Werders Lebensversicherung auf Völlers Spuren: Füllkrug trifft doppelt – und ärgert sich trotzdem

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Werders Lebensversicherung auf Völlers Spuren: Füllkrug trifft doppelt – und ärgert sich trotzdem

Stand: 17.10.2026, 19:50 Uhr

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Niclas Füllkrug klettert an die Spitze der Bundesliga-Torschützenliste und jagt einen Rekord von Rudi Völler. Doch davon will Werder Bremens Star-Stürmer nichts wissen.

Bremen – Zwei Tore, die nächste Auszeichnung als Man of the Match und vorläufig Platz eins der Bundesliga-Torschützenliste: Niclas Füllkrug hätte nach dem 2:2 des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn allen Grund gehabt, über sich selbst zu sprechen. Doch der 33-Jährige wollte davon lieber nichts wissen. Stattdessen überwog der Ärger darüber, dass Werder trotz einer erneuten Aufholjagd keine drei Punkte holte. Und auch eine mögliche Bestmarke von Vereinslegende Rudi Völler ließ den Bremer Torjäger kalt.

„Ich ärgere mich, dass wir hier keine drei Punkte geholt haben und nicht noch den Sieg mitgenommen haben. Das ist das Einzige, worauf ich mich fokussiere“, sagte Füllkrug im Anschluss an die turbulente Partie. Dass er mit seinen Saisontreffern fünf und sechs einmal mehr Werders Lebensversicherung gewesen war, spielte für ihn nach dem Schlusspfiff keine große Rolle. Zum fünften Mal in Folge hatte der Angreifer in der Bundesliga getroffen. Eine solche Serie war ihm in seiner Karriere zuvor noch nie gelungen. Und sie hat allgemein Seltenheitswert – doch dazu später mehr.

Niclas Füllkrug rettet Werder Bremen mit zwei Toren ein Unentschieden gegen den SC Paderborn und jagt einen Rekord - doch davon will der Stürmer gar nichts wissen.

Niclas Füllkrug rettet Werder Bremen mit zwei Toren ein Unentschieden gegen den SC Paderborn und jagt einen Rekord - doch davon will der Stürmer gar nichts wissen. © IMAGO / STEINSIEK.CH

Werder Bremens Niclas Füllkrug trifft doppelt gegen SC Paderborn - und ärgert sich über verpassten Dreierpack

Zunächst der Blick aufs Spiel: Nach einer schwierigen ersten Halbzeit, in der auch der Angreifer des SV Werder Bremen mehrere gute Gelegenheiten ausgelassen hatte und vor dem zweiten Paderborner Treffer zudem nicht entschlossen genug agierte, schlug Niclas Füllkrug nach der Pause zurück. In der 59. Minute vollendete er sehenswert per Direktabnahme mit links ins lange Eck. Sieben Minuten später verwandelte er einen Handelfmeter eiskalt zum 2:2. Sein achter Doppelpack in seiner Bundesliga-Karriere war perfekt. Doch der ganz große Moment blieb aus.

Als Arthur in der 81. Minute den Ball eroberte und Füllkrug die Chance auf den Siegtreffer eröffnete, scheiterte der Stürmer am stark reagierenden Gästetorwart Nahuel Noll. Es war die Szene, die zu seinem Gemütszustand nach dem Spiel passte: Niclas Füllkrug wollte gewinnen – und war entsprechend geknickt, dass es nicht dazu reichte. „Ich glaube, dass ich viel richtig mache in der Situation. Es ist kein nachlässiges Handeln, was ich da mache, sondern ich versuche einfach, den Ball schnell scharf aufs Tor zu bringen. Ich glaube, dass er den auch gut hält, aber er war auch sehr schnell draußen, total gut gemacht vom Keeper“, merkte er anerkennend an.

„Mega beeindruckend“: Niclas Füllkrug jagt Werder-Bremen-Rekord von Rudi Völler - will davon aber nichts hören

Den Blick auf die Torjägerliste und mögliche Rekorde wollte er hingegen vermeiden. Mit sechs Treffern steht der Bremer vorläufig ganz oben. Noch bemerkenswerter ist die historische Dimension seiner Serie: Der Vereinsrekord des SV Werder Bremen liegt bei sieben Bundesliga-Spielen in Folge mit mindestens einem Tor. Rudi Völler gelang dieses Kunststück in der Saison 1982/83. Niclas Füllkrug fehlen also noch Treffer in den nächsten beiden Spielen, um diese Marke einzustellen. „Ja, Rudi hat es super gemacht. Liebe Grüße, Rudi. Ich gönne ihm das, dass er es bleibt. Das müssen wir nicht aufmachen, das Thema“, sagte er kurz angebunden, als er auf den möglichen Rekord angesprochen wurde.

Da Niclas Füllkrug lieber weniger über sich selbst sprechen wollte, taten es dafür andere umso mehr. „Es ist nicht immer nur das auf dem Platz, sondern auch das, was in der Kabine ist: wenn er die Jungs anschiebt, wenn er vorweggeht“, lobte Werder-Coach Daniel Thioune. Füllkrug arbeite im Training zusätzlich, gehe voran und sei derzeit „sinnbildlich für uns als Mannschaft“. Dass er die Chancen vorne verwerte, sei „mega beeindruckend“. Auch wenn Thioune zugab: „Für mich als Trainer ist es häufiger auch mal anspruchsvoll, mit ihm zu arbeiten. Aber an solchen Tagen wie heute muss man einfach sagen: Es ist wirklich richtig gut, was er macht. Den hätte ich gern getroffen oder gesehen, der gesagt hat, dass der so einschlägt. Er macht schon einen coolen Job.“

Niclas Füllkrug ist die absolute Lebensversicherung für Werder Bremen - etwas ist für ihn diese Saison anders

Auch Werder-Sportchef Clemens Fritz hob neben der Qualität des Angreifers dessen Einsatz gegen den Ball hervor: Niclas Füllkrug sei sich „für keinen Weg zu schade“. Genau diese Mentalität brauche Werder Bremen. Dass der 33-Jährige inzwischen gereifter im Vergleich zu seinen früheren Engagements an der Weser wirke, sei ebenfalls zu erkennen, so Fritz. Ein Grund dafür könnte sein, dass Füllkrug seinen Fokus inzwischen stärker auf die Mannschaft als auf seine eigenen Tore richtet.

„Ich bin älter, ich bin gesetzter. Ich mache das nicht, um danach noch mal irgendwo landen zu müssen, wie man vielleicht mit 24 noch denkt. Wenn man ’ne gute Saison spielen will, um danach irgendwas zu erreichen“, sagte er und schob hinterher: „Es ist einfach anders, ich wünsche mir, dass wir erfolgreich sind als Mannschaft, weil das eine mit dem anderen einhergeht, und ich wünsche mir genauso, dass die anderen Jungs treffen.“ Bis das gelingt, bleibt Füllkrug in dieser Phase für Werder Bremen dennoch die absolute Lebensversicherung – auch wenn er selbst am Samstagnachmittag davon nur wenig hören wollte. (bvo)