Nutzen Homegate und Co. Wohnungsnot aus? Suchabo wird teurer (B+)

Die grossen Immobilienplattformen haben kürzlich ihre Premiumabos verteuert. Nur wer zahlt, erhält vollen Zugriff auf neue Inserate. Der Mieterverband wirft den Anbietern vor, die Wohnungsnot auszunutzen.

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Nutzen Homegate und Co. Wohnungsnot aus? Suchabo wird teurer (B+)

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Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Das wissen auch Plattformen wie Homegate.ch oder Immoscout24.ch. Sie verlangen von Wohnungssuchenden Geld dafür, dass sie sofort Kontakt zu Anbietern aufnehmen können. Ohne Bezahlung bleibt nur das Warten – bis zu 14 Tage. Die kostenpflichtigen Angebote heissen «Mieterplus» oder «Priority». Wer online eine Wohnung sucht, kommt fast nicht darum herum. Denn die grössten Plattformen gehören alle einer einzigen Firma: der Swiss Marketplace Group (SMG). Sie dominiert mit einem geschätzten Marktanteil von über 75 Prozent den Online-Wohnungsmarkt.

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Ohne Bezahlung seien kaum bezahlbare Wohnungen zu finden, kritisierte etwa der «K-Tipp» bereits bei der Einführung. Dennoch hält sich das Modell seit nunmehr drei Jahren. Und wird nun sogar noch teurer. Seit Mitte September verlangt die SMG für ihre Premiummodelle Fr. 34.95 pro Monat bei einer Laufzeit von sechs Monaten. Das entspricht einem Preisanstieg von über 10 Prozent, zuvor kostete ein dreimonatiges Abo rund 30 Franken monatlich.

Auch andere Anbieter fordern Geld

Die SMG rechtfertigt die Erhöhung mit einem erweiterten Leistungsumfang, wie Pressesprecher Sebastian Sinemus auf Anfrage schreibt. Abonnenten erhielten neben dem Zeitvorsprung einen kostenlosen Betreibungsregisterauszug, einen Umzugsgutschein und eine bevorzugte Platzierung im Nachrichtentool, um bei Vermietern aufzufallen.

Auch andere Anbieter verlangen Geld, besonders im Grossraum Zürich, wo die Wohnungsnot am grössten ist. So kostet ein Abo bei Zueriwohnung.ch 5 Franken im Monat. Der Newsletter «Immomailing» erhebt eine einmalige Gebühr von 49 Franken. Selbst für Genossenschaften, die freie Wohnungen nur auf ihren Websites ausschreiben, gibt es ein Geschäftsmodell: Für 5 Franken monatlich bündelt Genossenschaffen.ch solche Angebote.

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Die Betreiber verdienen an der Wohnungsnot.

Urban Hodel, Co-Generalsekretär des Mieterverbands

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Der Mieterverband kritisiert diese Entwicklung scharf. «Wer wenig verdient, findet kaum eine bezahlbare Wohnung und kann sich diese Zusatzkosten nicht leisten», schreibt Co-Generalsekretär Urban Hodel. «Die Betreiber verdienen an der Wohnungsnot.»

Die SMG weist die Vorwürfe zurück. «Unsere Produkte sollen Wohnungssuchenden helfen, ihre Chancen zu verbessern», schreibt Pressesprecher Sinemus. Es könne frustrierend sein, auch online «Schlange stehen» zu müssen. Man setze auf ein «gemischtes Modell aus kostenfreien Basisdiensten und kostenpflichtigen Zusatzfunktionen», um Sicherheitsstandards und Betrugsschutz zu gewährleisten und die Plattformen weiterzuentwickeln.

Die Wettbewerbskommission (Weko) untersucht aktuell, ob die SMG mit ihrer Marktmacht Konkurrenten behindert. Die Premiummodelle sind jedoch nicht Teil der Prüfung. Wenn zahlende Nutzer Vorteile erhalten, sei das «für sich allein genommen kartellrechtlich noch nicht zu beanstanden», heisst es auf Anfrage. Die verlangten Preise könnten aber in Frage gestellt werden. Dafür sei der Preisüberwacher zuständig. Dieser nimmt es auf Nachfrage des Beobachters zur Kenntnis. Anfang des Jahres hatte er sich mit den Plattformen bereits auf neue Tarife und Rabatte geeinigt – allerdings für die Vermieter und nicht für die Mieter.

So kannst du Premiummodelle umgehen

Ein Patentrezept für die Wohnungssuche gibt es nicht. Der Mieterverband empfiehlt, möglichst viele Kanäle zu nutzen: Onlineplattformen, Social Media und das Anschlagbrett im Supermarkt. Informieren Sie Freunde und Bekannte über Ihre Suche. Oft erfährt man so von Wohnungen, bevor sie ausgeschrieben werden – und kann sich als Nachmieter bewerben.

Transparenzhinweis: Die Swiss Marketplace Group (SMG) gehört zu rund 19 Prozent der Ringier AG. Zur Ringier-Gruppe gehört auch Ringier Medien Schweiz, die unter anderem den Beobachter herausgibt.