Wingtech: Nexperia kann Kapazitäten wieder etwas steigern - Golem.de
Die deutsche und europäische Automobilindustrie leidet weiterhin darunter, dass die USA den Nexperia-Eigner Wingtech auf die Blacklist gesetzt haben. Langsam erholt sich Nexperia. Das Wingtech-Logo ist au...
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Die deutsche und europäische Automobilindustrie leidet weiterhin darunter, dass die USA den Nexperia-Eigner Wingtech auf die Blacklist gesetzt haben. Langsam erholt sich Nexperia.
Nexperia kann seine Kunden nach Monaten knapper Liefermengen wieder besser bedienen. "Wir stellen unseren Kunden jetzt Woche für Woche mehr Kapazität zur Verfügung", hat der Interimschef Stefan Tilger dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) gesagt. "Bis Jahresende sollten die größten Engpässe aufgelöst sein." Die niederländische Tochter und die Landesregierung mit ihrem wichtigsten Werk in Hamburg hatten im Herbst 2025 auf Weisung der USA die chinesischen Eigentümer praktisch enteignet. Seither fehlen große Stückzahlen an Nexperia-Chips.
Nexperia wurde im Jahr 2017 an chinesische Investoren verkauft.
Zur Eskalation kam es, nachdem die niederländische Regierung im Herbst 2025 Maßnahmen auf Basis von Sicherheitsgesetzen durchsetzte, die faktisch einer Kontrollübernahme, beziehungsweise Entmachtung des chinesischen Mutterkonzerns Wingtech gleichkamen. Die niederländische Regierung nutzte das Veto-Gesetz (Wet Vgb) für kritische Infrastruktur und Halbleiter. Damit verstaatlichte Den Haag nicht das Sachvermögen, sondern entzog Stimmrechte und Kontrolle.
Es wurde ein Verwalter eingesetzt, der verhindern soll, dass kritisches Know-how, Patente oder Chip-Fertigungskapazitäten nach China abfließen. Strategische Entscheidungen durften nicht mehr von der chinesischen Konzernführung getroffen werden.
Der Druck kam vor allem über die USA und den Exportkontrollen: Die USA setzten Wingtech auf Sanktionslisten (Entity List). Da Nexperia auch US-Technologie und Fertigungsanlagen nutzt, drohte dem Standort in Nijmegen das komplette Aus.
Acht Milliarden US-Dollar Schadensersatz
Der Mutterkonzern Wingtech nannte den Verlust der Stimmrechte und die Einsetzung eines Verwalters unrechtmäßig. Wingtech kündigte eine Schiedsklage auf Basis des niederländisch-chinesischen Investitionsschutzabkommens an und fordert vom niederländischen Staat mehr als acht Milliarden US-Dollar Schadensersatz wegen "indirekter Enteignung".
Um den selbst verschuldeten Ausfall der chinesischen Kapazitäten zu kompensieren, setzt Nexperia auf einen zügigen Ausbau in Südostasien. Ein Werk in Malaysia soll die chinesische Fabrik so schnell wie möglich ersetzen. Die Produktion dort werde dieses Jahr verdoppelt, sagte Tilger. Nexperia verfüge bereits über ein fertiges Gebäude, in dem Maschinen installiert worden seien.
Laut Tilger erschließt Nexperia zusätzliche Kapazitäten bei Partnern: "Wir bauen jetzt eine Lieferkette auf, bei der jedes Produkt von verschiedenen Standorten bezogen werden kann". Weil die chinesische Fabrik für die Weiterverarbeitung der Chips aber bislang nicht vollständig ersetzt werden könne, stünden weiterhin Maschinen im Stammwerk in der Hansestadt still.
"Das Werk Hamburg hat im Moment Überkapazitäten", sagte Tilger. Die Lage werde sich aber Zug um Zug verbessern. "Wir erwarten, dass der Standort spätestens in eineinhalb bis zwei Jahren wieder völlig ausgelastet ist."
Transistoren, Dioden, Mosfets und ICs für die Autoindustrie
Trotz der Turbulenzen seien die Aussichten für Nexperia gut, sagte Tilger. "Mit Sicherheit haben wir temporär Marktanteile eingebüßt. Aber wir haben so gut wie keinen Kunden komplett verloren."
Das Unternehmen hat derzeit 12.500 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,36 Milliarden Euro. Zu den Produkten zählen bipolare Transistoren, Dioden, Mosfets und integrierte Schaltungen (ICs) für die Autoindustrie.
Am 21. Oktober 2025 besprachen Minister aus Peking und Den Haag den Fall erstmals direkt. Ergebnisse gab es nicht. China verhängte als Reaktion auf den niederländischen Schritt Exportverbote für Nexperia-Produkte – mit möglicherweise erheblichen Folgen für die Autoindustrie. Zahlreiche europäische Hersteller sind Nexperia-Kunden.
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