Zwischen Hoffnung und Frust: Dieses Wohnprojekt spaltet die Bewohnerschaft
Am Bühlweg in Ahnatal-Weimar warten Käufer Jahre nach Einzug auf fertige Wohnungen. Ein Bewohner hat für seinen Aufzug bereits 35.800 Euro vorgestreckt – doch der Lift ist bis heute außer Betrieb.
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Stand: 22.08.2026, 13:06 Uhr
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Am Bühlweg in Ahnatal-Weimar warten Käufer Jahre nach Einzug auf fertige Wohnungen. Ein Bewohner hat für seinen Aufzug bereits 35.800 Euro vorgestreckt – doch der Lift ist bis heute außer Betrieb.
Ahnatal – Es ist ein Projekt, das spaltet wie kaum ein anderes: Jahre nach ihrem Einzug warten einige Wohnungskäufer am Bühlweg in Ahnatal-Weimar noch immer auf ein vollständig fertiggestelltes Zuhause (HNA berichtete). Nun schildern sechs Käuferparteien gegenüber der HNA erhebliche Mängel – Aufzüge stehen teilweise still, Handwerkerarbeiten sind offen, Feuchtigkeit dringt in Wohnungen ein – und äußern zunehmend Zweifel an der Finanzierung des Projekts. Gleichzeitig gibt es auch positive Stimmen, die weiterhin überzeugt von den Häusern am Bühlweg sind. Wie kann das sein?
Das Projekt
Das Wohnprojekt der Heimdall Bühlweg GmbH umfasst fünf Gebäude mit 80 barrierefreien Wohnungen. Ursprünglich sollte es Ende 2024 fertig sein. Geschäftsführer Matthias Zimmermann hatte gegenüber der HNA zuletzt erklärt, die Gesellschaft sei nicht insolvent. Für die weitere Fertigstellung seien unter anderem Verkäufe der freien Wohnungen entscheidend. Sie kosten zwischen 150.000 und 900.000 Euro. Rund 26 Millionen Euro investiert die GmbH laut Zimmermann voraussichtlich in die Wohnanlage.
Die Kritiker
Bernhard Dockenfuß ist einer der Käufer, die die Mängel in den Wohnungen nicht mehr so hinnehmen wollen. Er berichtet von offenen Fliesenarbeiten, Problemen mit der Klingelanlage und fehlenden Anschlüssen in Kellerräumen. Sorgen bereiten ihm vor allem Fassaden und Dächer. In seine Wohnung sei bereits Wasser eingedrungen. „Ich kann meine Dokumente nicht in einem Raum aufbewahren, in dem die Wand durchfeuchtet ist“, sagt er.
Auch bei der Haustechnik sehen die Bewohner Probleme. Jörg Huwig berichtet von hohen Heizkosten. Die Wärmepumpe sei beispielsweise nicht korrekt angeschlossen worden. Ein Bewohner habe rund 1000 Euro nachzahlen müssen, andere hätten noch höhere Forderungen erhalten, berichtet Huwig. „Wir haben hier ein KfW-40+-Haus gekauft“, sagt er, „und dann müssen wir feststellen, dass wir einen erheblichen Teil der Energie für Warmwasser benötigen.“ Die Eigentümer kritisieren zudem, dass Arbeiten häufig provisorisch ausgeführt worden seien. Auch Übergaben hätten teilweise unter Zeitdruck stattgefunden.
Probleme bei Wohnprojekt im Kreis Kassel: „Für mich nicht nachvollziehbar“
Besonders kritisch ist die Situation bei den Aufzügen. Für mehrere Bewohner sind sie wegen eingeschränkter Mobilität unverzichtbar. Dockenfuß erzählt, er habe rund 35.800 Euro für die Fertigstellung seines Aufzugs vorgestreckt, weil ihn die Bauherren darum gebeten hätten. Später habe sich herausgestellt, dass beim Aufzugsunternehmen noch deutlich mehr Geld gefehlt habe – der Lift ist bis heute nicht in Betrieb. „35.800 Euro zu überweisen und anschließend passiert nichts – das ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Neben den Mängeln treibt die Eigentümer die Finanzierung um. Käufer Christian Becker erinnert sich an eine Eigentümerversammlung, bei der eine „klar erkennbare Finanzierungslücke in Millionenhöhe“ sichtbar geworden sei. Er befürchtet, dass Einnahmen aus neuen Verkäufen zunächst für laufende Kosten und alte Verbindlichkeiten benötigt werden.
