Kartoffelrose auf Sylt: Warum riesige Sandteppiche die Dünen retten sollen
Auf Sylt sieht man immer mal wieder Aussergewöhnliches. Doch das Bild, das sich aktuell bietet, ist doch noch mal anders besonders. Denn an mehreren Stellen finden sich riesige beigefarbene Teppiche.
- 4 min read
Publiziert2. September 2026, 19:55
Invasive PflanzeWegen Hitler-Rose hat es auf Sylt jetzt «Teppiche aus Sand»
Auf Sylt sieht man immer mal wieder Aussergewöhnliches. Doch das Bild, das sich aktuell bietet, ist doch noch mal anders besonders. Denn an mehreren Stellen finden sich riesige beigefarbene Teppiche.

Darum gehts
- Auf Sylt sind grosse Flächen mit sandfarbenen Teppichen abgedeckt worden.
- Damit soll die invasive Kartoffelrose bekämpft werden, die heimische Pflanzen verdrängt und Dünen gefährdet.
- Die Geotextilien sollen zwei bis drei Jahre liegen bleiben und das Neuaustreiben der auch als Hitler-Rose bekannten Pflanze verhindern.
Wer schon einmal auf Sylt war, dürfte sich aktuell immer wieder verwundert die Augen reiben. Denn dort, wo sich sonst immer Dünen- und Heidelandschaft befanden, sind jetzt Teppiche ausgerollt. Sandfarben, damit sie nicht so auffallen (siehe Bildstrecke). Grund dafür ist der Vormarsch der Sylter Rose (Rosa rugosa), die, anders als es der Name vermuten lässt, gar nicht von Sylt stammt.
Wusstest du, dass die Sylter Rose gar nicht ursprünglich von Sylt stammt?
Ja, das war mir bewusst.
Vielleicht. Ich bin mir nicht sicher.
Nein, das wusste ich nicht.
Warum will Sylt die Rose weghaben?
Die Rosa rugosa stammt ursprünglich aus China, fühlt sich aber auf der deutschen Nordseeinsel äusserst wohl. Entsprechend stark breitet sie sich aus. So stark, dass die heimischen Pflanzen und damit auch die Küste gefährdet sind. Denn zu den von der auch Hitler-Rose genannten Pflanze (siehe Box) be- und verdrängten Pflanzen zählt auch der Strandhafer, wie «Bild» unter Berufung auf Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland, schreibt. Dieser verankere mit seinem Wurzelwerk den Sand und wachse bei Sandverwehungen mit. Unter den dichten Gebüschen der Kartoffelrose hingegen bleibe der Boden locker und die Dünen, die die Insel schützen, werden instabil. Weiteres Problem: Auch Wühlmäuse werden von den Rosen angezogen.
Hitler-Rose?
Rosa rugosa ist eine Pflanze mit vielen Namen. Sie ist auch als Kartoffel-, Apfel-, Japan- und Kamtschatkarose bekannt. Auf Sylt wird sie mitunter auch als Hitler- oder Adolf-Hitler-Rose bezeichnet. Der Grund? In der NS-Zeit wurde sie dort offenbar grossflächig gepflanzt, unter anderem zur Tarnung von Bunkeranlagen in Dünen.
Mit Teppichen gegen Pflanzen: Was soll das bringen?
Das Ausrollen der sandfarbenen Teppiche ist genau genommen erst der zweite Schritt der Aktion gegen die invasive Pflanze. In einem ersten war das unerwünschte Gehölz von Fachleuten gerodet worden, vor allem im Bereich der Gemeinde Kampen. Diese gezielte Entfernung nennen Fachleute «Entkrusselung» (siehe Box). Bearbeitet wurden dabei Flächen von fast zehn Hektar. Das entspricht etwa 14 Fussballfeldern.
Entkrusselung mit Hürden
Auf der nördlichsten Insel Deutschlands haben die Entkrusseler noch mit einer weiteren Herausforderung zu kämpfen: die Raupe des Goldafters, einem Schmetterling, dessen Population aufgrund des Klimawandels sprunghaft angestiegen ist. Er liebt die Kartoffelrose, frisst ihre Blätter und nistet darin. Das Problem: Wie die Raupen des Eichenprozessionsspinners besitzen auch die des Goldafters Brennhaare, die auf menschlicher Haut zu stärkerem Juckreiz führen können, der teils mehrere Tage anhält. Auch allergische Reaktionen sind möglich. Weil sich die Haare auch auf und in den Rosen befinden können, ist bei der Entfernung der Sylter Rose grosse Vorsicht angesagt.
Mehr zu diesem Thema
Nach Abschluss der Arbeiten wurden die von der Kartoffelrose befreiten Areale mit den sandfarbenen Teppichen aus Geotextil bedeckt. Dadurch soll das Neuaustreiben der Kartoffelrose verzögert werden. Zwei bis drei Jahre sollen die Textillaken dort bleiben. «Die Massnahmen dienen der dauerhaften Verbesserung des Naturhaushalts durch die anschliessende Wiederherstellung der natürlichen Heide- und Dünenlandschaft», erklärt Burkhard Jansen vom Kreis Nordfriesland.

Das Abdecken von Erde, um das Keimen von unerwünschten Pflanzen (Unkraut) zu verhindern, ist ein gängiges Vorgehen, das auch Gartenbesitzer kennen.
Abonniere den Wissen-Push!
Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Benachrichtigungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus.

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
Deine Meinung zählt