Was für und was gegen einen Staatsfonds zur Absicherung der Pensionen spricht
Was für und was gegen einen Staatsfonds zur Absicherung der Pensionen spricht Bundeskanzler Christian Stocker will Gewinne aus Staatsbeteiligungen in einen Staatsfonds investieren. Eine Pensionsreform ersetzt...
- 3 min read
Was für und was gegen einen Staatsfonds zur Absicherung der Pensionen spricht
Bundeskanzler Christian Stocker will Gewinne aus Staatsbeteiligungen in einen Staatsfonds investieren. Eine Pensionsreform ersetzt das nicht
30. August 2026, 14:09
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) schlägt vor, Gewinne aus Staatsbeteiligungen in einem Fonds zu veranlagen und damit das staatliche Pensionssystem abzusichern. Stocker will das Pensionssystem "gesamtheitlicher" denken und dabei Anleihe an skandinavischen Ländern nehmen, wie er gegenüber oe24 erklärte: "Wir könnten einen Teil, etwa die Hälfte dessen, was wir aus unseren staatlichen Betrieben an Gewinnen erwirtschaften, in dieses Pensionsvermögen investieren und anlegen." Die Gewinne sollen dann die Absicherung des staatlichen Pensionssystems sicherstellen, erklärte Stocker im Krone-Interview.
Neos und Industriellenvereinigung begrüßen den Vorschlag Stockers, verweisen aber darauf, dass man dennoch nicht um eine Reform des Pensionssystems herumkommen würde. Die FPÖ lehnt Stockers Vorschlag ab, die SPÖ beharrt noch einmal darauf, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter nicht erhöht werden dürfe.
Stockers Vorschlag ist ökonomisch grundsätzlich plausibel, aber nicht ausreichend, um das Pensionssystem zu sanieren. Ein Staatsfonds würde das österreichische Pensionssystem teilweise von einem reinen Umlageverfahren in Richtung Kapitaldeckung ergänzen. Stocker denkt dabei an rund die Hälfte der Gewinne aus Staatsbeteiligungen, wie er erklärte, also etwa 700 Millionen Euro jährlich, die langfristig veranlagt werden sollen. Ein Staatsfonds wäre eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für eine Pensionsreform.
Was spricht dafür?
Österreichs Pensionen hängen stark von laufenden Beiträgen und Steuerzuschüssen ab. Ein Kapitalstock könnte künftig Erträge erwirtschaften und damit das System zusätzlich stützen.
Gerade bei einem sehr langen Anlagehorizont kann selbst ein relativ kleiner jährlicher Betrag zu einem beträchtlichen Vermögen anwachsen. Ein professionell gemanagter Fonds könnte weltweit in Aktien, Anleihen, Infrastruktur und andere Anlageformen investieren.
Die Idee, einen Teil der Gewinne staatlicher Unternehmen nicht unmittelbar im Budget zu verbrauchen, sondern langfristig anzulegen, ist finanzpolitisch attraktiv. Vereinfacht gesagt: Der Staat würde einen Teil seiner laufenden Erträge in dauerhaftes Vermögen verwandeln.
Die heutige Generation würde Vermögen für kommende Generationen aufbauen. Das unterscheidet einen Fonds vom reinen Umlageverfahren, bei dem die aktuellen Einnahmen im Wesentlichen sofort wieder für laufende Pensionen verwendet werden.
Stocker verweist ausdrücklich auf skandinavische Modelle. Tatsächlich haben etwa Norwegen und Schweden kapitalgedeckte Elemente beziehungsweise große öffentliche Fonds aufgebaut.
Was spricht dagegen?
700 Millionen Euro pro Jahr lösen das Pensionsproblem nicht. Das ist angesichts des Gesamtaufwands ein relativ kleiner Betrag. Für 2025 waren im Bundesbudget rund 32,9 Milliarden Euro für Pensionen vorgesehen. Für 2026 steigen die Ausgaben weiter. Der Bund muss allein für die gesetzliche Pensionsversicherung voraussichtlich rund 16 bis 17 Milliarden Euro zuschießen.
Selbst wenn jährlich 700 Millionen investiert werden, wächst daraus nicht kurzfristig ein Fonds, der die strukturellen Finanzierungsprobleme des österreichischen Pensionssystems beseitigt. Der Fonds könnte ein Baustein, aber keine Alternative zu Pensionsreformen sein. Auch die Neos argumentieren entsprechend und fordern vehement eine Reform mit einer Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.
Ein Fonds kann langfristig hohe Renditen erzielen, aber auch erhebliche Verluste machen. Politisch wäre es schwierig zu erklären, wenn ausgerechnet in einer Wirtschaftskrise das Pensionsvermögen stark an Wert verliert.
Ein Staatsfonds müsste professionell und unabhängig geführt werden. Sonst droht die Versuchung, Geld nach politischen Kriterien zu investieren: in heimische Prestigeprojekte, zur Rettung bestimmter Unternehmen oder für kurzfristige budgetäre Zwecke. Diese professionelle Führung ist angesichts der politischen Lage keine Selbstverständlichkeit.
Was noch dagegen spricht: Das Geld fehlt möglicherweise bei anderen wichtigen Investitionen. Österreich braucht derzeit dringend Geld für Bildung, Infrastruktur, Energiewende oder Schuldenabbau. Jeder Euro, der in einen Pensionsfonds fließt, steht für andere Vorhaben nicht zur Verfügung. (Michael Völker, 30.8.2026)