Einige Eigentümer haben deshalb Zahlungen zurückgehalten. Jörg Huwig hat nach eigenen Angaben den Kaufpreis bereits vollständig bezahlt. „Ich habe es bitter bereut, das Geld gezahlt zu haben“, sagt er heute.
Mathias von Bescherer, ein weiterer Käufer, der in München lebt, hat seine Wohnung nach eigenen Angaben ebenfalls vollständig bezahlt. Er glaubt nicht mehr an eine Fertigstellung aus eigener Kraft. Wegen der Verzögerungen sei unter anderem seine KfW-Finanzierung ausgelaufen. Er habe selbst Arbeiten in der Wohnung übernommen und vermiete sie inzwischen für rund 300 Euro monatlich – „mehr kann ich dafür nicht verlangen“, sagt er.
Wie stark die Situation einzelne Bewohner belastet, zeigt das Ehepaar Michael und Christiane Mertens. Sie verkauften ihr Haus in Fürstenwald und investierten einen großen Teil ihrer Altersvorsorge in eine rund 60 Quadratmeter große Wohnung. Heute leben sie nach eigenen Angaben weiterhin zwischen Baulärm und Baustellenverkehr. Der Zugang erfolgt über eine Holzbohlenterrasse, auf der sich Christiane Mertens bereits verletzt habe. „Wir erwarten mehr als einen Rohbau“, sagt ihr Mann.

Ebenfalls besonders betroffen ist eine Käuferin, die anonym bleiben möchte. Sie hat wegen ihrer Gehbehinderung gezielt eine barrierefreie Wohnung gekauft. Doch eingezogen ist sie bis heute nicht. In der Wohnung gibt es nach ihren Angaben Probleme mit Heizung, Türen und Leitungen – die Terrasse sei nicht nutzbar. Rund 40.000 Euro Schaden seien ihr inzwischen entstanden. „Eigentlich ist das Ganze ein Albtraum“, sagt sie.
Einige der unzufriedenen Bewohner und Käufer erwägen nun auch, anwaltliche Schritte einzuleiten. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob Kaufpreiszahlungen für Bauabschnitte verlangt wurden, obwohl diese möglicherweise noch nicht vollständig fertiggestellt waren.
Die Befürworter
Dass die Situation inzwischen die Eigentümergemeinschaft spaltet, bestätigen alle Käufer sofort. Während einige einen neuen Investor – oder gar eine Insolvenz – für die bessere Lösung halten, hoffen andere weiterhin auf eine Fertigstellung durch die Heimdall.
Einer von denen, die weiterhin an das Projekt glauben, ist der Kasseler Peter Henniges. Seine Frau und er kauften 2021 eine Wohnung am Bühlweg. Überzeugt hat ihn das Projekt vor allem, weil es „bautechnisch zukunftsweisend“ sei. Kritisch sieht Henniges die Eigentümer, die fällige Zahlungen zurückhielten, solange Arbeiten nicht erledigt seien. „Ich benutze gern das Bild eines Menschen, der den Ast, auf dem er sitzt, selbst absägt“, sagt er. Henniges plädiert deshalb dafür, „bei aller berechtigten Kritik“ auch die Folgen des eigenen Handelns für das Gesamtprojekt im Blick zu behalten.
Baustelle in Ahnatal-Weimar soll endlich fertig werden
Eine anonyme Käuferin einer Wohnung am Bühlweg 15 meldet sich ebenfalls zu Wort: Sie und ihr Mann seien seit rund eineinhalb Jahren eingetragene Eigentümer und lebten trotz bestehender Mängel gerne in der Wohnung. Nach ihren Angaben würden sich die Verantwortlichen intensiv darum bemühen, das Bauvorhaben fortzuführen und eine Bauruine zu verhindern.
