Zuliefer-Essen für Kliniken Püttlingen und Sulzbach: Cafeteria in Püttlinger Klinik schließt nicht
Heißes Gerücht zur Klinik-Cafeteria in Püttlingen war warme Luft. Allerdings schließen die Frischküchen in Püttlingen und Sulzbach, die Patientenversorgung mit Essen ändert sich komplett.
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Zuliefer-Essen für Kliniken Püttlingen und Sulzbach Cafeteria in Püttlinger Klinik schließt nicht
Püttlingen · Heißes Gerücht zur Klinik-Cafeteria in Püttlingen war warme Luft. Allerdings schließen die Frischküchen in Püttlingen und Sulzbach, die Patientenversorgung mit Essen ändert sich komplett.
08.10.2026 , 08:00 Uhr
Stephan Kolling, Geschäftsführer der Knappschaftskrankenhäuser in Püttlingen und Sulzbach, hier vor dem Eingangsbereich des Standortes Sulzbach.
In Püttlingen brodeln die Gerüchte heißer als der Kaffee in der Cafeteria des Knappschaftskrankenhauses: Zum Jahresende schließe die Cafeteria. Weil das Krankenhaus Geld sparen wolle. Das Gerücht ist auch tatsächlich heiß – allerdings nur heiße Luft: Die Cafeteria bleibt.
Doch eine sehr große Veränderung in Sachen Essensversorgung der Patienten und Besucher gibt es tatsächlich, und die dient der Sparsamkeit, auch wenn dafür an den Klinik-Standorten in Püttlingen und Sulzbach zusammen erst mal etwa 9,2 Millionen Euro für die „zentrale Speiseversorgung“ investiert werden.
Im Gespräch mit der SZ erläutert Geschäftsführer Stephan Kolling, mit Verweis auf die nicht gerade einfache Lage bei der Finanzierung von Krankenhäusern, dass es ein neues System geben werde: Bisher wird das Essen an beiden Standorten in der jeweils eigenen Küche frisch gekocht. Das wird es – wie in vielen anderen Kliniken bereits der Fall – so nicht mehr geben. In Püttlingen wird die Frischeküche zum Jahresende eingestellt, die Umstellung an beiden Standorten soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Künftig wird das Essen von Zulieferern schockgefrostet nach Püttlingen gebracht, dort am Fließband portioniert und dann im Püttlinger Krankenhaus verteilt, bzw. mit einem Transporter nach Sulzbach gebracht.
Der technische Clou dabei: Das gefrostete Essen wird auf Tabletts in spezielle, isolierte Transportkarren gepackt – ähnlich wie in einem Flugzeug, nur größer – in denen die Mahlzeiten unterwegs garen. Im Jahr werden an beiden Standorten zusammen etwa 220.000 Essen ausgegeben.
Der „Mr. Lunch“-Automat , hier noch nicht in Betrieb, bietet verschiedene frische warme Speisen.
Foto: Marco Reuther
Daran, dass Patienten verschiedene Dinge bezüglich ihres Essens ankreuzen können, ändert sich nichts. In Püttlingen wird entsprechend sortiert. – Und an den Gerüchten, dass es künftig nur noch eine Scheibe Wurst pro Brot gibt und Patienten ihren Sprudel selbst zahlen müssen, ist übrigens auch nichts dran.
Das neue System, so Kolling, sei hygienischer, und Vitamine blieben durch das Schockfrosten erhalten. Tatsächlich hat, laut Lebensmittelverband Deutschland, kurz nach der Ernte schockgefrostetes Tiefkühlgemüse meist noch mehr Vitamine, als lange beim Handel liegendes Gemüse.
Kolling zeigt sich auch von der Qualität des Essens überzeugt. Wie die Qualität dann wirklich im Vergleich zum bisherigen Krankenhausessen abschneidet, werden aber letztlich die Patienten für sich bewerten müssen.
Die Cafeteria in Püttlingen und auch die Plätze in Sulzbach, um etwas zu sich zu nehmen, werden jedenfalls erhalten bleiben, aber in einer eigenen Küche zubereitetes Essen wird es nicht mehr geben. Stattdessen gibt es – auch mit Karte zu bezahlende – Snack- und Heißgetränke-Automaten. Dazu sollen die kommenden Wochen eine ganz neue Art von Automaten den Dienst aufnehmen: „Mr. Lunch“-Essenautomaten, über die rund um die Uhr sieben verschiedene warme Gerichte zu unter 7 Euro angeboten werden, etwa Lachs mit Reis, Nudelgerichte oder auch die berühmte Currywurst.
Mit einem Backwarenanbieter sei man noch in Verhandlung, um auch in dieser Beziehung eine Versorgung zu gewährleisten. Ganz wichtig: Das bisher in den Küchen eingesetzte Personal wird nicht entlassen, sondern soll anderweitig eingesetzt werden.
Früher sei von Gästen und Mitarbeitenden auch mehr frisches Essen in den Cafeterien gekauft worden. Inzwischen seien es an jedem Standort nur noch etwa 90 Essen pro Tag, je zur Hälfte von Gästen und Mitarbeitenden gekauft. Derzeit seien also die Frischküchen für nur noch etwa fünf Prozent der Beschäftigten am Laufen.
Natürlich hat das Umstellen des Systems auch damit zu tun, dass die Knappschaftskliniken sparen wollen. Die Cafeterien seien sehr defizitär gewesen – eine genaue Zahl will Kolling nicht publik machen. Gespart wird aber – nicht zuletzt wegen des neuen „Beitragsstabilitätsgesetzes“ – auch in anderen Bereichen: Die Verwaltung für beide Häuser wird komplett nach Püttlingen ziehen, auch Einkaufsgemeinschaften sollen beim Sparen helfen. Zudem soll eine klarere Aufgabenteilung für die Häuser Entlastungen bringen: Notfallpatienten sollen nach Sulzbach kommen, die „vorbestellten Patienten“ nach Püttlingen – was auch damit zusammenhängt, dass keine zehn Minuten von Püttlingen entfernt die Völklinger SHG-Kliniken ebenfalls Notfallpatienten aufnehmen, das Gebiet also abgedeckt ist. Kolling rechnet zudem damit, dass im kommenden Jahr Stellenausschreibungen für Krankenhäuser eher rückläufig sein werden. Bezüglich der Cafeteria lässt sich aber festhalten: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. (oli)