Lungenpest in Russland: Wadephul schlägt Alarm – und schließt harte Konsequenzen nicht aus

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Lungenpest in Russland: Wadephul schlägt Alarm – und schließt harte Konsequenzen nicht aus

Zweiter Pest-Verdachtsfall alarmiert Wadephul: Sorgen vor neuer Epidemie – „kein Risiko eingehen“

Stand: 09.10.2026, 07:25 Uhr

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Nach einem mysteriösen Todesfall in Irkutsk wächst der Druck auf Russland. Außenminister Wadephul erwägt Reisebeschränkungen.

Irkutsk – In einem Forschungslabor für Pestkrankheiten in der sibirischen Stadt Irkutsk zerbrach laut russischen Medienberichten am 25. September ein Reagenzglas. Darin: der Erreger der Lungenpest. Wenige Tage später starb eine Labormitarbeiterin mutmaßlich an der Lungenpest. Die russischen Behörden bestätigen diese Todesursache allerdings nicht. 200 Kontaktpersonen hatte die verstorbene Mitarbeiterin laut der russischen Nachrichtenwebseite Menschen des Baikal. Sie befinden sich in Quarantäne. Nun gibt es einen möglichen zweiten Pest-Verdachtsfall.

Zweiter Pest-Verdachtsfall alarmiert Wadephul: Sorgen vor neuer Epidemie – „kein Risiko eingehen“

Zweiter Pest-Verdachtsfall alarmiert Wadephul: Sorgen vor neuer Epidemie – „kein Risiko eingehen“ © Collage Fabian Sommer, Britta Pedersen/dpa

Entsprechende Medienberichte wies der Kreml zurück. Es handle sich um „Falschinformationen“, hieß es. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), rief die Führung in Moskau am Mittwoch (7. Oktober) auf, „Licht in die Medienberichte“ zu bringen. Auch Außenminister Johann Wadephul fordert mehr Transparenz. „Die Welt hat Fragen, darauf schuldet Russland Antworten“, kommentierte der Minister gegenüber Bild. Zudem schloss er „konsequente Reisebeschränkungen“ nicht aus, um Europa zu schützen: „Wir können und werden kein Risiko eingehen“, zitiert ihn Bild weiter.

Russland weist Sorgen nach Tod einer Laborantin zurück: Das sagen Experten

Kremlangaben zufolge gibt es kein Epidemierisiko. Von der russischen Aufsichtsbehörde für öffentliche Gesundheit, Rospotrebnadsor, hieß es laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax, die verstorbene Mitarbeiterin sei „geimpft und immun gegen die gefährlichen Infektionen, mit denen sie arbeitete“. In 5.000 Labortests hätte der Lungenpest-Erreger nicht nachgewiesen werden können. Angaben russischer Behörden zufolge starb die Labormitarbeiterin an einer Lungenentzündung „unbekannter Ursache“. Die WHO teilte am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit: „Da wir noch kein vollständiges Bild von diesem Ereignis haben, können wir keine vollständige Risikobewertung durchführen.“

Die Lungenpest ist die gefährlichste Form der Pest. Ausgelöst wird die Erkrankung durch den ErregerYersinia pestis. Im Mittelalter starben rund 50 Millionen Menschen an der Krankheit, in etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung. Heute kann eine Erkrankung aber behandelt werden. Von der Weltgesundheitsorganisation heißt es dazu: „ Unbehandelt kann die Lungenpest tödlich verlaufen, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die Heilungschancen sind jedoch hoch, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird.“ Ohne Behandlung ist die Erkrankung demnach in 30 bis 100 Prozent der Fälle tödlich.

Experten halten Epidemie für unwahrscheinlich: Pest mit gängigen Antibiotika gut behandelbar

Noch liegen nicht alle Informationen aus Russland vor. Nach derzeitigem Stand halten Gesundheitsexperten das Risiko einer größeren Ausbreitung jedoch für gering. Piero Olliaro, Professor für armutsassoziierte Infektionskrankheiten und wissenschaftlicher Direktor von ISARIC am Pandemic Sciences Institute der Universität Oxford, betonte in einem Beitrag des Science Media Center (SMC): „Wichtig ist, dass die Pest mit gängigen Antibiotika behandelbar ist, insbesondere wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird.“

Da die Infektion im Labor stattfand und die Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt wurden, scheint es der Expertin Alice Hughes, Professorin für Naturschutzwissenschaften an der Universität Melbourne, „unwahrscheinlich, dass die Krankheit sich weiter ausbreiten kann.“ Brendan Wren, Professor für mikrobielle Pathogenese an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, betonte, die Pest sei in vielen Teilen der Welt, einschließlich der westlichen Teile der USA, immer noch endemisch. „Daher besteht kein Grund zur allzu großen Sorge, da die Übertragung von Yersinia pestis von Mensch zu Mensch im Allgemeinen gering ist.“ (Quellen: AFP, Reuters, WHO, Interfax, Bild, SMC) (bme)