WMO befürchtet weltweite Wetterextreme: „El Niño wird überdimensional“
Das Klimaphänomen El Niño könnte in diesem Jahr so stark ausfallen wie noch nie, warnt die Weltwetterorganisation WMO in ihrer neuen Einschätzung. Im tropischen Pazifik messen Forscher an der Meeresoberfläche steigende Temperaturen.
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KI-Stimme. Info
Im tropischen Pazifik baut sich laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ein außergewöhnlich starker El Niño auf. Das Klimaphänomen werde sich in den kommenden Monaten zu einem sehr starken Ereignis intensivieren, das in vielen Teilen der Welt Überschwemmungen, Dürren oder extreme Hitze auslösen könne, warnen Meteorologen und Klimaforscher in einem neuen Report. „El Niño wird vor unseren Augen überdimensional“, sagte António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN).

Laut WMO wird das natürliche, wiederkehrende Klimaphänomen in den kommenden Monaten weiter an Stärke gewinnen und gegen Ende dieses Jahres seinen Höhepunkt erreichen. „Die Klimaauswirkungen werden bis weit ins Jahr 2027 andauern“, heißt es in dem neuen Bericht der UN-Sonderorganisation. „Wir sehen bereits Störungen und Verwüstungen durch Dürren und Überschwemmungen und erwarten, dass diese Auswirkungen mit der Intensivierung von El Niño zunehmen werden“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.
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Was ist El Niño?
El Niño ist ein wiederkehrendes, natürliches Klimaphänomen im Äquator-nahen Pazifikgebiet. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im Pazifik. Das Phänomen tritt im Schnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert in der Regel neun bis zwölf Monate. Die Folgen: Das Ereignis kann die im Zuge des Klimawandels steigenden globalen Temperaturen zusätzlich erhöhen und global Wetterextreme auslösen. Für den Zeitraum September bis November 2026 rechnen die WMO-Modelle mit überdurchschnittlichen Temperaturen in fast allen Landgebieten.
El Niño beginnt mit einer Abschwächung der Passatwinde, die im tropischen Pazifik von Ost nach West wehen. Diese Winde drücken üblicherweise warme Meeresströme in den Westen des Pazifiks an den asiatischen Küsten und halten sie dort, während kühleres Wasser vor den südamerikanischen Küsten bleibt. Die Abschwächung der Passatwinde führt dazu, dass das warme Wasser nicht mehr an der asiatischen Küste bleibt, sondern auf Äquator-Höhe den Osten des Pazifiks erreicht. Die Erwärmung der Wasseroberfläche verändert dann das Wetter und die Winde über dem Pazifik und wirkt sich in einem Domino-Effekt auf die Temperaturen und Niederschläge auch in anderen Erdregionen aus.
Der Planet befindet sich in unbekannten Gewässern, und diese Gewässer erwärmen sich.
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen
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Was beobachten die Forscher aktuell?
Mit großer Sorge blicken Klimaforscher weltweit derzeit auf die Wärme im Meer, die sich aktuell in einem Gebiet im Pazifik nahe dem Äquator ansammelt. Zwischen Ende Juli und Mitte August seien die Temperaturen der Meeresoberfläche weiter angestiegen und lägen zwischen 2,2 Grad und 2,6 Grad über dem Durchschnitt. „Noch außergewöhnlichere Wärme findet sich unter der Ozeanoberfläche“, so die WMO. „In einigen Gebieten lagen die Temperaturen unter der Oberfläche im Juli und Anfang August mehr als acht Grad über dem Durchschnitt.“
Die außergewöhnliche Wärme im Meer gilt laut Klimaforschern als untrüglicher Hinweis auf El Niño. Die Energie treibt das Klimaphänomen an. „Die Wissenschaft lässt keinen Zweifel: Der Planet befindet sich in unbekannten Gewässern, und diese Gewässer erwärmen sich“, sagte Guterres. „Die Welt befindet sich in der Gefahrenzone für extremes Wetter. Jetzt ist es ein Wettlauf zwischen steigenden Risiken und unserem Engagement für Klimaschutz und den Schutz der Menschen“, sagte er.
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Welche Auswirkungen hat El Niño?
Das Klimaphänomen hat das Potenzial, Gemeinschaften und Volkswirtschaften weltweit massiv zu treffen, so Saulo. Allerdings bestimmt die Stärke eines El-Niño-Ereignisses allein nicht, wie schwerwiegend die Auswirkungen in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region sein werden, so die WMO. Wie stark ein Land betroffen ist, hängt auch von Ort und Jahreszeit ab – und von anderen Klimafaktoren, etwa im Indischen und Atlantischen Ozean.
