprägten Distrikts Chitwan geschwemmt worden.

Um eine spätere Identifizierung durch Angehörige zu ermöglichen, entnehmen die Behörden DNA-Proben und dokumentieren jedes Grab präzise mit Standortdaten. Ein forensisches Team aus Indien unterstützt den Einsatz. Hunderte Angehörige versammelten sich am Ausstellungszentrum von Chitwan, wo Fotos der Opfer zur Identifizierung gezeigt werden sollten. Viele Familien waren mit Gepäck aus weit entfernten Regionen angereist, um Gewissheit über das Schicksal ihrer vermissten Verwandten zu erlangen.

Viele Vermisste auch in China

Auf der chinesischen Seite der Grenze in Tibet kamen mindestens 16 Menschen ums Leben, 546 gelten als vermisst. Unter den Vermissten in der Region befinden sich der Regierung in Peking zufolge zudem 261 Ausländerinnen und Ausländer aus 23 Staaten.