Wiener Börse im Aufwind: Banken und Osteuropa treiben die Kurse auf Rekordhochs
Aktienmärkte Wiener Börse im Aufwind: Banken und Osteuropa treiben die Kurse auf Rekordhochs Der Leitindex ATX springt erstmals über 7000 Punkte und zählt heuer wie im Vorjahr zu den global zehn ertrag...
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Aktienmärkte
Wiener Börse im Aufwind: Banken und Osteuropa treiben die Kurse auf Rekordhochs
Der Leitindex ATX springt erstmals über 7000 Punkte und zählt heuer wie im Vorjahr zu den global zehn ertragreichsten Aktienmärkten. Was steckt dahinter? Wird das anhalten?
Alexander Hahn
Wenn es läuft, dann läuft es – wohl kaum ein Spruch beschreibt derzeit die Lage an der Wiener Börse besser. Nachdem der österreichische Aktienmarkt bereits im Vorjahr zu den weltweit zehn erfolgreichsten Börsen zählte, schickt er sich an, dieses Ergebnis heuer zu wiederholen. Mit einem Kurszuwachs um 30 Prozent seit Jahresbeginn, gemessen am Leitindex ATX, der am Mittwoch erstmals kurzfristig über der Marke von 7000 Punkten notierte, liegt die Wiener Börse auf Kurs, sich auch heuer unter den globalen Top-Performern der Aktienmärkte zu behaupten. In Westeuropa läuft es weniger gut: Der deutsche Dax ist heuer gerade einmal fünf Prozent im Plus, und der französische Aktienmarkt tritt heuer überhaupt nur auf der Stelle. Mehr Rückenwind gibt es im Osten, wo der polnische Leitindex WIG heuer bisher um 35 Prozent zugelegt hat.
Ein Blick nach Osten zeigt auch, warum österreichische Aktien zuletzt so stark gefragt sind. Dort wächst die Wirtschaft wesentlich schneller als in Westeuropa, nämlich im Schnitt der dortigen EU-Staaten heuer um erwartete 2,9 Prozent, während die Eurozone über 0,9 Prozent und Österreich um 0,8 Prozent nicht hinauskommen. Im nächsten Jahr sollte die Konjunktur auch hierzulande stärker anspringen. "Alles steht in den Startlöchern für die weitere Erholung", sagt Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer über Österreich. Osteuropa entwickle sich ebenfalls gut. Davon profitiert der Wiener Aktienmarkt, da viele Unternehmen dort stark verankert sind – vor allem Banken und Versicherungen, die alleine ungefähr die Hälfte des heimischen Leitindex ausmachen. Dazu kommt, dass seit der Zinswende im Euroraum ab 2022 europäische Banken generell in den Blick internationaler Investoren gerückt sind, wovon auch Österreichs Vertreter stark profitieren.
"Österreichische Aktien bekommen viel Aufmerksamkeit", sagt Jörg Moshuber, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Schoellerbank Invest. Dass der Markt "enorm performt" habe in den vergangenen Jahren führt er auf die relativ günstigere Bewertung zurück, aber auch die hohen Dividenden der Unternehmen und der Bezug zum wachstumsstarken Osteuropa haben die Entwicklung unterstützt. Wird sich das so fortsetzen? "Es kann noch eine Zeitlang so weitergehen", meint der Experte. Wohl kann er sich vorstellen, dass alle Aktienmärkte künftig etwas konsolidieren – sollte aber die Angst vor einer Blase im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) der Auslöser sein, dann könne Wien, wo keine KI-Werte notieren, sich weiterhin besser entwickeln. "Nicht gierig sein", lautet sein Ratschlag, "wir sind in einer Phase, in der die Aktienmärkte schon sehr gut gelaufen sind." Auch eine breite Risikostreuung sei sehr wichtig.
"Eine kleine Überraschung"
Für Bernhard Haas, Fondsmanager bei Erste Asset Management, "ist ein zweites Jahr mit einer so deutlichen Outperformance durchaus eine kleine Überraschung." Er hält in dieser Lage "konstruktive Signale aus der Politik für den österreichischen Arbeitsmarkt und Kapitalmarkt" für wichtig. Sondersteuern, etwa bei Energieunternehmen und teilweise im Bankensektor, könnten internationale Investoren abschrecken und dem Kapitalmarkt langfristig schaden, erklärt er, selbst wenn es für solche Maßnahmen aus politischer Sicht andere Argumente geben mag. Generell stuft Haas höhere Energiepreise als Risiko für die österreichische Wirtschaft und viele Unternehmen ein. Denn steigen dadurch Inflation und Transportkosten dauerhaft, könnte das auch den Spielraum der Notenbanken einschränken und das Wachstum belasten. "Entscheidend wird daher sein, wie nachhaltig das derzeit erhöhte Energiepreisniveau ist."
Auch Bank-Austria-Volkswirt Bruckbauer sieht in den hohen Öl- und Gaspreisen ein Risiko. Sollten diese nicht zurückgehen, werde die Inflation in Österreich auch nächstes Jahr noch über drei Prozent liegen, ansonsten aber trotzdem noch über der zweiprozentigen Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Von der Notenbank erwartet er nur noch eine Leitzinserhöhung im Dezember, nachdem die EZB heuer bereits zwei Mal die Zinsen angehoben hatte. Dass am Markt mehr Erhöhungen eingepreist werden, hält der Ökonom für übertrieben. Nur wenn die Energiepreise stark erhöht bleiben, sei ein weiterer Zinsschritt der EZB im nächsten Jahr wahrscheinlich. (Alexander Hahn, 23.9.2026)
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