Hendrix und Co. machen es vor: So geht musizieren mit links

Ob mit links oder rechts - für die Musikhochschulen ist die Frage nach der Händigkeit von Musikern nicht so wichtig. Die Studierenden werden in aller Regel auf rechtshändigen Instrumenten ausgebildet werden. Ein Nachteil für Linkshänder? Musikinstrumente gibt's, bis auf wenige Ausnahmen, allein für Rechtshänder. Auch im Orchester streichen zum Beispiel die Geiger alle in dieselbe Richtung. Für Linkshänder ist das aber kein Nachteil. So lautet das Urteil einer Studie von deutschen Musikwissens

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Hendrix und Co. machen es vor: So geht musizieren mit links

Zwischen Norm und Freiheit Hendrix und Co. machen es vor: So geht Musizieren mit links

Was haben die Musikstars Jimi Hendrix, Kurt Cobain und Paul McCartney gemeinsam? Sie waren und sind weltberühmt, linkshändig und spielten und spielen ihre Instrumente linksherum – aus Sicht der musikalischen Konvention also auf der «falschen» Seite. Doch wer legt eigentlich fest, welche Hand führt?

07.08.2026, 18:59

Rund jede zehnte Person weltweit ist linkshändig. Beim Zähneputzen, Ballwerfen oder Brotschneiden scheint es heute selbstverständlich, dass nicht alle dieselbe Hand bevorzugen. Linkshändige Kinder zum Schreiben mit rechts zu zwingen, gilt heute als problematisch.

Wer zum ersten Mal ein Instrument spielt, bekommt die Aufgabenverteilung der Hände dagegen meist vorgegeben. Bei Streichinstrumenten etwa: Bogen rechts, Instrument links.

Hand spielt Gitarre vor Mikrofon.
Legende:

Linkshändiges Instrumentalspiel ist präzise möglich – widerspricht aber der Konvention.

IMAGO / Design Pics

Diese Spielrichtung hat sich durch Instrumentenbau, Unterricht und Orchesterpraxis etabliert. Wer entgegen der Konvention linksherum spielen möchte, muss sich aktiv um ein geeignetes Instrument und eine offene Lehrperson bemühen.

Individualität im Orchester?

Besonders in der Klassik begegnet linksseitiges Spiel noch immer Vorurteilen: Links spielende Streicherinnen und Streicher benötigten angeblich mehr Platz im Orchester, kämen mit benachbarten Bögen ins Gehege oder störten das einheitliche Bühnenbild. Hinter solchen Einwänden steht also auch die Frage, wie einheitlich das klassische Orchester aussehen soll.

Dass die Fragen lösbar sind und eine professionelle Orchesterlaufbahn möglich ist, zeigen klassische Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker weltweit, die sich für das Links­spielen entschieden haben.

Es gibt in der Schweiz allerdings keine einheitlichen Richtlinien dafür, wie Musikschulen, Musikhochschulen und Orchester mit linksseitigem Spiel umgehen sollen. Ob diese Spielweise unterstützt wird, hängt deshalb oft von einzelnen Lehrpersonen und Institutionen ab.

Zwei Hände, unterschiedliche Aufgaben

Beim Musizieren kommen meist beide Hände gleichzeitig zum Einsatz, allerdings mit unterschiedlichen Aufgaben. Auf der Geige formt die Bogenhand Klang, Artikulation und Dynamik, die Greifhand auf den Saiten ist unter anderem für Intonation und Vibrato zuständig.

Wie deutlich eine Hand für eine bestimmte Tätigkeit bevorzugt wird, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Händigkeit ist ein Spektrum. Beim Geigenspiel den Bogen mit der dominanten Hand zu führen, wird auch deshalb nicht von allen als gleich wichtig oder gleich natürlich empfunden.

Beide Hände können ihre jeweiligen Bewegungsabläufe durch Übung sehr präzise erlernen. Die Händigkeit selbst ist jedoch keine frei wählbare Gewohnheit, sondern eng mit der Organisation des Gehirns verbunden, betont die Psychologin und Linkshänder-Beraterin Barbara Sattler. Aus der Linkshändigkeit allein lässt sich aber keine bestimmte Spielrichtung ableiten.

