Wie wahrscheinlich ist eine Sperre?: Diese Szenarien drohen Laura Freigang im laufenden Dopingverfahren
Die deutsche Nationalspielerin steckt in der wohl schwierigsten Phase ihrer Karriere. Für Frankfurt darf sie in der Champions League auflaufen. Doch für den Verein und für Freigang steht nun einiges auf dem Spiel.
- 5 min read
Vor wenigen Tagen postete Laura Freigang ein Bild von sich in Trainingsklamotten ihres Vereins Eintracht Frankfurt in den sozialen Medien. Darunter schrieb sie: „7 days to go !!“ Am Mittwoch sind diese sieben Tage vorbei und für die Eintracht steht das erste Pflichtspiel der neuen Saison an.
In der zweiten Qualifikationsrunde für die Champions League geht es im heimischen Stadion am Brentanobad (19 Uhr) gegen Omonia Nicosia aus Zypern. Die Siegerinnen treffen anschließend am Samstag auf die Gewinnerinnen des Duells zwischen Vålerenga und Malmö FF und wahren damit weiterhin die Chance auf eine Teilnahme an der Ligaphase der Champions League.
Die Frage, ob die Kapitänin der Frankfurterinnen an diesem wichtigen Spiel teilnehmen kann, beschäftigt Fans und Verantwortliche seit Anfang Juni. Da wurde bekannt, dass Freigang binnen eines Jahres drei Dopingkontrollen verpasst hat – ein Verstoß gegen Artikel 2.4 der Anti-Doping-Bestimmungen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).
Sie war bei unangekündigten Kontrollen nicht an dem von ihr angegebenen Ort gewesen. Das könnte eine Sperre von mindestens einem und bis zu zwei Jahren nach sich ziehen. Daran ändert auch nichts, dass die deutsche Nationalspielerin gar nicht im Dopingverdacht steht, alle Tests sollen negativ ausgefallen sein.
Freigang bezeichnete Kontrollen mal als skurril
Als Freigang im Juli 2023 mal in der Koch-Sendung von Jan Böhmermann zu Gast war, ging es im Gespräch auch um die Dopingkontrollen. Die 28-Jährige gehört als Bundesligafußballerin zum sogenannten Registered Testing Pool (RTP) der Nada, wodurch sie strengen Vorgaben unterliegt, die unangekündigte Dopingkontrollen ermöglichen sollen.
So muss sie in einer App quartalsweise ihre Aufenthaltsinformationen hinterlegen und für jeden Tag ein präferiertes Testzeitfenster von einer Stunde zwischen 6 und 23 Uhr angeben. „Regelmäßig kommt mal jemand bei mir vorbei, zu Hause, unangemeldet, und klingelt. Dann kommen die hoch, setzen sich und gucken dir beim Pinkeln zu. Das ist so skurril“, sagte Freigang damals zu Böhmermann, nannte die Tests zugleich aber sinnvoll.
Dass sie drei Jahre später mal aus einer Drucksituation Stellung zu diesem Thema beziehen muss, hätte sie wohl auch nicht gedacht. „Bei den verpassten Kontrollen handelt es sich nicht um bewusst vermiedene Kontrolltermine, sondern um Unstimmigkeiten bzw. Missverständnisse in den täglich zu aktualisierenden und umfassenden Angaben, die wir als Nationalspielerinnen tages- und stundenaktuell im System zu aktualisieren haben“, schrieb sie in einem Statement auf Instagram und wies darauf hin, sich zum laufenden Prozess nicht mehr äußern zu können.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Seitdem sind zwei Monate vergangen, viel getan hat sich nicht. Kurz vor dem Saisonstart schwebt die Causa Freigang noch immer über Eintracht Frankfurt. Das Verfahren könnte sich bis zu sechs Monate, also bis ins neue Jahr, ziehen. Das liegt daran, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jeden einzelnen Verstoß, auch Strike genannt, genaustens darauf prüft, ob ein Versäumnis seitens Freigangs oder der Nada vorliegt. Zum Beispiel bei Freigangs drittem Verstoß, als sie Berichten zufolge ein Spiel hatte, dies aber womöglich nicht korrekt in die App eingetragen hatte und die Kontrolleurin daher vergebens klingelte.
