Zuckersteuer ab 2027: Was auf Verbraucher zukommt und wie teuer Cola werden könnte
Die Menschen in der Duisburger Innenstadt haben heute Morgen eine klare Meinung zu den Plänen der Bundesregierung. Viele bezweifeln, dass die Maßnahme ihren Zweck erfüllt: "Ich weiß nicht, ob das dazu führt, da...
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Die Menschen in der Duisburger Innenstadt haben heute Morgen eine klare Meinung zu den Plänen der Bundesregierung. Viele bezweifeln, dass die Maßnahme ihren Zweck erfüllt: "Ich weiß nicht, ob das dazu führt, dass weniger getrunken wird. Ich glaube nicht." Auch über die Motive der Steuer herrscht Unmut: "Ich finde das Blödsinn, die versuchen überall nur Geld zu machen."
Zucker steckt in vielen Getränken, oft mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Wer regelmäßig Cola, Limo oder Energydrinks trinkt, nimmt schnell größere Mengen zu sich. Die Bundesregierung will gegensteuern - mit einer Steuer, die vor allem Getränke mit viel Zucker teurer machen soll.
Die Steuereinnahmen sollen "dazu verwendet werden, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten", erklärte das Finanzministerium am Mittwoch.
Doch was bedeutet das für den Einkauf? Wird Cola künftig deutlich teurer? Müssen Hersteller ihre Rezepte ändern? Und bringt eine solche Steuer tatsächlich etwas für die Gesundheit? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur geplanten Zuckersteuer im Überblick.
Was ist mit der Zuckersteuer gemeint?
Die Bundesregierung plant eine Abgabe auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Hersteller sollen künftig Steuern zahlen, wenn sie entsprechende Getränke auf den Markt bringen. Wie hoch die Abgabe ausfällt, hängt vom Zuckergehalt ab. Als Starttermin ist der 1. Juli 2027 vorgesehen. Das Kabinett hat die Pläne am 14. Oktober auf den Weg gebracht.
Die Steuereinnahmen sollen laut Finanzminister Klingbeil nicht nur die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil halten. Sondern auch einen wichtigen Beitrag "zum Schutz der Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen" leisten, erklärte das Ministerium. Jetzt geht das Gesetz in den Bundestag.
Wie viel teurer könnten Cola und Limo werden?
Das hängt davon ab, ob die Hersteller die Steuer vollständig weitergeben. Ausgehend von einem Beispielpreis von 1,80 Euro könnte ein Liter Cola dann etwas mehr als zwei Euro kosten. Die Getränkeverbände rechnen für einen klassischen Kasten Cola oder Limonade mit Mehrkosten von mehr als fünf Euro.
Die tatsächliche Preisentwicklung ist allerdings noch offen. Hersteller könnten den Zuckergehalt ihrer Getränke senken und dadurch in eine niedrigere Steuerstufe fallen oder die Steuer ganz vermeiden.
Welche Getränke wären betroffen?
Nach den vorliegenden Plänen geht es vor allem um zuckerhaltige Softdrinks wie Cola, Limonade und Energydrinks. Die Höhe der Steuer hängt davon ab, wie viel Zucker ein Getränk enthält. Bei mindestens fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden 26 Cent pro Liter fällig, ab acht Gramm sind es 32 Cent. Klassische Coca-Cola enthält laut Herstellerangaben rund 10,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Für einen Liter würden damit 32 Cent Steuer anfallen. Gibt der Hersteller die Abgabe vollständig weiter, könnte der Preis inklusive Mehrwertsteuer rechnerisch um rund 38 Cent steigen.
Getränke mit Süßungsmitteln wie Cola Zero sowie reine Frucht- und Obstsäfte sollen nach dem vorliegenden Kompromiss nicht besteuert werden. Und auch für kleinere Getränkehersteller ist eine Ausnahme geplant. Ein Beispiel: Produziert ein Hersteller 800.000 Liter gezuckerte Limonade im Jahr, wäre er von der Steuer befreit. Bei einer Jahresproduktion von 1,2 Millionen Litern würde die Ausnahme nicht mehr greifen.
Welche Unternehmen betrifft die Steuer in NRW?
Die geplante Steuer könnten in NRW zahlreiche Hersteller von Erfrischungsgetränken betreffen, darunter zum Beispiel Limonadenmarken wie Sinalco und viele Brauereien mit Fassbrausen, Spezi oder ähnlichen Produkten.
