Wegen hoher Baupreise: Traditionsunternehmen schließt einen Standort in Oberbayern: „War eine Herzensangelegenheit“

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Wegen hoher Baupreise: Traditionsunternehmen schließt einen Standort in Oberbayern: „War eine Herzensangelegenheit“

Stand: 23.08.2026, 18:00 Uhr

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„Geith und Niggl“-Inhaber Fritz Martin (Mi.) schließt die Heilbrunner Filiale. Für die Kunden im Oberland bleiben Veronika Waldherr und Anton Flossmann als Berater im Außendienst.

„Geith und Niggl“-Inhaber Fritz Martin (Mi.) schließt seine Filiale in Bad Heilbrunn. Für die Kunden im Oberland bleiben Veronika Waldherr und Anton Flossmann als Berater im Außendienst tätig. © Arndt Pröhl

Der Baumaschinen- und Baustoffhändler „Geith und Niggl“ gibt seine Filiale in Bad Heilbrunn auf. Für die zehn Beschäftigten wurden individuelle Lösungen gefunden.

Bad Heilbrunn – Für zahlreiche Handwerksbetriebe und private Bauherren im Tölzer Land war der Baumaschinen- und Baustoffhändler Geith & Niggl in Bad Heilbrunn jahrelang eine Anlaufstelle. Die anhaltende Krise in der Baubranche zwingt den Inhaber des Münchner Unternehmens, Fritz Martin, nun zur Schließung des Standorts im Oberland. Martin betont, dass für alle zehn Beschäftigten individuelle Lösungen gefunden wurden und die Betreuung der lokalen Handwerksbetriebe über den Außendienst weiterläuft. Was in die Immobilie an der Bundesstraße kommen wird, ist noch unklar.

Anhaltende Preiskrise in der Baubranche ausschlaggebend

Bereits seit 2012 ist der Baumaschinen- und Baustoffspezialist in Bad Heilbrunn ansässig. Für den in Mittenwald aufgewachsenen Fritz Martin war der Kauf der ehemaligen Räumlichkeiten des Landmaschinentechnik-Geschäfts Demmel eine bewusste Entscheidung: „Wir hatten auch damals schon viele Kunden in der Region, so war der Schritt nur logisch.“ In dem knapp 1000 Quadratmeter umfassenden Gebäude entstanden Verkaufsflächen, Büros und Werkstattplätze für den regionalen Betrieb.

Doch die Marktlage hat sich drastisch gedreht. „Hier im Oberland war der Fokus auf Neubauten, in München gibt es wiederum mehr Bestandssanierungen“, erklärt Martin. „Hier spüren wir leider seit 2023 einen deutlichen Rückgang. Die Handwerker und Baugewerbetreibenden haben weniger Aufträge, und das hat natürlich auch auf uns eine große Auswirkung.“ Verantwortlich dafür seien immense Preissteigerungen bei Baustoffen, hohe Grundstückspreise und die allgemeine Zinslage. „Da ich globalwirtschaftlich aktuell auch wenig Hoffnung auf eine grundlegende Besserung sehe, muss ich unternehmensstrategisch leider so handeln“, sagt der Inhaber, für den die Schließung Ende August eine schmerzhafte Entscheidung ist: „Durch meine Verbundenheit zur Region und dadurch, dass ich den Standort selbst aufgebaut habe, war das in Bad Heilbrunn immer eine Herzensangelegenheit“, meint er.

130-jährige Geschichte des Familienbetriebs

Dabei blickt das Unternehmen auf eine über 130-jährige Geschichte zurück, deren Ursprünge in das vorletzte Jahrhundert reichen. Fritz Martins Urgroßvater Max Niggl gründete bereits im Jahr 1895 ein Geschäft für Baustoffe und Baugeräte am Münchner Hauptbahnhof. „Die Nähe zu den Gleisen war damals essenziell, da die schweren Materialien vor allem über die Bahn transportiert wurden.“ Später siedelte der Betrieb in den Münchner Osten um, wo sich bis heute ein Standort des Unternehmens befindet.

In den folgenden Jahrzehnten führten Martins Großvater und sein Vater den Familienbetrieb weiter. Letzterer kaufte schließlich die Firma Geith Baugeräte hinzu, die bis dahin von einem Bekannten ohne Nachfolger betrieben wurde. Durch diese Fusion spezialisierte sich das Geschäft zusätzlich auf Baugeräte und einen Mietpark. Unter der heutigen Regie von Fritz Martin folgten weitere Standorte, darunter in Gröbenried bei Karlsfeld und schließlich im Jahr 2012 der Schritt nach Bad Heilbrunn.

Kundenbetreuung im Tölzer Land nun über Außendienst

Kunden im Tölzer Land werden ab September mobil betreut. „Einige Mitarbeiter aus der Region bleiben vor Ort im Homeoffice und gehen in den Außendienst“, kündigt Martin an. Das bedeutet konkret: Der bisherige Standortleiter Anton Flossmann und Fachverkäuferin Veronika Waldherr sind für das heimische Bau- und Handwerk sowie Privatkunden künftig im Außendienst und auf den Baustellen im Einsatz. „So ist die Beratung und der Verkauf noch individueller auf den Kunden zugeschnitten“, meint Martin. Lieferungen aus den Münchner Lagern erfolgen je nach Bestelltag innerhalb von ein bis zwei Tagen. Das Sortiment und das Angebot für Privat- und Geschäftskunden bleibe unverändert.

Ganz aufgeben will Martin das Oberland nicht. Er behalte die Immobilie auch deshalb, „dass ich jederzeit wieder den Standort neu beleben könnte, wenn sich die wirtschaftliche Lage und die Situation in der Baubranche grundlegend ändert.“ Und für die nahe Zukunft ab September? „Aktuell suche ich nach einem oder zwei passenden Mietern“, so der Inhaber.