Wohnungsnot im Landkreis Dachau: Neues Bündnis sucht Vermieter

Das „Wissensbündnis Wohnen für alle" vermittelt im Landkreis Dachau Wohnraum an Menschen, die auf dem Markt kaum eine Chance haben. Vermieter müssen sich nicht durch Hunderte Bewerbungen kämpfen, sondern erhalten einen fertigen Vorschlag.

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Wohnungsnot im Landkreis Dachau: Neues Bündnis sucht Vermieter

Stand: 09.10.2026, 07:19 Uhr

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Mangelware Wohnraum: Mehr als neun Monate suchte die 67-jährige Rentnerin Doris Böhnel aus Gelting nach einer bezahlbaren Unterkunft.

Mangelware Wohnraum: Monate-, ja: jahrelang suchen häufig Menschen vergeblich nach einer Wohnung. © Frank Rumpenhorst

Das „Wissensbündnis Wohnen für alle" vermittelt im Landkreis Dachau Wohnraum an Menschen, die auf dem Markt kaum eine Chance haben. Vermieter müssen sich nicht durch Hunderte Bewerbungen kämpfen, sondern erhalten einen fertigen Vorschlag.

Dachau – Als Fehlbeleger bezeichnet man im Behörden-Deutsch geflüchtete Menschen, die ein dauerhaftes oder zumindest längeres Aufenthaltsrecht in Deutschland haben und damit aus den Asylbewerberunterkünften ausziehen dürften. 1240 dieser Fehlbeleger leben aktuell in den Flüchtlingsunterkünften des Landkreises; gut drei Viertel kommen aus der Ukraine.

Allen, die es schwer haben auf dem Wohnungsmarkt, eine Wohnung zu vermitteln.

Angesichts des nahenden Winters und des fortdauernden Krieges in der Ukraine erwartet das Landratsamt, wie berichtet, in den kommenden Wochen die Ankunft von gut 300 ukrainischen Flüchtlingen. Da die Ukrainer, anders als etwa Menschen aus Syrien oder Afghanistan, kein klassisches, oft Jahre dauerndes Asylverfahren durchlaufen müssen, sondern direkt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten, wird die Zahl der Fehlbeleger erneut deutlich ansteigen.

Julius Fogelstaller, Integrationsbeauftragter im Landratsam, rief daher bereits vor einigen Monaten das „Wissensbündnis Wohnen für alle – Dachau Stadt und Land“ ins Leben. Daran beteiligt sind Stadt und Landkreis, das Jobcenter Dachau, die Caritas, der Verein Haus und Grund Dachau sowie der Verein Haus- und Grundeigentümer Dachau und Umgebung. Gemeinsames Ziel, so Fogelstaller: „Allen, die es schwer haben auf dem Wohnungsmarkt, eine Wohnung zu vermitteln.“ Dies sind vor allem die Fehlbeleger in den Asylunterkünften, aber auch Einkommensschwächere, wie alleinerziehende Mütter oder Menschen in sozialen Berufen.

Aus Flüchtlingen werden Fehlbeleger

Grundsätzlich ist es laut Fogelstaller so, dass Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft nach erfolgreichem Ende ihres Asylverfahrens direkt aufgefordert werden, sich eine eigene Wohnung zu suchen und auszuziehen. Angesichts des umkämpften Wohnungsmarkts gelingt dies aber sehr häufig nicht. In der Asylunterkunft in Odelzhausen etwa leben laut Julius Fogelstaller zehn Personen. Acht davon haben einen Aufenthaltsstatus und eine Arbeit im Ort. Weil sie aber keine bezahlbare Wohnung in der Nähe finden und auch kein Auto haben, bleiben sie freiwillig in der Asylunterkunft.

Eine „Übereinkunft“ zwischen den Gemeinden, in diesem Fall Odelzhausen, und dem Landkreis als Betreiber der Unterkünfte ermöglicht diese Lösung. Streng nach den Buchstaben des Gesetzes nämlich müssten die acht Fehlbeleger ausziehen und würden damit als Obdachlose in die Zuständigkeit der Gemeinde fallen. Angesichts der schieren Zahl der Fehlebeleger unmöglich. „Wir haben Menschen, die bleiben jahrelang in der Unterkunft, weil sie es nicht schaffen, auszuziehen“, so Fogelstaller.

Das „Wissensbündnis“ will nun die Schaltstelle bilden zwischen möglichen Vermietern und den Wohnungssuchenden. Laut Fogelstaller hofft man vor allem auf „werteorientierte“ Vermieter, die ihren Wohnraum zu sozialen Preisen abgeben würden und „nicht den großen Profit rausholen wollen“. Im Gegenzug müssen sich die Vermieter nicht mit Hunderten Bewerbungen für ihre Wohnung herumschlagen, sondern bekommen vom Bündnis bereits eine Vorauswahl beziehungsweise einen Vorschlag präsentiert. Und ganz wichtig: Indem das Augenmerk nicht nur auf den Fehlbelegern liegt, sondern auch auf deutschen Bedürftigen, soll sichergestellt werden, „dass wir nicht unterschiedliche Gruppen gegeneinander ausspielen“, so Fogelstaller.

Auch befristete Mietverhältnisse sind willkommen

Ein Beispiel, wo eine Vermittlung bereits geglückt ist, war ein älteres Ehepaar mit einer Einliegerwohnung. Die Wohnung wurde ursprünglich freigehalten für die zwei- bis dreimal jährlich stattfindenden Besuche der Kinder des Paars. Die Kinder schlafen nun bei ihren Besuchen in der elterlichen Wohnung, die Einliegerwohnung ist vermietet.

Akzeptiert wird laut Fogelstaller auch ein befristetes Mietverhältnis. Dies kann der Fall sein, wenn ein Haus leersteht, weil die Eltern ins Heim umzogen. Die Kinder wollen das Haus noch nicht verkaufen und geben es für zwei oder drei Jahre an dankbare Mieter ab.

„Für jede Wohnung finden wir jemanden, der sehr glücklich darüber sein wird“, verspricht Fogelstaller. Das „Wissensbündnis Wohnen für alle“ ist erreichbar unter Telefon 0 81 31/74 22 33 oder E-Mail [email protected].

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