Wie ein Waldbrand vor 9000 Jahren eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit auslöste

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Wie ein Waldbrand vor 9000 Jahren eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit auslöste

Stand: 13.09.2026, 06:33 Uhr

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Eine neue Forschungsarbeit legt nahe, dass neolithische Gemeinschaften möglicherweise die Natur nachahmten, als sie begannen, Ton zu brennen.

Jerusalem – Waldbrände gelten im Allgemeinen als zerstörerische Kraft, die alles auf ihrem Weg hinwegfegt. Doch eine neue Studie legt nahe, dass sie die Erfindung der Keramik ausgelöst haben könnten, indem sie Ton brannten, der nach Stürmen in Senken gespült worden war. Die Keramikherstellung boomte in der Jungsteinzeit und fiel mit dem Aufkommen der Landwirtschaft an den östlichen Küsten des Mittelmeers vor rund 9.000 Jahren zusammen.

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Dieser Artikel von Sarah Knapton entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Prof. Amos Frumkin vom Institute of Earth Sciences der Hebrew University of Jerusalem hat uralte Sedimente und Holzkohlereste aus Höhlen und archäologischen Fundstätten untersucht und festgestellt, dass Waldbrände und Erosion mit dem sprunghaften Anstieg der Keramikproduktion zusammenfielen. Er ist der Ansicht, dass neolithische Gemeinschaften gelernt haben könnten, dass Ton durch Feuer dauerhaft gehärtet werden kann, nachdem sie natürlich gebrannten Ton nach Bränden entdeckt hatten – eine Theorie, die als „Hypothese des natürlichen Brennofens“ bezeichnet wird.

18.08.2026, Belgien, Sourbrodt: Ein Feuerwehrmann löscht Glutnester im schwelenden Bode im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Die Bekämpfung des Waldbrandes ist wegen des torfhaltigen Bodens in dem Naturschutzgebiet besonders schwierig. Foto: Bruno Fahy/Belga/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dieses Jahr erlebte Europa einige verheerende Waldbrände, nicht zuletzt auch in Belgien. © Bruno Fahy/dpa

Prof. Frumkin sagte: „Ein Waldbrand wird normalerweise nur als Katastrophe betrachtet, aber Umweltstörungen können Menschen auch mit neuen Materialien und neuen Möglichkeiten in Berührung bringen. Neolithische Gemeinschaften im Jordantal haben möglicherweise beobachtet, wie Feuer den Ton unter und um ihre Siedlungen herum verwandelte, und erkannt, dass sich dieser Prozess bewusst nachahmen lässt.“

Feuer als Motor technologischer Innovation

„Wenn dem so ist, könnte eine der wichtigsten Technologien der Menschheitsgeschichte zum Teil daraus hervorgegangen sein, dass Menschen lernten, nachzuahmen, was sie zuvor bereits in der Natur gesehen hatten.“ Die Studie verglich zwei Perioden ähnlicher klimatischer Umbrüche: die erste vor etwa 129.000 bis 116.000 Jahren und die zweite zwischen etwa 11.000 und 7.000 Jahren vor heute, als sich bäuerliche Gemeinschaften im östlichen Mittelmeerraum zunehmend etablierten. Belege aus beiden Zeiträumen deuten auf Phasen ausgedehnter Waldbrände und einen damit einhergehenden Verlust der Vegetation hin, gefolgt von starker Erosion.

Prof. Frumkin argumentiert, dass nach dem Verschwinden der Vegetation tonreiche Terra-rossa-Böden („rote Erde“) durch Regenstürme von den Hügeln gespült und in großen Mengen in Senken wie dem Jordantal und dem Toten Meer abgelagert wurden. Die nährstoffreichen Böden in den Tälern förderten die Entstehung großer neolithischer Siedlungen und setzten die Gemeinschaften zugleich Flächen von hartem, durch Waldbrände verfestigtem Ton aus. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass die erste im Jordantal hergestellte Keramik – von Menschen der Yarmukien-Kultur – aus lokal umgelagertem Terra-rossa-Ton gefertigt wurde.

Von natürlichen Tonkrusten zu haltbarer Keramik

Gehärtete Gefäße veränderten den Alltag grundlegend, da sie das Kochen sowie die Lagerung von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten erheblich erleichterten. Prof. Frumkin ist überzeugt, dass Keramik trotz ähnlicher Umweltbedingungen in früheren Epochen nicht entwickelt wurde, weil den damaligen Gemeinschaften die kognitiven Fähigkeiten, das technologische Wissen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fehlten, um diesen gedanklichen Sprung zu vollziehen.

Er fordert nun experimentelle Forschung, um zu überprüfen, ob Waldbrände im Jordantal Ton tatsächlich auf ausreichend hohe Temperaturen – etwa 500 bis 700 Grad Celsius – erhitzen konnten, um seine dauerhafte Umwandlung in keramisches Material einzuleiten.

Grobe Keramik wurde auch an anderen Orten der Welt gefunden, unter anderem in chinesischen Höhlen, die auf ein Alter von 20.000 bis 22.000 Jahren datiert werden. Diese Exemplare dürften jedoch mithilfe offener Feuer bei niedrigeren Temperaturen hergestellt worden sein und erreichten nicht die gleiche Haltbarkeit wie später in Öfen gebrannte Keramik. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Geomorphology veröffentlicht.