Zwölf Generationen und 400 Jahre prägen eine Spezialität aus Treysa
StartseiteLokalesSchwalmstadtSchwalmstadtStand: 20.09.2026, 08:03 UhrKommentareUns auf Google folgenKarl Bornmann (rechts) mit seinem Onkel Lude (links) und einer Mitarbeiterin. © Repro: Christian BrückDie Flei...
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Stand: 20.09.2026, 08:03 Uhr
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Die Fleischerei Bornmann in Treysa wird für 400 Jahre Familientradition ausgezeichnet. Für ihre „Stracke" fahren Kunden sogar aus Gießen oder Bad Wildungen an.
Treysa – Vier Jahrhunderte Fleischerhandwerk in einer Familie: Für diese außergewöhnliche Tradition wurde die Fleischerei Bornmann in Treysa jetzt für ihr 400-jähriges Bestehen ausgezeichnet.
Hinter dem Jubiläum stehen zwölf Generationen, eine wechselvolle Familiengeschichte und ein Betrieb, der sich immer wieder verändern musste, ohne seine Wurzeln aufzugeben.
Ihr Anspruch hält die Brüder auf Trab
Heute führen die Brüder Bernd und Peter Bornmann das Familienunternehmen. Ihr Anspruch klingt dabei erstaunlich schlicht: „Immer noch ein bisschen besser werden.“ Denn auf einer langen Geschichte allein, darin sind sich die Brüder einig, könne man sich nicht ausruhen.
Die Wurzeln der Familie liegen in Gemünden an der Wohra und reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Treysaer Fleischereigeschichte begann 1626, mitten im Dreißigjährigen Krieg.
Damian, auch Adam Bornmann genannt, heiratete Catharina Schweiß, Tochter des Fleischermeisters Matthes Schweiß. Damit wurde der Grundstein für eine Handwerkstradition gelegt, die bis heute fortbesteht.
Familie stand Schicksalsschläge und Krisen durch
Schon die ersten Generationen erlebten schwere Zeiten. Die Familie überstand 1640 die Einnahme und Zerstörung Treysas durch kaiserliche Truppen.
Später folgten persönliche Schicksalsschläge, wirtschaftliche Krisen und zwei Weltkriege. Doch das Fleischerhandwerk wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Dass diese außergewöhnliche Familiengeschichte heute so detailliert nachvollzogen werden kann, ist auch Bernd Raubert vom Stadtgeschichtlichen Arbeitskreis zu verdanken.
Ruf reichte bald weit über Treysa hinaus
Bereits vor Jahren beschäftigte er sich intensiv mit der Familien- und Handwerksgeschichte der Bornmanns, recherchierte historische Quellen und hielt die Entwicklung über die verschiedenen Generationen schriftlich fest.
Bernd und Peter Bornmann und ihre Familie sind ihm für diese umfangreiche Arbeit und die Bewahrung ihrer Familiengeschichte bis heute sehr dankbar.
Im 19. Jahrhundert stellte Carl Bornmann gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Ludwig Wurst- und Fleischwaren her, deren Ruf bald weit über Treysa hinausreichte. Produkte aus dem Schwälmer Land wurden bis ins Saarland und ins Ruhrgebiet verschickt. Damals gehörte auch die eigene Landwirtschaft selbstverständlich zum Betrieb.
Produkte wurden sogar verschickt
Ein Ort zieht sich seit mehr als einem Jahrhundert durch die Firmengeschichte: die Klostergasse in Treysa. Dort befindet sich seit über 100 Jahren die Produktion der Fleischerei. Moderne Maschinen haben längst Einzug gehalten, doch viele Rezepturen stammen noch aus dem über Generationen weitergegebenen Familienschatz.
Auch im Verkauf ist Bornmann seit Jahrzehnten fest in der Region verwurzelt. Die Filiale in der Stephanstraße besteht seit den 1970er-Jahren, vor 15 Jahren kam die Filiale in Frielendorf hinzu.
Aus dem klassischen Metzgereibetrieb ist damit über die Jahrzehnte ein modernes Unternehmen mit Produktion, Verkauf, Partyservice und Mittagstisch geworden.

Verantwortung liegt in zwölfter Generation
Mit den 1965 geborenen Zwillingen Peter und Bernd Bornmann liegt die Verantwortung heute bei der zwölften Generation. Peter kümmert sich vor allem um die Produktion, Bernd um Verkauf und Kundenservice.
Unterstützt werden sie von ihren Familien und Mitarbeitern. Besonders dankbar sind die Brüder auch ihrer Mutter, die sich über viele Jahre tatkräftig im Partyservice engagierte. Bekannt ist die Fleischerei vor allem für ihre „Stracke“.
Für die Schwälmer Spezialität nehmen Kunden nach Angaben der Familie sogar Wege aus Gießen oder Bad Wildungen auf sich. Die traditionellen Rezepturen werden behutsam an moderne Produktionsverfahren und heutige Verbraucherwünsche angepasst. Der charakteristische Geschmack soll dabei erhalten bleiben.
Saisonale Spezialitäten ergänzen Schwälmer Klassiker
Besonders stolz ist Peter Bornmann auch auf die Fleischwurst, die mehrmals pro Woche frisch hergestellt wird. Daneben gehören klassische Schwälmer Wurstwaren ebenso zum Sortiment wie saisonale Spezialitäten.
„Wir haben stets ein Ohr am Kunden“, sagt Bernd Bornmann. Gemeinsam mit Carmen Schwalm-Bornmann werden Kunden beraten und individuelle Wünsche für Feiern umgesetzt.
Der Partyservice ist zu einem wichtigen Standbein geworden. Hinzu kommt der tägliche Mittagstisch mit Lieferservice, der unter anderem Firmen, Alleinstehende und Familien erreichen soll.

Viele junge Menschen haben in dem Betrieb gelernt
Auch die Ausbildung gehört seit Generationen zum Selbstverständnis des Unternehmens. Zahlreiche junge Menschen haben bei Bornmann das Fleischerhandwerk erlernt. Angehörige der Familie engagierten sich darüber hinaus in der Innung, in der Kommunalpolitik und in Treysaer Vereinen.
400 Jahre nach den Anfängen hat sich vieles verändert. Aus dem „Fleischhauer“ vergangener Zeiten ist ein moderner Handwerks- und Servicebetrieb geworden.
Der Anspruch der Familie ist dagegen geblieben: Tradition soll nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt werden. Und wenn es nach Bernd und Peter Bornmann geht, soll der Name Bornmann auch in Zukunft für das stehen, was ihn durch vier Jahrhunderte getragen hat – Qualität, Geschmack und Verbundenheit mit der Region. (Christian Brück)