Wie erleben Menschen in NRW die Flut in Nepal? "Schockstarre, Fassungslosigkeit und Angst"

Jordan Schönfelder ist gerade in Nepal, als die riesige Sturzwelle mehrere Täler verwüstet. Sofort reist er in das betroffene Gebiet und unterstützt die Hilfsmaßnahmen vor Ort. Aktuell sind er und seine Freunde...

  • 3 min read
Wie erleben Menschen in NRW die Flut in Nepal? "Schockstarre, Fassungslosigkeit und Angst"

Jordan Schönfelder ist gerade in Nepal, als die riesige Sturzwelle mehrere Täler verwüstet. Sofort reist er in das betroffene Gebiet und unterstützt die Hilfsmaßnahmen vor Ort. Aktuell sind er und seine Freunde mit Solarlampen, Schlafsäcken und weiteren Hilfsgütern in einem Jeep unterwegs zu den vielen Evakuierten und Geflüchteten. 

"Es ist alles grau. Bäume, Häuser, ganze Landschaften wurden mitgerissen", erzählt der Journalist, der den Großteil des Jahres im kleinen Himalaya-Staat verbringt. Dort ist er unter anderem als lokaler Partner für den Kölner Expeditionsveranstalter "Wandermut" unterwegs. Er ist so etwas wie die Schnittstelle für "Wandermut" vor Ort in Nepal.

"Man sieht überall Leichen. Die Krankenhäuser sind nicht überlastet, aber die Leichenhallen sind randvoll." Jordan Schönfelder, Nepal-Experte

Schönfelder hält offizielle Opferzahlen für zu niedrig

An den Talwänden könne man erkennen, dass die Flutwelle etwa 30 Meter hoch gewesen sein musste, berichtet Schönfelder. Die offiziellen Opferzahlen hält er für deutlich zu niedrig. Er schätzt sie auf "mehrere Zehntausend", da es sich gerade um die Trekking-Saison handelt. Außerdem sei gerade Vollmond gewesen und viele Touristen gingen gerne bei Vollmond pilgern.

Jetzt steht er im engen Kontakt mit seinen Geschäftspartnern der Kölner Firma "Wandermut". Mit deren Gründer Martin Druschel bespricht er sich regelmäßig.

Der Kölner Expeditionsveranstalter "Wandermut" sammelt gerade auf seinen Social-Media-Kanälen für die Aktion "Ärzte ohne Grenzen" Spenden.

Dortmunderin engagiert sich in Verein für Nepalhilfe

Auch Dori Rindle aus Dortmund hat eine besondere Beziehung zu Nepal. "Ich bin durch's Leben nach Nepal gekommen", erzählt sie. Sie hat einen nepalesischen Adoptivbruder, durch den sie von klein an eine Faszination für das Land und die Menschen hat. Von der Flutwelle und der Zerstörung hörte sie am Telefon. Eine gute Freundin aus Kathmandu hatte sie angerufen, noch bevor sie über die Medien davon mitbekommen hat.

Profilbild Dori Rindle aus Dortmund
"Ich bin total erschüttert. Es kommen so viele Bilder vom Erdbeben 2015 hoch. Das kann man ja gar nicht so schnell verarbeiten. Die Bilder lassen einen nicht mehr los." Dori Rindle aus Dortmund

Dori engagiert sich seit Jahren in Nepal. 2013 gründet sie den Verein "Ganesh Nepalhilfe e.V." Sie organisiert Reisen nach Nepal, klärt Mädchen und Frauen über Menstruation auf und eröffnet vor Ort in Kathmandu ein Kinderheim. Das Ziel: Denjenigen helfen, die gar nichts haben.

Bangen um Angehörige

"Wir hoffen einfach, dass wir noch gute Nachrichten bekommen." Dori Rindle aus Dortmund

Vor der Flut eine wunderschöne Gegend

Auch Marion Siewert-Ley aus Bergisch Gladbach haben die Nachrichten der letzten Tage tief getroffen. Sie ist Reiseleiterin für Nepal und war im Frühjahr noch auf einer Trekkingtour durch die betroffenen Gebiete.

Profilbild Marion Siewert-Ley
"Vor der Flut war das eine wunderschöne Gegend. Viele Trekkingtouren gehen von Syabrubesi ins Langtang-Tal. Der Ort ist gar nicht mehr da." Marion Siewert-Ley aus Bergisch Gladbach

Spontane Spendenaktion ins Leben gerufen

Als 1. Vorsitzende des Vereins "Cologne Friends e.V. - Gemeinsam für Nepal" setzt sich Marion Siewert-Ley auch von Deutschland aus für die Situation vor Ort ein. Normalerweise unterstützt der Verein zwei Schulen. In der Satzung steht aber ausdrücklich, dass der Verein auch bei Naturkatastrophen helfen soll.