Schutz für Opfer häuslicher Gewalt: Künftig mehr Fußfesseln im Einsatz

Hessen übernimmt für ganz Deutschland die Überwachung von Menschen, die eine Fußfessel tragen. In Weiterstadt soll dafür bald mehr Personal eingesetzt werden – denn die Zahl der zu überwachenden Menschen soll wachsen.

  • 2 min read
Schutz für Opfer häuslicher Gewalt: Künftig mehr Fußfesseln im Einsatz

Service Navigation

Schutz für Opfer häuslicher Gewalt Fußfessel-Überwachung in Weiterstadt wird stark ausgebaut

Hessen übernimmt für ganz Deutschland die Überwachung von Menschen, die eine Fußfessel tragen. In Weiterstadt soll dafür bald mehr Personal eingesetzt werden – denn die Zahl der zu überwachenden Menschen soll wachsen.

Grafik: Ein Herrenschuh (gezeichnet), an welchem ein kleines elektronisches Gerät (freigestelltes Foto mit weißer Umrandung) angebracht ist. Darüber ein Stück Hose (blaue Fläche). Das alles auf einem hellblauen Hintergrund mit Streifen. Um die Fußfessel herum konzentrische orangfarbene lineare Kreise.

Fußfesseln werden in Weiterstadt überwacht. Bild © hessenschau.de, picture-alliance/dpa

Audiobeitrag

Audio

00:21 Min.

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

Ende des Audiobeitrags

Mit der Reform des Gewaltschutzgesetzes soll die gemeinsame elektronische Überwachungsstelle der Länder (GÜL) für die Fußfessel umfassend ausgebaut werden. Künftig soll es leichter möglich sein, Gewalttätern eine Fußfessel anzulegen.

Zu den derzeit rund 30 Stellen für die bundesweite Überwachung sollen 72 hinzukommen, sagten Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU) am Montag bei der GÜL in der Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt (Darmstadt-Dieburg).

Mehr Fußfessel-Träger erwartet

Hessen überwacht die Träger von Fußfesseln zentral für alle Bundesländer und rechnet mit Inkrafttreten des reformierten Gewaltschutzgesetzes im kommenden Jahr mit einer deutlichen Steigerung der zu überwachenden Personen. 

Der Bundesrat hatte im Juni die vom Bundestag bereits beschlossene Reform des Gewaltschutzgesetzes gebilligt. Damit soll der Einsatz sogenannter elektronischer Fußfesseln Opfer häuslicher Gewalt künftig besser vor erneutem Kontakt mit dem Täter schützen.

Ein Gericht soll Täter zum Tragen der Fußfessel verpflichten können, um ein Annäherungsverbot durchzusetzen. Kommt der Täter zu nahe, wird das Opfer über ein Empfangsgerät gewarnt. 

Gute Erfahrungen in Hessen

Hessen setzt seit Anfang 2025 auf die elektronische Fußfessel nach dem sogenannten spanischen Modell. Dabei erhalten neben den Gewalttätern auch gefährdete Frauen - freiwillig - einen Tracker.

Das System registriert sowohl den jeweiligen Standort des möglichen Angreifers als auch den der Schutzperson. Nähern sich Aggressor und Opfer einander, wird ein mehrstufiger Alarm ausgelöst. Zudem hat das Opfergerät einen Panikknopf. 

Häusliche Gewalt ächten

Nach den Worten von Heinz gab es seither keine körperlichen Übergriffe. Gerade eine Gewalttat wie jüngst mit einer Machete in Kelkheim zeige, wie wichtig besserer Schutz ist. "Wegschauen ist keine Lösung. Wir müssen häusliche Gewalt ächten", sagte Hubig. Keine Tötung und keine Übergriffe, das müsse das Ziel sein.

Weitere Informationen

Hilfe bei Gewalt gegen Frauen

Bei akuter Gefährdung: Polizeinotruf 110

Wenn Sie als Frau von häuslicher Gewalt betroffen sind, können Sie rund um die Uhr kostenfrei das Hilfetelefon anrufen unter der Nummer 116016 oder hier Beratung und Hilfe finden. Der Weiße Ring hilft Opfern von Gewalt.

Auch Männer, die ein Aggressions- und Gewaltproblem haben, können (frühzeitig) Hilfe und Beratung bekommen. In der "Wegweiser"-Broschüre der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt werden Anlaufstellen in Hessen aufgelistet.

Ende der weiteren Informationen