Super-El-Niño rollt an – Meteorologen rechnen knallhart vor, wie der Winter wirklich wird
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Wetter-Experte dämpft Erwartungen: Was El Niño wirklich für unseren Winter bedeutet
Stand: 20.09.2026, 14:24 Uhr
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Der stärkste El Niño seit Jahren steuert auf seinen Höhepunkt zu. Bringt er uns Eiseskälte – oder doch den nächsten Warm-Winter? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Kaum wird es draußen kühler, macht ein Wort die Runde: El Niño. Viele fragen mich in diesen Tagen, ob uns dieses ferne Pazifik-Phänomen einen echten Eiswinter beschert. Ich verstehe die Aufregung, das Wort klingt ja auch herrlich dramatisch.

Aber ich muss die Erwartungen an dieser Stelle gründlich dämpfen. Ja, dieser El Niño ist ein echtes Schwergewicht, der tropische Pazifik ist derzeit massiv überhitzt, eines der stärksten Ereignisse seit Jahrzehnten. Als Fachmann schaue ich mit großem Respekt drauf. Nur sitzt dieser Gigant am komplett anderen Ende der Welt. Sein Einfluss ist gewaltig dort, wo er direkt zuschlägt – in den Tropen, in Amerika. Bis zu uns nach Deutschland, aber verpufft unterwegs das allermeiste davon.
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Nordatlantik viel entscheidender für deutsches Winter-Wetter
Über unserem Wetter regiert nämlich ein ganz anderer Chef, und der heißt Nordatlantik. Ob der Winter Frost oder Tauwetter bringt, entscheidet vor allem der Luftdruck zwischen Island und den Azoren – neben diesem Platzhirsch ist El Niño bei uns nur ein Flüstern in einem tobenden Stadion.
Milder oder eiskalt? Die knallharte Prozent-Rechnung
Trotzdem wollen es alle wissen: Wie hoch ist die Chance auf klirrenden Frost oder auf Rekordwärme? Meine ehrliche Ansage: Einen deutlich zu milden Winter sehe ich bei rund 40 Prozent, einen ausgesprochen kalten bei etwa 30 Prozent. Der Rest wird ein ganz normaler Durchschnittswinter. Und der Haken: Diese kleine Schlagseite Richtung mild hat kaum etwas mit El Niño zu tun, sondern mit dem Klimawandel, der unsere Winter seit Jahren spürbar nach oben zieht.
Der wahre Winter-Macher sitzt ganz weit oben
Wo ich wirklich hinschaue, ist die Stratosphäre, genauer der Polarwirbel. Ist der schön stabil, pumpt er uns milde Atlantikluft ins Land. Bricht er zusammen, schwappt eisige Polarluft nach Süden – und dann wird es richtig ernst. Nur lässt sich genau dieser Zusammenbruch Monate vorher schlicht nicht seriös vorhersagen. Wer euch heute den garantierten Jahrhundertwinter verspricht, verkauft keine Prognose, sondern eine hübsche Geschichte. Ein Warm-Winter ist also etwas wahrscheinlicher, ein Kälte-Hammer aber längst nicht vom Tisch. Mein Rat: Bleibt entspannt – und schaut im Dezember noch einmal mit mir gemeinsam auf den Polarwirbel.