Die Brauerei Krombacher geht davon aus, dass künftig einige ihrer Getränke versteuert werden müssten. Unternehmenssprecher Peter Lemm sagt: "Erfrischungsgetränke wie unsere Fassbrause und unsere Spezi oder auch unsere Lizenzprodukte wie beispielsweise das Schweppes-Sortiment wären nach jetzigem Stand betroffen." Was das für das Unternehmen bedeutet, sei allerdings noch nicht final abzusehen. Kleinere Brauereien könnten dagegen außen vor bleiben, wenn die geplante Freigrenze von 70.000 Litern Jahresproduktion kommt.
Was bringt die Zuckersteuer für die Gesundheit?
Die Bundesregierung will mit der Abgabe den Zuckerkonsum senken. Zu viel Zucker erhöht das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes und schadet den Zähnen. Die WHO empfiehlt Erwachsenen beispielsweise möglichst nicht mehr als 25 Gramm freien Zucker am Tag zu sich zu nehmen.
Hilft eine Zuckersteuer wirklich?
Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass eine Zuckersteuer den Zuckergehalt von Getränken senken kann. In Großbritannien ging er zwischen 2015 und 2024 nach Angaben der Regierung um 47 Prozent zurück. Viele Hersteller hatten ihre Rezepturen verändert. Ob die Steuer dadurch langfristig Übergewicht und andere Erkrankungen verhindert, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.
Warum werden nur Getränke besteuert und keine anderen Lebensmittel?
Die Bundesregierung konzentriert sich auf zuckerhaltige Getränke. Die Abgabe soll Hersteller dazu bewegen, weniger Zucker zu verwenden. Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass Unternehmen ihre Rezepturen entsprechend ändern. Bei Steuern auf einzelne Lebensmittel gibt es dagegen offene Fragen.
Eine frühere Bundesregierung hatte darauf hingewiesen, dass nicht ausreichend belegt sei, ob solche Steuern die Zucker- und Kalorienaufnahme langfristig senken. Eine aktuelle, ausführliche Begründung dafür, warum Schokolade oder Chips nicht einbezogen werden, liegt bisher nicht vor.
Wie machen es andere Länder?
Etwa die Hälfte der EU-Staaten besteuert zuckerhaltige Getränke bereits. Die Modelle unterscheiden sich von Land zu Land:
Großbritannien erhebt seit 2018 eine gestaffelte Abgabe: Je mehr Zucker ein Getränk enthält, desto höher fällt die Steuer aus. Viele Hersteller haben daraufhin ihre Rezepturen geändert. Nach Angaben der britischen Regierung sank der durchschnittliche Zuckergehalt der besteuerten Getränke zwischen 2015 und 2024 um rund 47 Prozent.
Frankreich besteuert zuckerhaltige Getränke bereits seit 2012. Die Abgabe wurde mehrfach angepasst. Eine Untersuchung der französischen Zentralbank zeigte, dass die Hersteller die Steuer weitgehend über höhere Verkaufspreise weitergaben. Wie stark sich dadurch der Zuckerkonsum verändert hat, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Portugal führte 2017 eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke ein. Eine Studie aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass der Absatz dieser Getränke dadurch um rund ein Fünftel zurückging. Das Geld aus der Steuer ist für das öffentliche Gesundheitssystem vorgesehen. Es soll also dabei helfen, die medizinische Versorgung zu finanzieren.
Ungarn geht noch weiter: Dort gibt es seit 2011 eine Gesundheitsabgabe nicht nur auf zuckerhaltige Softdrinks und Energydrinks, sondern auch auf bestimmte Süßwaren und salzige Snacks. Die Einnahmen fließen in den staatlichen Krankenversicherungsfonds.
Welche Kritik gibt es an der Zuckersteuer?
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) bezeichnet die geplante Abgabe als "Teuer-Steuer". Er kritisiert, dass Verbraucher zusätzlich belastet würden und die Steuer aus seiner Sicht vor allem Haushaltslöcher stopfen solle.
Auch Getränkeverbände warnen vor höheren Preisen, zusätzlicher Bürokratie und zu wenig Vorbereitungszeit für Unternehmen. Befürworter wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung sehen die Abgabe dagegen als wichtigen Schritt für mehr Gesundheitsvorsorge.
Wann kommt die Zuckersteuer in Deutschland?
Die schwarz-rote Koalition hat sich auf ein zweistufiges Modell geeinigt. Das Bundeskabinett hat die Pläne am 14. Oktober 2026 auf den Weg gebracht. Jetzt muss der Bundestag über das Gesetz entscheiden. Als Starttermin ist der 1. Juli 2027 vorgesehen. Die endgültigen Regeln stehen damit noch nicht fest.