Wedium: Kann diese App Tiktok Konkurrenz machen?
Öffnet man die neue App Wedium zum ersten Mal, wirkt sie gleich vertraut. Herzchen verteilen, kommentieren, neue Beiträge erstellen: Alles hat denselben Platz wie auf der Plattform Tiktok. Doch auch wenn die ne...
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Öffnet man die neue App Wedium zum ersten Mal, wirkt sie gleich vertraut. Herzchen verteilen, kommentieren, neue Beiträge erstellen: Alles hat denselben Platz wie auf der Plattform Tiktok. Doch auch wenn die neue Social-Media-Plattform mit Sitz in Berlin die Anmutung von Tiktok übernommen hat, will sie alles anders machen. Eine „echte Alternative zu den großen Anbietern“ und das „soziale soziale Netzwerk“ sein.
„Wir versuchen nicht, Tiktok zu kopieren“, sagt Mitgründerin Nele Meissner der F.A.Z. Wedium setze im Vergleich weniger auf Bewegtbild. Zu den wichtigsten Punkten zähle: Bots und Fake Accounts bekommen keinen Platz. Wer etwas posten will, muss sich mit einem Ausweisdokument verifizieren. Wedium sei in Europa gebaut und gehostet, nach Standards der Datenschutz-Grundverordnung. Und drittens gingen 50 Prozent der Werbeeinnahmen an die Produzenten der Inhalte.
Die Gründer von Wedium wollen es besser machen
Zum Start hat die Plattform 200.000 Euro an Investment eingesammelt, 50.000 Euro davon kämen von den Gründern, sagt Meissner. Um sich zu finanzieren, will die Plattform auf einen Mix aus Werbeeinnahmen und einem Freemium-Modell setzen. Heißt: Um die Plattform werbefrei zu nutzen, sollen Nutzer monatlich 8,99 Euro bezahlen. Werbekunden hat die Plattform bislang nicht.
Wedium hat Ende Juli zehn Mitarbeiter, die nicht alle voll für die Plattform arbeiten. Gegründet wurde sie von einem fünfköpfigen Team, aus dem vier Personen in einer Kommunikationsagentur arbeiten. Das meint man auch an ihrem erzählerischen FAQ zu erkennen: Sie seien kein junges Start-up, das auf schnelles Geld aus sei. Sie seien Gründer und Eltern, die sich für ihre Kinder mehr Sicherheit im digitalen Raum wünschten. Sie hätten es nicht mehr ausgehalten, dass Social Media in den Händen von amerikanischen und chinesischen Techkonzernen liege, die unsere Demokratie bedrohten. „Um dem Gefühl der Hilflosigkeit zu entkommen, haben wir einfach angefangen. Jetzt gründen wir ein soziales Netzwerk und wollen es besser machen.“
Die Algorithmen pushten keine Extreme
Der Algorithmus solle „gesund“ und „ausbalanciert“ sein. So gibt es in der App zwei Feeds: Eine „For we“- und eine „For me“-Seite. Einmal werden Beiträge von Freunden und Personen, denen man folgt, und deren Netzwerk gezeigt, einmal „Inhalte, die dich darüber hinaus interessieren könnten“. Die Algorithmen seien zwar interessenbasiert, aber pushten weder Extreme noch verzerrten sie den Diskurs, heißt es auf der Website. Unter anderem Medienexperten und eine Jugendschutzexpertin berieten die Plattform fortlaufend, um einen gesunden Algorithmus zu schaffen.
Auch Jugendliche können die Plattform nutzen, sofern sie mindestens 13 Jahre alt sind und von einer erziehungsberechtigten Person über deren ID angemeldet oder an deren Account angedockt werden. Dann würden nur altersgerechte Inhalte ausgespielt. Eine Klarnamenpflicht gebe es nicht, Minderjährigen empfehle man ausdrücklich, den echten Namen privat zu halten.
Wer die Plattform frisch nach dem Ausrollen öffnet, braucht sich nicht vor einem leeren Feed zu fürchten. Man wischt sich durch Videos, die auch auf Tiktok zu sehen sind, Content von neuen Usern. Schon im März trat das soziale Netzwerk in die Beta-Testphase ein.