Maika Armann vermietet mehrere Wohnungen in der umstrittenen Anlage und berichtete von großer Nachfrage. Wie groß der Bedarf an modernem Wohnraum am Stadtrand von Kassel tatsächlich sei, habe sie selbst überrascht: „Bei der Vermietung einer fertiggestellten Wohnung erhielt ich innerhalb eines Wochenendes über 50 Anfragen.“ Auch wenn Häuser und Außenanlagen noch nicht überall fertiggestellt seien, brächten ihre Mieter dafür viel Verständnis auf, so Armann.
Eine der ersten Käuferinnen, Ellen Dünniger, lebe auch gern am Bühlweg. „Die Insolvenz wäre der Ruin“, sagt sie. Auch in ihrer Wohnung gebe es offene Restarbeiten und nicht alles sei perfekt. Trotzdem ist sie der Meinung, die Eigentümerschaft müsse jetzt an einem Strang ziehen. „Es bringt niemandem etwas, wenn die Menschen Geld zurückhalten und nur an sich denken“, sagt sie.
Trotz aller Konflikte bleibt der Wunsch der Bewohner schlicht: Die Baustelle soll endlich fertig werden.
Der Geschäftsführer
Auch Matthias Zimmermann, Geschäftsführer der Heimdall Bühlweg GmbH, nimmt auf HNA-Anfrage Stellung zur Kritik der Bewohner des Wohnprojekts am Bühlweg. „Wir nehmen die Kritik der Bewohner ernst und möchten bestehende Probleme keineswegs kleinreden“, sagt Zimmermann. Zugleich verweist er auf die Entwicklung des Projekts seit dem Start im Jahr 2018. Corona, gestiegene Bau- und Materialkosten, der Wegfall der KfW-Förderung, die Zinswende und Veränderungen bei der finanzierenden Bank hätten das Vorhaben erheblich belastet.
Insbesondere die Finanzierung sei angespannt. Das habe man den Käufern bereits bei Treffen im Dezember 2025 und Mai 2026 offen mitgeteilt. Es bestünden offene Handwerkerrechnungen, gleichzeitig seien aber auch Kaufpreiszahlungen sowie Einnahmen aus noch nicht verkauften Wohnungen für die weitere Finanzierung von Bedeutung. Den Vorwurf, das Projekt sei zum Stillstand gekommen, weist Zimmermann zurück. „Trotz der schwierigen Situation wurde weitergebaut“, erklärt er und verweist unter anderem auf inzwischen fertiggestellte Arbeiten und die Inbetriebnahme der Aufzüge.
Auch bei den Fertigstellungsterminen räumt Zimmermann Verzögerungen ein. Frühere Zusagen hätten sich mehrfach nicht halten lassen. Einen neuen verbindlichen Gesamttermin für die Fertigstellung nennt Zimmermann deswegen bewusst nicht: Man wolle „heute keinen Termin nennen, dessen Einhaltung wir nicht mit hinreichender Sicherheit gewährleisten können“.
„Wir haben das Projekt in all diesen Jahren nicht aufgegeben“
Die geschilderten Baumängel bestreitet er nicht. Feuchtigkeit, Probleme an Dächern und Fassaden, der Tiefgarage sowie bei Haustechnik und Außenanlagen müssten erfasst und abgearbeitet werden. Eine pauschale Stellungnahme sei allerdings nicht möglich. Bei konkreten Fällen sei man bereit, diese einzeln zu prüfen.
Zimmermann betont außerdem, dass die Schwierigkeiten seiner Ansicht nach nicht mit einem Scheitern des Wohnkonzepts gleichzusetzen seien. Das als Mehrgenerationenprojekt geplante Wohnquartier entwickle sich positiv. Mehr als ein Drittel der Bewohner sei jünger. Fertiggestellte Wohnungen ließen sich zudem schnell vermieten.
„Wir haben das Projekt in all diesen Jahren nicht aufgegeben“, sagt Zimmermann. Ziel sei weiterhin, das Wohnprojekt ordnungsgemäß fertigzustellen. Trotz der Kritik ist er überzeugt, dass die Grundidee funktioniert: „Junge und ältere Menschen leben gemeinsam am Bühlweg“ und aus dem Bauprojekt entstehe zunehmend die generationenübergreifende Hausgemeinschaft, die man ursprünglich geplant habe. (Clara Pinto)