Was in der Welt der feinen Düfte gerade angesagt ist
Nischendüfte Was in der Welt der feinen Düfte gerade angesagt ist Die Pitti Fragranze in Florenz ist eine der international bedeutendsten Nischenduftmessen – wir waren vor Ort Michael Steingruber ...
- 3 min read
Nischendüfte
Was in der Welt der feinen Düfte gerade angesagt ist
Die Pitti Fragranze in Florenz ist eine der international bedeutendsten Nischenduftmessen – wir waren vor Ort
Michael Steingruber
Feel-Good-Content
Es ist wohl ein Zeichen der Zeit, dass einige Brands dezidiert den Wohlfühlfaktor ihrer Düfte hervorheben. Ist die Weltlage trist, kommt ein olfaktorischer Stimmungsaufheller gelegen. Die Düfte von Hb;rn oder "Aereo" von Pigmentarium sollen als solche verstanden werden. Emotionale Reaktionen auf Gerüche sind evolutionär sinnvoll, man denke an Rauch oder Verwesung. Düfte, die positive Gefühle auslösen, sind laut dem Messe-Fachvortrag des Duftherstellers Mane Hölzer (Geborgenheit), Vanille (Wärme) und Lavendel (Ruhe).
Back to the Roots
Als Gegenpol zu den vielen konzeptuell ungewöhnlichen Düften und Parfums mit exotischen Inhaltsstoffen scheint man sich gerade auf die klassische französische Tradition zu besinnen. Der Iris-Leder-Duft "Chiris" von Heeley_Paris etwa ist eine Hommage an Antoine Chris. Er war einer der ersten Rohstoff- und Parfum-Hersteller Frankreichs – mit Sitz in Grasse, eh klar. Dort hat auch der Sohn von Lorenzo Villoresi, Alessandro, gelernt. Mit Vol d‘Arabis hat er seinen ersten eigenen (Vanille-) Duft für die Traditionsmarke aus Florenz in französischer Manier kreiert.
Made in Germany
Deutscher Duft? Da fällt vielen wohl maximal Kölnisch Wasser und dessen leicht verstaubtes Image ein. Zu Unrecht! Deutsche Parfümeure und Duftentwickler wie Mark Buxton oder Marc vom Ende haben sich längst international einen Namen gemacht. Und auch bei der Pitti Fragranze kommen einige interessante Labels aus Deutschland. Allen voran die Düfte von Ylem, die "nicht von dieser Welt sind" (siehe „Storytime“), Rundholz, Parfums eines expressionistischen Modelabels oder die Kreationen von Art Brüt, die jung und urban daherkommen.
Asian Excellence
Lange Zeit war die Parfumwelt fasziniert vom Mittleren Osten und dessen geheimnisvoll anmutenden Inhaltsstoffen wie Oud. Seit Kurzem sind aber vor allem Duftlabels aus Korea oder Japan angesagt. In asiatischen Kulturen ist olfaktorische Zurückhaltung angesagt. Subtile Kompositionen und kulturtyptische Inhaltsstoffe wie Grüner Tee oder Yuzu findet man etwa bei J-Scent, Sisology oder Kuoca. Und auch jene Brands, die ihre Düfte fernab des Fern-Ost-Klischees anlegen (Pesade oder Scentseum etwa), sind äußerst spannend.
All Natural
Immer mehr Marken stellen die Inhaltsstoffe ihrer Parfums in den Vordergrund und betonen die Natürlichkeit und den Ursprung des Rohmaterials. Einerseits, weil die Kundschaft Vorbehalte gegenüber synthetischen Aromen hat (wenngleich die nicht minderwertiger sein müssen). Anderseits bietet die Verwendung exklusiver Rohstoffe besseren Schutz vor Nachahmung. Ein Copyright gibt es auf Parfumformeln nämlich nicht. Demo Accords geht einen anderen Weg und veröffentlicht sie in einem Buch. Da gilt der Urheberschutz nämlich.
Storytime
Wie vermittelt man jemandem den Duft eines Parfums aus der Ferne? Die bloße Beschreibung der Inhaltsstoffe ist für viele Kunden zu technisch und nüchtern. Deshalb greifen die Brands zu Geschichten und Assoziationen, welche eine emotionale Verbindung zum Produkt herstellen sollen. Besonders kreativ ist hier das Label Ylem, das sich für seine "otherwordly" Düfte von kosmischen Nebenformationen inspirieren lässt. Das Duo hinter "Pernoire" schöpft Ideen aus seiner Freundschaft und den gegensätzlichen Persönlichkeiten.
(Michael Steingruber, 12.10.2026)
Forum: 17 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.