Der DFB wurde mit den Ermittlungen – sogenannten Ergebnismanagement-Verfahren – betraut, ab 2027 liegt diese Aufgabe den Compliance-Regeln der Wada zufolge bei der Nada. Wahrscheinlich auch, um Fälle wie diesen zu vermeiden, bei dem der Verband gegen die eigene Nationalspielerin ermittelt.
„Die Ermittlungen des DFB-Kontrollausschusses sind aufgrund des umfangreichen Sachverhalts und der komplexen medizinischen und rechtlichen Fragestellungen sehr zeitintensiv und dauern daher noch an“, antwortete der DFB auf Anfrage des Tagesspiegels. „Hier gehen im Interesse aller Beteiligten Sorgfalt und Gründlichkeit vor Schnelligkeit, zudem müssen auch immer rechtliche Fristen eingehalten werden.“
Eine mögliche Entscheidung werde „durch die in § 3 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung aufgeführten unabhängigen Rechtsinstanzen des DFB erfolgen“. Wann das der Fall ist, sei „momentan noch rein spekulativ“.
Ähnliche Verfahren in der Vergangenheit
Wie solche Verfahren ausgehen können, zeigen zwei Fälle aus der Vergangenheit. Der ehemalige Handballnationalspieler Michael Kraus wurde 2014 trotz drei Meldepflichtverstößen zunächst von der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Handballbunds (DHB) freigesprochen, weil ein Kontrolleur nicht mehr mit Sicherheit sagen konnte, ob er bei der entscheidenden dritten Kontrolle überhaupt geklingelt hatte. Die Nada kritisierte das Urteil scharf, einigte sich später aber auf eine rückwirkende Sperre von drei Monaten.
Weniger glimpflich endete es für Basketballprofi Karim Jallow, der nach denselben Vergehen vom Deutschen Sportschiedsgericht zunächst ebenfalls freigesprochen wurde. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hob das Urteil später aber auf und sperrte ihn rückwirkend für ein Jahr. Das Verfahren zog sich dabei über zwei Jahre hin.
Als Klub stehen wir hinter Laura und sie erhält von uns im Rahmen unserer Möglichkeiten die maximale Unterstützung.
Eintracht Frankfurt
Es ist eine Situation, die für Freigangs Klub Frankfurt sicher nicht leicht ist. Angesichts des zweiten großen Umbruchs in zwei Jahren braucht es eine Leistungsträgerin wie Freigang, die vorangeht. Die Trainingseinheiten in der Vorbereitung absolvierte die Mittelfeldspielerin ganz normal und auch am Mittwochabend ist sie spielberechtigt. Beides wäre erst bei einer möglichen Strafe nicht mehr erlaubt.

© imago/HMB-Media/IMAGO/HMB Media/Madeleine Fantini
„Laura Freigang ist bis zu einem möglichen Urteil ein fester Bestandteil unseres Kaders, eine wichtige Führungsspielerin, und wird bis dahin selbstverständlich auch für uns in Pflichtspielen zum Einsatz kommen“, antwortete die Eintracht auf Nachfrage. „Als Klub stehen wir hinter Laura und sie erhält von uns im Rahmen unserer Möglichkeiten die maximale Unterstützung.“
Doch nicht nur für den Verein steht viel auf dem Spiel, sondern auch für Freigang selbst. Die Nationalspielerin hat eine für ihre Verhältnisse durchwachsene Saison hinter sich. Gegen Ende der Spielzeit zeigte die Leistungskurve wieder deutlich nach oben, trotzdem wurde sie im Juni von Bundestrainer Christian Wück für die WM-Qualispiele aus dem Kader gestrichen.
In den kommenden Monaten geht es für Freigang also darum, sich mit guten Auftritten zurück ins DFB-Team zu spielen, um bei der WM in Brasilien im Sommer Teil des Kaders zu sein. In dem Wissen, dass jederzeit ein Urteil fallen kann, das diesen Weg endgültig versperren würde.