„Wir brauchen Planungssicherheit“
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Stand: 11.08.2026, 17:51 Uhr
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Das Teves-West-Gelände mit Angeboten aus Kunst, Kultur und Bildung steht vor einer ungewissen Zukunft / Von Fabian Böker

Viel hat sich in der Ecke westlich des Gustavsburgplatzes im Stadtteil Gallus in den vergangenen Jahren geändert. Es sind neue Wohnungen gebaut worden, zuletzt ist mit „Franky“ ein neues Wohngebiet mit rund 1300 Wohneinheiten entstanden.
Mitten in diesem Gebiet liegt auch das Gelände Teves-West. Seit fast 25 Jahren steht es als soziokulturelles Zentrum für eine einzigartige Mischung aus Sport, Kultur, Kunst, Bildung und Sozialarbeit. In weniger als vier Jahren endet der Mietvertrag mit der Stadt – ob oder wie es weitergehen kann, weiß derzeit niemand. Diese Ungewissheit sorgt schon jetzt für konkrete Probleme.
Im Jahr 2003 begann das Kapitel der Geschichte auf dem Teves-West-Gelände, das es bis heute prägt. Lange standen die Gebäude leer, dann wurden sie nach und nach besetzt. Frank Reinecke ist Künstler und war der erste „Besetzer“. Er selbst spricht von einer „sanften Besetzung“, als er sich damals einfach in einem der Räume mit einem Atelier eingerichtet hat. Ihm folgten weitere Akteure und Akteurinnen, das Gelände wurde weiter gestaltet, und Gespräche mit der Stadt über eine offizielle Nutzung waren erfolgreich.
2005 wurde ein Mietvertrag zwischen der Konversionsentwicklungsgesellschaft (KEG) und der Stadt Frankfurt über 25 Jahre unterschrieben. Seitdem ist dort an der Rebstöcker Straße ein Ort entstanden, der seinesgleichen sucht.
Frank Reinecke ist dort als Künstler immer noch aktiv, auch weitere Ateliers wie das von Deniz Alt sind entstanden. Die Kunstschaffenden arbeiten oft mit Schulen zusammen, geben Kurse für die Schulkinder und bringen ihnen die Kunst näher.
Im Boxcamp von Gert Bugdoll lernen die Kinder nicht nur das Boxen. „Unser Motto lautet: erst Bildung, dann Boxen“, erklärt Bugdoll. Die Kinder und Jugendlichen müssen erst ihre Hausaufgaben erledigen, danach geht es in den Ring. „Wir haben bis zu 400 Besucher jeden Monat“, sagt der Camp-Leiter, „gehen an Schulen und machen Projekte mit Kitas.“
Hinter dem Stadtteilrestaurant Startorante verbirgt sich mehr als nur ein Ort, an dem man essen gehen kann. Ziel des Projekts ist es, Jugendlichen – und da insbesondere jungen Frauen – einen Ausbildungsplatz zu verschaffen. Zielgruppe sind diejenigen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Lehrstelle gefunden haben
Auch beim Internationalen Bund steht die Ausbildung im Mittelpunkt. „Wir begleiten Jugendliche auf ihren Wegen zu einer Ausbildung“, erklärt Timo Gaßmann, der als Koordinator in der IB-Bildungswerkstatt arbeitet. Gleichzeitig bietet die IB Ausbildungen zum Raumausstatter oder zur Raumausstatterin an.
Hinzu kommt das selbstverwaltete Günes-Theater. Das fing hier 2004 ebenfalls als Besetzung an, mittlerweile hat es – auch wegen seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – Integrationspreise erhalten. Das Ensemble richtet internationale Festivals aus und tritt selbst europaweit auf.
Viele verschiedene Akteure und Akteurinnen also, die auch ihr Miteinander auszeichnet. Doch in naher Zukunft droht allen Aktivitäten ein Ende. Der Mietvertrag endet zum 31. März 2030, was die KEG bestätigt: „Das Projekt Teves-West im Rahmen der Sozialen Stadt Gallus ist mit Ablauf des Mietzeitraumes abgeschlossen“, heißt es in einer Stellungnahme. Für Fragen zur perspektivischen Nutzung über das Ende des Mietvertrags hinaus verweist die KEG an die Stadt.
Stadt verweist auf Abstimmungsprozesse
Und die hat nach fast drei Wochen eine Anfrage beantwortet. Christina Curin, Sprecherin des Dezernats für Bildung, Immobilien und Neues Bauen, erklärt, dass „eine Entscheidung der Stadt gegen die Bestandsnutzungen nicht getroffen wurde“. Weiteren Überlegungen solle noch nicht vorgegriffen werden. Die Stadt, so Curin weiter, habe aber „ein großes Interesse am Erhalt der Bestandsnutzungen und auch deren Verbleib im Gallus über die bisherige Mietvertragslaufzeit hinaus“. Sobald Abstimmungsprozesse zu diesem Thema vorangeschritten seien, werde „die Stadt mit den Beteiligten vor Ort ins Gespräch gehen“. Immerhin also eine Antwort der Stadt. Die Beteiligten vor Ort warten darauf bisher vergeblich. „Wir fragen bei sämtlichen Ämtern nach, der Ortsbeirat hat schon einen Antrag gestellt, aber wir bekommen keine Auskünfte“, so Timo Gaßmann vom IB, und klingt dabei fast schon verzweifelt. Denn natürlich sind es noch fast vier Jahre, die der Betrieb gesichert ist. „Aber wir brauchen Planungssicherheit.“
Schon in diesem Sommer konnten bestimmte Ausbildungen nicht vergeben werden, weil die reguläre Ausbildungszeit über das Ende des Mietvertrags hinausginge. „Wir können ja jetzt keine Azubis einstellen, denen wir dann vielleicht kurz vor Ende ihrer Ausbildung sagen müssen, dass es hier nicht weitergeht“, verdeutlicht Gaßmann die Probleme, die die Ungewissheit mit sich bringt. Im nächsten Jahr wird auch das Startorante vor diesem Problem stehen.
Ähnlich ergeht es anderen Personen, die auf dem Gelände tätig sind. So können in manchen Fällen derzeit keine Fördergelder beantragt werden, da dafür langfristige Pläne vorgelegt werden müssen. Und Gert Bugdol vom Boxcamp würde gerne den Kindern und deren Eltern zusagen, dass sie während ihrer gesamten Schulzeit die Einrichtung nutzen können, was er aber eben nicht kann.
So bleibt den Menschen vom Teves-West nur, ihr Anliegen publik zu machen. Sie werben in sozialen Medien dafür, haben Poster drucken lassen, die im Stadtteil hängen; sie haben auf dem Sommerfest im Juli, das an drei Tagen rund 300 Personen besucht haben, viele Gespräche geführt. Und kürzlich hat Florian Rügner vom IB durch Zufall Oberbürgermeister Mike Josef getroffen – und ihn auf das Problem angesprochen. Mehr als die Bitte, ihm das Ganze per E-Mail zu schicken, kam bei dem kurzen Gespräch aber nicht heraus.






