Wohnen im Alter: Eine neue Form der Alters-WG in Finnland

Wohnen im Alter Finnische Alters-WG: Wohnen bei der Betreuerin statt im Heim Umsorgt wie in einer Familie: Finnlands neue Form der Alters-WG findet immer meh...

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Wohnen im Alter: Eine neue Form der Alters-WG in Finnland

Wohnen im Alter Finnische Alters-WG: Wohnen bei der Betreuerin statt im Heim

Umsorgt wie in einer Familie: Finnlands neue Form der Alters-WG findet immer mehr Anklang. Das Modell birgt auch Risiken.

29.08.2026, 20:31

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Wer im Alter auf Hilfe angewiesen ist, aber nicht ins Altersheim möchte, kann sich Unterstützung holen – oder gleich direkt bei der Betreuerin oder dem Betreuer einziehen. Möglich ist das in Finnland, wo sich diese neue Form der Alters-WG zunehmender Beliebtheit erfreut. Zu Hause bei jemandem wohnen, der rund um die Uhr Zeit für einen hat – wie kann das funktionieren?

Familiäre Betreuung, rund um die Uhr

Helleena Jaakkola führt seit 6 Jahren eine solche Alters-WG. Derzeit wohnen drei betagte Frauen bei ihr, für die sie kocht, putzt und wäscht. Bei Bedarf verabreicht sie ihnen ihre Medikamente. Dass Jaakkola früher selbst in der Pflege arbeitete, kommt ihr da zugute. Im Vergleich zum Alltag im Spital schätzt sie den ruhigen, selbstbestimmten Arbeitsrhythmus im eigenen Zuhause: «Ich bin weniger gehetzt, und unsere Tage sind ruhiger. Und ich kann selbst entscheiden, was wir zusammen machen.»

Rentnerin Alli ist mit dem Leben in Jakkolas WG zufrieden. «Wo ist denn sonst jemand da, wenn ich in der Nacht etwas brauche?», sagt sie.

Ältere Frau mit Brille und Perlenkette lächelt in einem Raum.
Legende:

Die Rentnerin Alli lebt seit sechs Monaten in der WG von Jakkola.

srf

Alli ist eingezogen, nachdem ihr Mann verstorben war. Ihre Kinder hätten diese Lösung für sie gesucht, damit sie nach dem Tod ihres Mannes nicht allein sei. Tatsächlich ist in der WG viel Betrieb. Immer wieder bekommt eine der Bewohnerinnen Besuch von Freunden oder Enkeln.

Strenge Auswahl, enge Begleitung

Wie Helleena Jaakkola haben viele, die eine solche Alters-WG eröffnen, Erfahrungen in der Pflege – das ist im finnischen Modell aber keine Bedingung. Trotzdem gebe es strenge Zulassungskriterien, betont Kiris Perttala. Sie ist bei «Keusote» in Zentral-Uusima, nördlich von Helsinki, für die familiäre Betreuung zuständig.

Drei Personen sitzen an einem Tisch in einem gemütlichen Raum.
Legende:

Die Betreuenden müssen finanziell, geistig und körperlich stabil sein. Wer ausgewählt wird, werde intensiv geschult und anschliessend eng belgeitet und kontrolliert, sagt Perttala. «Die finnischen Gesetze sind sehr streng.»

SRF

Aber auch die älteren Menschen, die in eine solche WG einziehen wollten, müssten gewisse Kriterien erfüllen. «Vor allem dürfen keine schweren, behandlungsintensiven Krankheiten vorliegen.» Bei leichteren Beschwerden komme eine Pflege-Fachperson in der WG vorbei. Wichtig ist laut Perttala auch, dass regelmässig ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin die älteren Menschen besuche. So habe man auch hier die Kontrolle, dass alles gut laufe.

Hohe Anforderungen, schwierige Abgrenzung

Ein Modell auch für die Schweiz? Die Idee klinge verlockend, sagt Pflege-Expertin Daniela Händler-Schuster von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. «Der Alltag kann beziehungsorientiert, gemeinschaftlich und umsorgend gestaltet werden.» Das familiäre Setting sei sehr positiv.

Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, wie komplex und intensiv die Betreuung älterer Menschen sei – vor allem mit zunehmendem Alter. Die hohen Anforderungen seien heikel für Betreuende, die zwar geschult wurden, aber über keine professionelle Pflege-Ausbildung verfügen. «Gerade in Betreuungssettings zu Hause können Grenzen verwischen, da kann es zu Überforderung kommen», sagt Händler-Schuster. Die professionelle Pflege müsste aus ihrer Sicht von Beginn an konsequent eingebunden sein.

In Finnland dient das Modell mit Laien als Antwort auf den akuten Mangel an Pflegepersonal. Es ist eines der Länder mit der am schnellsten alternden Bevölkerung Europas.

10vor10, 21.08.2026, 21:50 Uhr