Zum Jahresschluss: Offenbachs „Buchladen am Markt“ muss Geschäft am Wilhelmsplatz aufgeben

StartseiteOffenbachStand: 17.09.2026, 19:00 UhrKommentareUns auf Google folgenRund 4.000 Bücher hält Andrea Tuscher im Bestand des Buchladens am Markt – Vielfalt beim Stöbern, die Offenbach künftig verloren geh...

  • 4 min read
Zum Jahresschluss: Offenbachs „Buchladen am Markt“ muss Geschäft am Wilhelmsplatz aufgeben

Stand: 17.09.2026, 19:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Einer der besten Buchläden des Landes: Rund 4.000 Bücher hält Andrea Tuscher im Bestand des Buchladens am Markt – Lesevielfalt, die Offenbach künftig fehlen wird.

Rund 4.000 Bücher hält Andrea Tuscher im Bestand des Buchladens am Markt – Vielfalt beim Stöbern, die Offenbach künftig verloren geht. © Julius Fastnacht

Er zählt zu den besten Deutschlands: Doch die Betreiberin von Offenbachs „Buchladen am Markt“ kämpfte mit steigenden Kosten – und verkündet jetzt einen radikalen Schritt.

Offenbach – Der Buchladen am Markt hat Welten eröffnet. Ein goldbetupfter Band mit Erzählungen entführte ins alte Korea. Der queere Krimi mit den grellroten Lippen sog ins nigerianische Lagos. Und der Debüt-Roman mit dem Rehkitz auf dem Titel auch mal aufs platte Land, nach Schleswig-Holstein. Wegen seines Sortiments, den Lesungen mit bedeutenden Gegenwartsautoren wie Peter Stamm, die alleine des „BAM“ wegen nach Offenbach kamen, zeichnete die Bundesregierung das Buchgeschäft mehrfach aus – als eines der besten in Deutschland, auch in diesem Jahr.

„In den vergangenen 15 Jahren hat sich meine Miete am Wilhelmsplatz etwa verdoppelt.“

Doch jetzt schlagen die Buchdeckel zu, zumindest an der Ecke Bieberer Straße: Zum ersten Quartal 2027 verlässt der Buchladen am Markt das Geschäft am Wilhelmsplatz. Das teilt Inhaberin Andrea Tuscher in einem Abschiedsbrief an ihre langjährigen Kundinnen und Kunden mit. „Ich kämpfe schon seit Jahren mit den steigenden Mietkosten“, heißt es in dem Schreiben. „Jetzt geht es nicht mehr und daher werde ich meinen Mietvertrag nicht verlängern.“ Gespart worden sei, so gut es eben ging, teilt Tuscher mit – und schließt: „Mein damit verbundenes Arbeitspensum ist allerdings jetzt an seine Grenzen gekommen.“

Ein Besuch in der vergangenen Woche. Die Buchhändlerin empfängt in ihrem Laden, der Raum bietet für rund 4.000 Bücher, mittlerweile auch feministische Graphic Novels, oder Rätsel für Kinder. Tuscher sagt: „In den vergangenen 15 Jahren hat sich meine Miete am Wilhelmsplatz etwa verdoppelt.“ Gegenüber der Redaktion hatte die Eigentümerin der Immobilie erklärt, das Aus des Buchladens sehr zu bedauern; und darauf verwiesen: Im Vergleich zu den aktuellen Mietpreisen anderer Geschäfte am Platz fällt die bisherige Ladenmiete des „BAM“ noch deutlich günstiger aus.

Tuscher, die den Laden seit 2012 alleine betreibt, weiß das. Nur verkauft die 59-Jährige eben kein Helles vom Fass, sondern Literatur. „Und der Preis für Bücher hat sich über die Jahre kaum verändert“, sagt sie. Dazu kommen gestiegene Nebenkosten, die in den vergangenen Jahren raketenmäßig durchstarteten. Etwa für Lieferanten, für Sozialabgaben. Preisdruck schlägt Schmöker?

Immer weniger junge Leserinnen und Leser: Geschäft mit dem Buch ist härter als früher

Ganz sicher. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Geschäft mit dem Buch härter ist als früher, allgemein. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent, bei den jüngsten Käuferinnen und Käufern im Alter von zehn bis 15 Jahren sogar einen Schwund um nahezu ein Drittel – die Jugend liest immer weniger.

Andrea Tuscher sagt: „Ohne Zusatzgeschäfte wird es für den klassischen Buchladen viel schwerer. Vom Buch allein bleibt immer weniger hängen.“ Buchläden richten Cafés ein, eigene Veranstaltungsräume. Und es geht auch um die sogenannte „Non-Book“-Abteilung, die in kleinem Stil bei Tuscher Einzug gehalten hat. Produkte jenseits des Buches also. Die künftig – an anderem Ort – das Überleben des „BAM“ sichern sollen.

Bundestags-Vizepräsident besucht „Buchladen am Markt“

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse, Gastland: Tschechien, liest die Autorin Jarka Kubsova aus ihrem neuen Roman „Im Licht des neuen Tages“ (Mittwoch, 7. Oktober, 19 Uhr). Am 22. Oktober, 19 Uhr, folgt ein interaktives Comiclabor, zu Gast: Übersetzerin Myriam Alfano und Autorin Annouk Sonntag. Isabella Caldart liest aus „Die Stadt, sie sie schrieben“ (5. November, 19 Uhr) – Porträts und Essays über New York City. Und zum Abschluss kommt Grünen-Politiker Omid Nouripour um über sein neues Buch „Empört euch nicht!“ zu diskutieren, das im Oktober erscheint. Karten im Vorverkauf gibt es im Buchladen, Wilhelmsplatz 12.

Offenbachs „Buchladen am Markt“: Neuer Start an der Bleichstraße

Denn mit kleinem Sortiment, etwa 200 wechselnden Büchern, vor allem Belletristik, wandert der Buchladen ab Januar an die Bleichstraße 43. Dort betreibt Tuscher ein zweites Geschäft für Accessoires und Einrichtung, das „4 Zimmer + Garten“ nämlich. „Es wird ein Bücherzimmer geben, die Menschen können weiter bei mir bestellen und abholen, wenn sie am Wochenmarkt sind. Sehr schön, aber natürlich ganz anders als früher.“

Weshalb alle, die gerne lesen, den alten „BAM“ besuchen sollten. Zum Stöbern in der ganzen Büchervielfalt eben, wie seit eh und je. Nach Neuerscheinungen, kleinen literarischen Juwelen suchen. Die letzten Lesungen im „BAM“ genießen, im November etwa kommt Bundestagsvize Omid Nouripour, um sein neues Buch zu präsentieren. Und natürlich um ins Gespräch zu kommen mit Annette Pitz und Andreas Schaffer, Tuschers kompetentem Team, das bei Bedarf gerne mit Buchempfehlungen aufwartet – und den Laden zum Jahresende verlassen muss. (von Julius Fastnacht)

Bücher bestellen

im „Buchladen am Markt“ können Interessierte per Email an [email protected]; telefonisch unter 069/883333; oder im Internet unter buchladenammarkt.de. Bestellungen können im Geschäft am Wilhelmsplatz 12 abgeholt, auf Wunsch per Bote nach Hause bestellt werden.