Zwischen Buche und Douglasie: Neue Studie sucht den besten Waldmix
Wir müssen unseren Wald schützen – darin sind sich die Menschen in Mitteldeutschland einig. Zu 100 Prozent, wie das <a href="" externalId="f813337d-2210-4e17-a0d4-b2af2237e92a">Meinungsbarometer MDR fragt</a> in diesem Sommer herausgefunden hat. Dafür müssen wir ihn umbauen, weg von Monokulturen. Auch das unterstützt eine große Mehrheit. Aber wie bekommen wir dann Wirtschaft und Naturschutz unter einen Hut? Eine neue Studie aus Göttingen zeigt, wie ein Kompromiss aussehen könnte.
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Wie wir den Wald umbauen
Stand: 09.09.2026 13:36 Uhr
Wir müssen unseren Wald schützen – darin sind sich die Menschen in Mitteldeutschland einig. Zu 100 Prozent, wie das Meinungsbarometer MDR fragt in diesem Sommer herausgefunden hat. Dafür müssen wir ihn umbauen, weg von Monokulturen. Auch das unterstützt eine große Mehrheit. Aber wie bekommen wir dann Wirtschaft und Naturschutz unter einen Hut? Eine neue Studie aus Göttingen zeigt, wie ein Kompromiss aussehen könnte.
von MDR WISSEN
Für die Untersuchung haben Forschende Daten aus 40 Waldflächen in Niedersachsen ausgewertet. Verglichen wurden reine Buchen-, Fichten- und Douglasienbestände sowie Mischwälder aus Buche und Fichte beziehungsweise Buche und Douglasie. Untersucht wurden nicht nur die wirtschaftlichen Erträge der Wälder, sondern auch die Artenvielfalt verschiedener Organismengruppen, von Bodenpilzen über Milben bis hin zu Käfern in den Baumkronen.
Zielkonflikt entschärfen
Das zentrale Ergebnis: Es gibt einen Zielkonflikt zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung. Wälder mit besonders hoher Artenvielfalt bringen Waldbesitzern oft geringere Erträge. Rein wirtschaftlich betrachtet schneiden dagegen andere Bestände besser ab, bieten aber nicht zwangsläufig die höchste Biodiversität. Einen Ausweg sehen die Forschenden in einer vielfältigeren Waldstruktur. "Besonders Mischbestände mit heimischen Baumarten wie der Buche und kleinräumig beigemischter Douglasie erweisen sich als wirksamer Kompromiss zwischen ökonomischen Zielen und Naturschutz", heißt es in der Mitteilung der Universität Göttingen.
Auch in Mitteldeutschland stehen insbesondere seit den Dürrejahren ab 2018 viele Waldbesitzer vor der Herausforderung, abgestorbene oder geschädigte Fichtenbestände zu ersetzen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird deshalb intensiv darüber diskutiert, welche Baumarten die Wälder künftig widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Schädlinge machen können. Die neue Studie spricht dafür, auf eine Mischung verschiedener Baumarten und Waldtypen zu setzen, statt neue Monokulturen aufzubauen.
Video: Daten helfen beim Waldumbau (4 Min)
Wirtschaftliche und ökologische Risiken abwägen
Dabei empfehlen die Forschenden nicht, künftig nur noch Mischwälder anzulegen. Ihre Modellrechnungen zeigen vielmehr, dass auf Landschaftsebene unterschiedliche Waldtypen nebeneinander bestehen sollten. So können sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Risiken besser verteilt werden. Erstautorin Julia Klenke erklärt: "So lässt sich das Risiko reduzieren, verschiedene Ökosystemleistungen wie Holznutzung oder Artenvielfalt gleichzeitig zu verlieren, wenn sich die Umweltbedingungen ändern."
Unsere Modellergebnisse deuten darauf hin, dass es in einem Forstbetrieb sinnvoll ist, neben Mischbeständen weiterhin Anteile an Reinbeständen zu erhalten. Julia Klenke, Georg-August-Universität Göttingen
Eine besondere Rolle kommt dabei der Douglasie zu. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Baumart gilt als vergleichsweise trockenheitsresistent und wird deshalb immer wieder als Option für den Waldumbau genannt. Naturschutzfachlich wird ihr Einsatz jedoch kontrovers diskutiert. Die Göttinger Studie kommt zu dem Schluss, dass kleine Douglasienanteile in Mischbeständen die Artenvielfalt weniger beeinträchtigen als großflächige Reinbestände und zugleich wirtschaftliche Vorteile bieten können. Entscheidend sei jedoch, dass die Baumart nur beigemischt wird und die Wälder insgesamt vielfältig bleiben.
Naturschutz braucht öffentliche Förderung
Die Ergebnisse zeigen zugleich die Grenzen solcher Kompromisse. Je höher die Anforderungen an die Biodiversität sind, desto stärker sinken die wirtschaftlichen Erträge. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass öffentliche Unterstützung nötig sein wird, wenn Waldbesitzer verstärkt Leistungen für den Naturschutz erbringen sollen. "Hier könnten finanzielle Anreize oder Entschädigungen ansetzen, um diese Einbußen abzufedern", sagt Waldwirtschaftlerin Klenke, deren Forschungsschwerpunkt bei der bioökonomischen Analyse von Mischbeständen liegt.
Die Studie liefert damit eine Botschaft, die gut zur aktuellen Debatte in Mitteldeutschland passt: Der Wald der Zukunft braucht mehr Vielfalt. Nicht ein einziger Baumtyp und auch nicht ein einziges Bewirtschaftungskonzept werden die Lösung sein. Stattdessen könnte ein Nebeneinander verschiedener Waldtypen, ergänzt durch artenreiche Mischbestände, helfen, die Interessen von Naturschutz, Klimaanpassung und Holzwirtschaft besser miteinander zu verbinden.
gp/pm/mdr fragt
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