Zehn Jahre Fliedner-Hospiz: Wie ein Ort zum Sterben ein Ort zum Leben wird
SaarlandNeunkirchen Zehn Jahre Fliedner-Hospiz Wie ein Ort zum Sterben ein Ort zum Leben wird Neunkirchen · Vor zehn Jahren wurde in Neunkirchen das Fliedner-Hospiz geö...
- 3 min read
Zehn Jahre Fliedner-Hospiz Wie ein Ort zum Sterben ein Ort zum Leben wird
Neunkirchen · Vor zehn Jahren wurde in Neunkirchen das Fliedner-Hospiz geöffnet. Es bietet eine liebevolle Begleitung bis zur letzten Sekunde.
23.08.2026 , 18:00 Uhr
Pfarrerin Wiltrud bauer (rechts) hatte zur großen Freude der Besucher ihre Alpaka-Seelsorgekollegen aus Schiffweiler mitgebracht.
Foto: Anja Kernig
Da wartet man monatelang sehnsüchtig auf Regen. Und dann fällt er ausgerechnet in die Cocktailgläser der Gäste. Auf die Bänke und geschmückten Tafeln, auf die brutzelnden Steaks auf dem Schwenker, ins Alpakafell, auf die Gitarren der Musiker und das Skript der Festredner. Aber irgendwie passte der ansonsten hochwillkommene Regen in seiner Ambivalenz sehr wohl zu diesem so gut besuchten wie unglaublich heiteren Sommerfest, das eigentlich eine Geburtstagsparty war.
Bis zu acht Bewohner
Gefeiert wurde in großer Runde das zehnjährige Bestehen des Fliedner-Hospiz in Trägerschaft der Stiftung Kreuznacher Diakonie. 2016 eröffnet, befindet es sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Fliedner-Krankenhauses Neunkirchen und des Stadtparks. Aufgenommen werden hier Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung, die nach menschlichem Ermessen in absehbarer Zeit zum Tode führt. Aufnahmekriterium ist ferner, dass die Möglichkeiten der Pflege zu Hause oder im Krankenhaus ausgeschöpft sind. Für bis zu acht Bewohnerinnen und Bewohner stehen in dem unscheinbaren Flachbau neben besonderer medizinischer und technischer Infrastruktur Einzelappartements zur Verfügung. Wer möchte, kann kleinere Möbelstücke, eigene Bilder sowie Haustiere nach Absprache mitbringen. Familie und Freunde sind jederzeit willkommen und dürfen sich auf Wunsch gern in Pflege und Betreuung einbringen. Für Übernachtungen stehen ein Gästezimmer und Beistellbetten zur Verfügung.
Gelebt bis zuletzt
„Wenn ich zu unserem Gebäude blicke, sehe ich nicht Steinmauern, sondern einen Ort der Würde, des Lebens und der tiefen Menschlichkeit“, äußerte Leiter Thomas Steffen in seiner Begrüßung. „Hier wird gelacht, geweint und gelebt bis zuletzt“ – ermöglicht durch ein hoch engagiertes Team aus Pflegekräften, Mitarbeitenden der Hauswirtschaft, der psycho-sozialen Begleitung und vielen Ehrenamtlichen. Sie arbeiten ganz im Sinne von Cicely Saunders: „Du bist wichtig, weil Du Du bist“, zitierte Steffen das Credo der Palliativaktivistin. „Und Du bist bis zum letzten Augenblick Deines Lebens wichtig.“
Viele Unterstützer
Pfarrer Udo Blank, Vorsitzender des bereits in der Bauphase gegründeten und deshalb zwei Jahre älteren Fördervereins, blickte zurück zu den Anfängen. Erste Überlegungen, eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen, tauchten bereits in den 2000er-Jahren auf. „Damals gab es nicht wenig Bedenken dagegen. Braucht Neunkirchen überhaupt ein Hospiz“, lautete die oft gestellte Frage, die heute kaum noch nachzuvollziehen sei. Realisiert wurde der Bau mit Unterstützung von Landkreis und Stadt und vielen Einzelpersonen.
Bis heute ist man auf Spenden angewiesen. Fünf Prozent der Hospizkosten müssen durch sie aufgebracht werden, denn Kranken- und Pflegekassen übernehmen nur 95 Prozent der Kosten. Größter Spender ist der Rotary-Club Neunkirchen. Der 100 Mitglieder zählende Förderverein selbst beteiligt sich unter anderem an der Finanzierung der Ausgestaltung des Außenbereichs und diversen Anschaffungen, ermöglicht aber auch therapeutische Angebote wie den Einsatz der Alpakas im Rahmen der „Tiergestützten Seelsorge“ von Pfarrerin Wiltrud Bauer.
Die Anwesenheit der vierbeinigen Kollegen, darunter auch zweier Therapiehunde, gab dem Fest eine ganz besondere Note – genau wie das Wetter. „Der Regen passt schon“, stellte Pfarrer Holger Böckel, Vorstandsmitglied der Stiftung Kreuznacher Diakonie, aufgeräumt fest. „Ein Hospiz ist ein Ort, wo es Sonne wie Regen gibt.“ Aber egal ob heitere oder graue Stunden, „hier wird sich Zeit genommen, Zuwendung geschenkt und Aufmerksamkeit“. Zentral dabei sei die Bereitschaft, jemanden am Lebensende „ nicht allein zu lassen“, so Böckel. „Wir sind stolz, einen solchen Ort zu haben.“ (hek/pn)