Jahre mit El Niño gehören zu den heißesten Phasen auf der Erde. In Südostasien, Australien, im Süden Afrikas und im Norden Brasiliens führt das Phänomen in der Regel zu mehr Trockenheit, am Horn von Afrika, im Süden der USA, in Peru und Ecuador fällt hingegen mehr Regen. Die bislang letzte El-Niño-Phase gab es in den Jahren 2023/2024. Sie trug dazu bei, dass 2024 global das heißeste und 2023 das zweitheißeste Jahr war, das jemals gemessen wurde.
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen und wird nicht durch die globale Erwärmung verursacht. Klimaforscher wie etwa Friederike Otto vom Imperial College in London sehen es als erwiesen, dass die Klimaanomalie die steigenden globalen Temperaturen zusätzlich nach oben treiben kann. El Niño treffe auf eine durch die globale Erwärmung bereits aufgeheizte Erde, sei ein natürlicher Verstärker und könne global Wetterextreme auslösen.

Auswirkung für Deutschland? Das Klimaphänomen El Niño kann als Folge zu kälteren Wintern in Deutschland führen.© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska
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Ist auch Deutschland von El Niño betroffen?
„Ein El-Niño-Ereignis beeinflusst in erster Linie die Wetter- und Klimamuster im tropischen Pazifikraum“, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf Anfrage mit. Für Deutschland und Mitteleuropa seien die direkten Auswirkungen eines El Niño oft nicht eindeutig nachweisbar. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand bestünden jedoch mögliche Zusammenhänge insbesondere im Winterhalbjahr, so der DWD: „Bei El Niño werden tendenziell schwächere Westwinde über Europa beobachtet, was häufiger kältere Winterbedingungen begünstigen kann.“ Aber: Aus einem starken El Niño allein lasse sich kein kalter Winter in Europa ableiten.
Ein starker El Niño könnte laut Experten Deutschland zumindest indirekt treffen: über Ernteausfälle in anderen Weltregionen, steigende Lebensmittelpreise, gestörte Lieferketten und eine zusätzliche Aufheizung des globalen Klimas. „Die WMO ist entschlossen, eng mit Partnern im gesamten UN- und humanitären System zusammenzuarbeiten, um die für das Katastrophenmanagement und klimarelevante Sektoren wie Landwirtschaft, Gesundheit, Energie und Wasserressourcen erforderlichen Klima-Informationen und Erkenntnisse bereitzustellen“, sagte WMO-Generalsekretärin Saulo angesichts der aktuellen Lage. „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
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Was bedeutet La Niña?
Das Gegenstück zu El Niño heißt La Niña. Bei dieser gegenläufigen Klimaanomalie kühlen sich die oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks anomal stark ab. Zwischen den beiden Klimaphänomenen El Niño und La Niña liegt eine neutrale Periode. Alle drei Phasen zusammen bilden im zentralen und östlichen tropischen Pazifik die El-Niño-Southern Oscillation (ENSO), die von den Passatwinden entlang des Äquators angetrieben wird. Die ENSO gehört zu den stärksten natürlich auftretenden Einflüssen auf das globale Klimasystem. Eine sehr starke Anomalie erhöht die Wahrscheinlichkeit
erheblicher Veränderungen bei Niederschlag, Temperaturen und atmosphärischer Zirkulation in vielen Regionen der Welt.
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Woher kommen die Namen El Niño und La Niña?
Schon vor Jahrhunderten bemerkten Fischer in Peru alle paar Jahre ein seltsames Phänomen: Das Wasser des Pazifischen Ozeans wurde ungewohnt warm und die Fischschwärme verschwanden. Für die Fischer bedeutete dies schwierige Zeiten. Das normalerweise aufströmende kalte Tiefenwasser ist sehr nährstoffreich. Es enthält viel Phytoplankton, das Fischen Nahrung gibt.
Das Phänomen El Niño entwickelt sich meist im Sommer, wobei es seinen Höhepunkt oft um den Jahreswechsel erreicht. Deshalb benannten die Fischer das Phänomen nach dem Christkind oder Jesuskind, spanisch „El Niño“. Das Gegen-Phänomen nannten Wissenschaftler La Niña, „das Mädchen“.
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen