Wunstorf: Gefundene Drohne weist Parallelen zur Drohne von Leipziger Flughafen auf
Ein Landwirt fand sie nahe einem Bundeswehrfliegerhorst: Eine in Wunstorf entdeckte Drohne weist nach SPIEGEL-Informationen Parallelen zu der Drohne auf, die am Leipziger Flughafen einen Angriff auf ein ukrainisches Frachtflugzeug flog.
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Nach dem Fund einer verdächtigen Drohne in der Nähe des Bundeswehr-Fliegerhorsts Wunstorf in Niedersachsen vor rund einer Woche gehen die Ermittler davon aus, dass das Gerät mit Sprengstoff bestückt gewesen sein könnte. Dazu berichtete zuerst der Rechercheverbund von NDR, WDR und »Süddeutscher Zeitung«. Demnach hätten Ermittler einige Tage, nachdem ein Landwirt Teile einer zerbrochenen Drohne entdeckt hatte, bei weiteren Untersuchungen wenige Meter entfernt ein verdächtiges Material entdeckt – mutmaßlich Sprengstoff.
Nach SPIEGEL-Informationen soll die in Wunstorf entdeckte, modifizierte Drohne Parallelen zu der Drohne aufweisen, die vor einigen Wochen am Leipziger Flughafen entdeckt wurde. Demnach soll sich das gefundene Material ebenfalls in einer Metalldose befunden haben – ähnlich wie der Sprengstoff in Leipzig. Dort war das Explosivmaterial in einer Konservenbüchse verbaut worden.
Auch die Steuerungstechnik soll Ähnlichkeiten zum Fall in Leipzig aufweisen: wie der SPIEGEL erfuhr, soll das Wunstorfer Flugobjekt ebenfalls mit einer SIM-Karte ausgerüstet gewesen sein, die mit dem Mobilfunknetz verbunden werden konnte. Auf diese Weise konnte sie offenbar anonym über das Internet manövriert werden.
Die in Leipzig gefundene Drohne ist ein modifizierter Racecopter
Seit der mutmaßliche Sprengstoff Ende vergangener Woche bei Wunstorf entdeckt worden war, laufen intensive kriminaltechnische Analysen. Ob er identisch mit dem aus Leipzig ist, blieb zunächst unklar. Ermittler gehen davon aus, dass das Behältnis, in dem das Material gefunden wurde, genau wie die gefundenen Drohnenteile schon seit längerer Zeit auf freiem Feld lag. Vermutet wird eine Liegezeit von zwei Jahren oder länger.
Wie das sprengstoffbeladene Fluggerät damals zu Boden kam, ist ebenfalls Gegenstand laufender Prüfungen. Möglich wäre etwa ein misslungener Testflug oder ein gescheiterter Anschlagversuch.
Anfang August war am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne in der Nähe von ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden. Der Flughafen ist Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine. Die Bundesregierung machte Anfang September Russland für den versuchten Sprengstoffanschlag verantwortlich und kündigte neue Strafmaßnahmen an. Moskau weist die Vorwürfe zurück.
Die in Leipzig entdeckten Drohnen hat das Bundeskriminalamt (BKA) mittlerweile intensiv untersucht. Demnach handelt es sich um einen leicht modifizierten Racecopter, auf den ein mobiler Router samt SIM-Karte montiert war. Über eine Internetverbindung konnte die Drohne nach Erkenntnissen der Fahnder auch aus großer Entfernung oder sogar aus dem Ausland gesteuert werden. Dazu war auch eine Kamera an der Frontseite installiert.
Beim Zwischenfall in Leipzig wurde der militärische Sprengstoff Semtex gefunden
Laut Informationen aus Sicherheitskreisen sind die meisten verbauten Teile der Drohne im Handel erhältlich, den Rahmen gebe es sogar als Bausatz zu kaufen. Auch die vier Motoren und die Propeller sind leicht im Internet zu bestellen. Besonders aufmerksam untersuchten die Fahnder eine mit einem 3D-Drucker hergestellte Halterung, mit der eine Konservendose an der Drohne befestigt war, darin der militärische Sprengstoff Semtex.
Die Dose war offenbar von der in Leipzig entdeckten Drohne abgefallen, als diese auf die rechte Tragfläche der Antonow-Transportmaschine aufschlug. Warum der Sprengsatz, an dem auch ein Zündmechanismus angebracht war, dabei nicht auslöste, wissen die Ermittler bis heute nicht genau. Als die Drohne mehrere Stunden später gefunden wurde, lag die Konservendose gut fünf Meter von dem Racecopter entfernt auf dem Boden.
Der Fund von Wunstorf war dem Rechercheverbund zufolge auch Thema in der sogenannten nachrichtendienstlichen Lage im Kanzleramt, in der sich wöchentlich die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius war bereits auf seiner US-Reise vergangene Woche fortlaufend über die Ermittlungen in Wunstorf unterrichtet worden. Pistorius wollte allerdings keine Details nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.
Pistorius sieht »keinen absoluten Schutz gegen Drohnen«
Schon die Tatsache, dass der Generalbundesanwalt den Vorfall im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen zu Leipzig prüfe, sei »deutlich genug«, sagte Pistorius auf die Frage, wie gravierend er den Fund nahe der Luftwaffenbasis einordne. Pistorius ergänzte, dass es »keinen absoluten Schutz gegen Drohnen« gebe.
Der Fliegerhorst Wunstorf gilt als eine der strategisch wichtigsten Luftwaffenbasen in Deutschland. Um die 40 der riesigen A400M-Transportmaschinen der Luftwaffe sind hier stationiert, viele von ihnen stehen unter freiem Himmel, sie sind auch auf Satellitenaufnahmen leicht zu sehen.
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Die A400M-Flotte ist auch für die Nato strategisch wichtig, da sie Militärmaterial in Europa transportiert. Folglich wurde das Bündnis schon am Tag, als die Drohne gefunden wurde, vorsorglich unterrichtet. Laut einem internen Nato-Bericht wurde die Drohne östlich des Steinhuder Meers in einem Moorgebiet gefunden, das nördlich des Fliegerhorsts liegt.