Zweite Liga: Nürnberg überzeugt im Franken-Derby – ist Kloses Team bereit für ganz oben?

Als Miroslav Klose noch selbst Fußball spielte, wurde er jeweils zweimal deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, er gewann die italienische Coppa und die Weltmeisterschaft – vor allem aber schoss er in der Saiso...

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Zweite Liga: Nürnberg überzeugt im Franken-Derby – ist Kloses Team bereit für ganz oben?

Als Miroslav Klose noch selbst Fußball spielte, wurde er jeweils zweimal deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, er gewann die italienische Coppa und die Weltmeisterschaft – vor allem aber schoss er in der Saison 2000/01 in nur 14 Spielen 15 Tore für den 1. FC Kaiserslautern II, der am Ende Meister der Oberliga Südwest wurde.

Klose ist also zweifelsohne einer der Größten, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Als er vor zwei Jahren aber beim 1. FC Nürnberg aufschlug, erschien er irgendwie klein. Zwar ist bis heute unvergessen, wie er kurz nach seinem Amtsantritt bei einem Testspiel in Roth, rund 30 Kilometer südlich von Nürnberg, von sechs Ordnern in die Kabine gebracht werden musste, um die Hysterie um ihn in geordnete Bahnen zu lenken – doch die Ekstase lag wohl ausschließlich am Spieler Klose, nicht am Trainer Klose.

Nur deshalb war ja einer wie er zum Club gekommen: Er spielte nicht mehr, man konnte sich kaum erinnern, wann er zuletzt einen Salto geschlagen hatte – und als Trainer hatte er noch weniger vorzuweisen als der FCK II nach der Oberliga-Saison 2000/01.

Eine von Kloses Stärken als Club-Trainer: Er verliert einfach keine Derbys

Zwei Jahre später hat sich das auf mindestens zwei Ebenen geändert. Zum einen hat sich Klose, 48, einen exzellenten Ruf als Spielerversteher und Bessermacher erworben – und zum anderen verliert er einfach keine Derbys. Im ersten Jahr fertigte seine Mannschaft die SpVgg Greuther Fürth erst 4:0, dann 3:0 ab, im zweiten Jahr endeten beide Duelle unentschieden – und am Samstagnachmittag gewannen Kloses Nürnberger das 277. Frankenderby 4:2.

Der Club und sein Coach sind inzwischen also dabei, gemeinsam größer zu werden. Klammert man einmal aus, wie viele Menschen der FCN bewegt, hat die Zeit den Verein auf Normalmaß gestutzt. Nach sieben Jahren im Unterhaus ist Nürnberg aus sportlicher Perspektive ein gewöhnlicher Zweitligist geworden, doch jetzt arbeitet Klose mit einigem Nachdruck daran, sein Team zu einer Spitzenmannschaft zu formen.

Das war auch die Lesart für die erste Hälfte des Derbys am Samstag. Während die Fürther viel Schweiß vergießen mussten, um in Person von Felix Klaus zwei Tore zu erzielen (22., 41.), genügte es den Nürnbergern, dreimal mit einer gewissen Ernsthaftigkeit im gegnerischen Strafraum aufzutauchen, um auf dieselbe Ausbeute zu kommen. Piet Scobel gelang das zwischenzeitliche 1:1 (26.), ehe Julian Justvan kurz vor der Halbzeitpause den abermaligen Ausgleich schoss (45.+3). Fürth hatte sich in brütender Hitze aufgerieben und der Club also aus wenig viel gemacht. Heißt es nicht von der Oberliga Südwest bis hinauf in die Bundesliga, dass es gerade das ist, was Spitzenteams auszeichnet?

Aus wenig viel gemacht: Piet Scobel (Mitte) mit dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich.
Aus wenig viel gemacht: Piet Scobel (Mitte) mit dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Daniel Marr/Imago/Zink

Als Justvan nach dem Derby die Katakomben des Fürther Stadions betrat und die Hände in die Hüfte stemmte, dribbelte er eher um eine Antwort herum, stellte aber zumindest fest: „Das war in den letzten ein, zwei Jahren deutlich anders. Da haben wir aus viel wenig gemacht.“ Jetzt, in der dritten Saison unter Klose, ist es zumindest zum Auftakt umgekehrt. Und das führte dann geradewegs zu dieser Frage, die nach den 90 Minuten von Fürth über dem Ronhof hing: Ist Nürnberg in dieser Saison möglicherweise bereit, nach dem Höchsten zu streben?

„Vielleicht kann man nach fünf oder sieben Spieltagen ein bisschen was sagen, aber jetzt ist es noch schwer“, meinte Klose nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel – und betonte, dass sein Team nichts mehr so leicht erschüttern könne wie noch in der vergangenen Saison. „Kompliment an meine Mannschaft“, sagte Klose, „hier zweimal zurückzukommen, das zeugt von Charakter und von Geschlossenheit.“ Hatte der Club beim 3:0 zum Saisonauftakt gegen Dynamo Dresden auch fußballerisch geglänzt, so bewies er nun zumindest, dass er auch die ersten Widerstände überwinden kann.

Zoma lässt das 2:5 liegen – für Nürnberg muss das keine schlechte Nachricht sein

„Diese Energie, die zurzeit in der Mannschaft ist, und die Qualität, die wir auf den Platz bringen – das ist enorm viel wert“, sagte Justvan nach dem Derby. Er selbst war es gewesen, der den FCN zu Beginn der zweiten Hälfte erstmals in Führung gebracht hatte (54.), bevor der Fürther Klaus per Elfmeter an Nürnbergs Torwart Jan Reichert scheiterte (63.) und Scobel das Spiel mit seinem zweiten Tor schließlich entschied (74.).

So brachte er den Fürther Stadionsprecher dazu, die Stimme schwer zu dimmen. Soll bloß keiner denken, die Nürnberger wären hier normale Gäste! Am Ende aber war es vor allem der eigene Auftritt in einer irritierenden zweiten Hälfte, der den Fürther Fans die Sprache verschlagen konnte. In der siebten Minute der Nachspielzeit hätte sogar noch das 2:5 fallen können: Mohamed Ali Zoma lief alleine auf das Fürther Tor zu, traf aber nicht.

Was sie beim FCN sonst geärgert hätte, formte in diesem Fall eine gute Nachricht: Zoma ist nicht erst seit seinem Dreierpack gegen Dresden der begehrteste Spieler im Nürnberger Kader. Ein weiteres Tor hätte vielleicht schon jetzt noch mehr Interessenten auf den Plan gerufen – und das Derby war ohnehin längst gewonnen.