Linkshändigkeit ist kein Nachteil

Dass linkshändige Menschen auch rechtsherum hervorragend spielen können, zeigt eine Studie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover um den Musikpsychologen Reinhard Kopiez.

Bei 47 linkshändigen Musikstudierenden fanden sich weder bei der Spieltechnik noch beim Wohlbefinden messbare Nachteile durch das Spiel auf der konventionellen rechten Seite.

Untersucht wurden allerdings Menschen, die es bereits bis ins Musikstudium geschafft hatten. Die Studie sagt damit wenig über jene aus, die schon früher aufgehört haben oder nie so weit gekommen sind.

Musizieren ist eine körperliche und sinnliche Tätigkeit. Auch das individuelle Bewegungsgefühl kann bei der Wahl der Spielrichtung eine Rolle spielen. Wie vielfältig die Gründe für linksseitiges Spiel ausfallen, zeigt der Verein Links gespielt. Dort lassen sich Berichte von Menschen nachlesen, die linksherum musizieren, gerade die Seite wechseln oder beide Richtungen beherrschen.

Viele von ihnen beschreiben, dass sie das linksseitige Spiel als natürlicher, freier oder körperlich stimmiger empfinden – und dass Händigkeit im Unterricht oft erst dann zum Thema wird, wenn Lernende selbst eine andere Spielrichtung wünschen. Auch die Reaktionen auf diesen Wunsch fallen sehr unterschiedlich aus und reichen von offener Unterstützung bis zu deutlicher Ablehnung.

Andere Musiktraditionen, andere Massstäbe

Nicht in allen musikalischen Traditionen wird eine ungewöhnliche Spielweise gleich bewertet. Jimi Hendrix spielte als Linkshänder auf umgedrehten rechtshändigen Gitarren, die er für das linksseitige Spiel gespiegelt bespannte.

Er war damit nicht der erste links spielende Gitarrist. Aber wer nach ihm linksherum Gitarre spielen wollte, hatte ein berühmtes Vorbild, an dem sich zeigen liess: Auch so ist eine Karriere möglich. Solche Vorbilder sind in der Klassik rar.

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  • Bild 1 von 3. Jimi Hendrix: In Pop und Rock wird die umgedrehte Haltung als Regelbruch gefeiert.

    Bildquelle: IMAGO / STAR-MEDIA.

    Person mit buntem Hemd spielt E-Gitarre auf der Bühne.
  • Bild 2 von 3. Auch Nirvana-Frontmann Kurt Cobain spielt die Gitarre mit links.

    Bildquelle: IMAGO / Joe Giron.

    Person mit langer blonder Frisur spielt Gitarre und singt in ein Mikrofon auf einer Bühne.
  • Bild 3 von 3. Ebenso: Paul McCartney (links) mit seinem Beatles-Bandkollegen (dem Rechtshänder) John Lennon.

    Bildquelle: Keystone / AP Photo / Christie’s, Mike Mitchell.

    Zwei Personen in Anzügen spielen Gitarren auf einer Bühne.

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Eine links gebaute Stradivari?

Wie leicht sich linksseitiges Spiel durchsetzen kann, hängt auch vom Instrumentenangebot ab: Linkshänder-Gitarren sind heute problemlos erhältlich. Ein Klavier für linksseitiges Spiel zu bauen, bedeutet einen enormen Aufwand. Und eine links gebaute Stradivari-Geige sucht man ziemlich sicher vergeblich.

Nahaufnahme einer klassischen E-Gitarre mit Holzoberfläche.
Legende:

Wer sich auskennt, erkennt’s: Eine Les Paul Standard von 1960 als Linkshänder-Modell – diese hier spielte Paul McCartney.

Getty Images / Nigel Osbourne

Unter dem Strich zeigt sich also: Je nach Genre und Instrument stösst linksseitiges Spiel auf ganz unterschiedliche Hürden. Eine allgemeingültige Spielrichtung für linkshändige Menschen gibt es weder in der Klassik noch im Pop.

Wer bestimmt also, welche Hand führt? Am besten die spielende Person selbst. Tradition, Unterricht und Instrumentenbau setzen zwar die Rahmenbedingungen – doch auch sie sind Teil einer musikalischen Kultur, die sich immer wieder neu gestalten lässt.