Schweiz: Hitzewelle sorgt für mehr Interesse an Solaranlagen

Die Hitzewelle sorgt nicht nur für mehr Interesse an Klimaanlagen, auch Photovoltaikanlagen sind derzeit gefragter. Einen schweizweiten Boom stellt der Branchenverband derzeit aber noch nicht fest.

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Schweiz: Hitzewelle sorgt für mehr Interesse an Solaranlagen

Publiziert31. Juli 2026, 18:36

SolarenergieWegen Hitzewellen: «Verkaufen 20 Prozent mehr Solaranlagen»

Die Hitzewelle sorgt nicht nur für mehr Interesse an Klimaanlagen, auch Photovoltaikanlagen sind derzeit gefragter. Einen schweizweiten Boom stellt der Branchenverband derzeit aber noch nicht fest.

Shirin Camenisch

Darum gehts

  • Klimaanlagen und Solaranlagen profitieren gleichzeitig von der Hitzewelle in der Schweiz.
  • Solaranbieter Helion meldet 20 Prozent mehr verkaufte Projekte gegenüber dem Vorjahr.
  • Swissolar relativiert: Kaufentscheide für Photovoltaikanlagen hingen langfristig vor allem von Investitionskosten, Strompreisen und Rückliefertarifen ab.

Die vierte Hitzewelle des Jahres bringt die Schweiz ins Schwitzen. Während Ventilatoren und Klimaanlagen boomen, könnte auch die Solarbranche profitieren. Denn die vielen Sonnenstunden lassen manche über die Investition in eine Photovoltaikanlage nachdenken.

Photovoltaikanlagen

Beim Solaranbieter Helion zeigt sich ein deutlicher Trend: «In den Sommerferien geht die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen traditionell leicht zurück. Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sind verreist oder verschieben Investitionsentscheide auf einen späteren Zeitpunkt. Aktuell verzeichnen wir gegenüber den Vorjahren jedoch rund 20 Prozent mehr verkaufte Projekte», heisst es auf Anfrage.

Dies habe auch mit der Nachfrage nach Klimaanlagen zu tun. «Viele Menschen überlegen sich derzeit, ein Klimagerät anzuschaffen. In der Schweiz waren Klimageräte lange Zeit kein grosses Thema – unter anderem, weil der höhere Stromverbrauch und die zusätzlichen Kosten viele abgeschreckt haben.»

Klimageräte benötigten vor allem dann viel Strom, wenn die Sonne scheint und Solaranlagen besonders hohe Erträge lieferten, heisst es von Helion. «Dadurch kann ein wesentlicher Teil des zusätzlichen Energiebedarfs für Klimageräte oder Wärmepumpen, die auch Kühlen können, direkt mit dem selbst produzierten Solarstrom gedeckt werden.»

Noch kein schweizweiter Trend

In Spitzenwochen deckte Solarstrom zeitweise mehr als 30 Prozent der Schweizer Stromerzeugung.

In Spitzenwochen deckte Solarstrom zeitweise mehr als 30 Prozent der Schweizer Stromerzeugung.Andreas Arnold/dpa

Ob die aktuelle Hitzewelle zu einem Rekordsommer für die Nachfrage nach Solaranlagen führen wird, lasse sich derzeit aber noch nicht abschliessend beurteilen, so der Solaranbieter. Auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) bestätigen jedoch eine leicht erhöhte Nachfrage.

Beim Branchenverband Swissolar fällt die Einschätzung währenddessen zurückhaltender aus. Zwar berichteten einzelne Unternehmen von zusätzlichem Interesse, einen klaren schweizweiten Effekt der Hitzewelle oder der vielen Sonnenstunden könne man derzeit aber nicht feststellen. Nach den Boomjahren 2022 bis 2024 entwickle sich der Markt insgesamt etwas ruhiger.

Was wäre für dich der wichtigste Grund, in eine Solaranlage zu investieren?

Die Umwelt zu schonen und nachhaltig zu leben.

Um unabhängiger von steigenden Strompreisen zu werden.

Den Wert meiner Immobilie zu steigern.

Ich habe keine Möglichkeit, eine Solaranlage zu installieren.

Ich sehe keinen Vorteil darin.

Etwas anderes, das hier nicht genannt ist.

Dass sonnige Tage das Interesse dennoch ankurbeln können, schliesst Swissolar nicht aus. «Viele sonnige Tage machen sichtbar, wie viel Strom Solaranlagen produzieren können», schreibt der Verband. In Spitzenwochen habe Solarstrom zeitweise mehr als 30 Prozent der Schweizer Stromerzeugung ausgemacht. Kaufentscheide für Photovoltaikanlagen würden jedoch meist langfristig getroffen. Ausschlaggebender seien deshalb Faktoren wie Investitionskosten, Strompreise, Rückliefertarife oder die Kombination mit einer Batterie, Wärmepumpe oder einem Elektroauto.

Mehr Stornierungen bei schlechtem Wetter

Welchen Einfluss das Wetter auf Kaufentscheide haben kann, zeigen auch wissenschaftliche Studien. Laut Umweltökonom Stefan Lamp erhöhen vor allem viele Sonnenstunden, nicht aber hohe Temperaturen, die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Ökonomin Yanjun Liao: Bleibt nach der Bestellung einer Solaranlage das sonnige Wetter aus, stornieren Kundinnen und Kunden ihre Kaufverträge häufiger wieder. Beide Studien deuten darauf hin, dass sonnige oder regnerische Wochen die Wahrnehmung stärker prägen können, als vielen bewusst ist.

Die EKZ weisen zudem darauf hin, dass die Leistung von Photovoltaikanlagen bei hohen Temperaturen sogar leicht abnimmt. An heissen Sommertagen könnten sich Solarmodule auf über 60 Grad aufheizen, was zu einem Leistungsverlust von 10 bis 20 Prozent führe. Am effizientesten arbeiteten sie im Frühling. Den höchsten Gesamtertrag lieferten sie trotzdem im Hochsommer, allerdings wegen der längeren Tage und der vielen Sonnenstunden.

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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