21-jähriger Schlossbesitzer verrät in ARD-Adels-Doku: „Ich verdiene 600 Euro im Monat“
Der Adel wurde in Deutschland vor über 100 Jahren abgeschafft. Trotzdem gibt es noch heute Nachfahren, die in beinahe adligen Verhältnissen leben. Welche Bedeutung hat ein früherer Titel heute noch? Die „Y-History“-Reportage „Lang lebe der Adel“ ist dieser Frage auf den Grund gegangen.
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Stand: 30.07.2026, 14:00 Uhr
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Der Adel wurde in Deutschland vor über 100 Jahren abgeschafft. Trotzdem gibt es noch heute Nachfahren, die in beinahe adligen Verhältnissen leben. Welche Bedeutung hat ein früherer Titel heute noch? Die „Y-History“-Reportage „Lang lebe der Adel“ ist dieser Frage auf den Grund gegangen.
Einen deutschen Adel gibt es offiziell nicht mehr. Mit Inkrafttreten der Weimarer Verfassung 1919 wurden alle Titel und Privilegien der vormals „blaublütigen“ Familien abgeschafft. Trotzdem gibt es noch heute Menschen mit historischen Familiennamen und prunkvollen Wohnsitzen. Doch welche Rolle spielt der Adel hierzulande noch?

Mit dieser Frage hat sich „Y-History“-Reporterin Carolin von der Groeben beschäftigt. Als „Carolin Gräfin von der Groeben“ trägt sie selbst einen adeligen Nachnamen - außer einem eindrucksvollen Stammbuch bringt ihr dieser jedoch keine Vorteile mehr.
Im Gegensatz zu Caspar Freiherr von Gumppenberg. Er wohnt in Schloss Peuerbach in Bayerbach und dürfte mit 21 Jahren der wohl jüngste Schlossbesitzer Deutschlands sein. Sein Vater, Dietrich Freiherr von Gumppenberg, verstarb, als Caspar 15 Jahre alt war. Nun lebt der Halbwaise gemeinsam mit seiner Mutter Susanne Auernhammer in dem Schloss, das über mehr als 400 Quadratmeter Wohnfläche verfügt.
„Bist du Multimillionär?“ - „Das sind Fragen!“
Wie Carolin auf Nachfrage erfährt, lautet Caspars kompletter Name Johannes Caspar Nepomuk, Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg. Viele der Vornamen tauchen seit Generationen im Stammbaum der Familie auf. „Ein Name, der sich komplett durchzieht, ist Marquard. Mein Vater hieß auch Marquard“, erzählt der 21-Jährige. Er könne sich durchaus vorstellen, diese Tradition bei seinen Kindern weiterzuführen.
Caspar, der nebenbei Medienkommunikationsmanagement studiert, übernahm das Schloss offiziell im Juli 2025. Neben den privaten Wohnräumen wird das Anwesen auch für Hochzeiten und Veranstaltungen genutzt. Ein Förderverein organisiert zudem jährlich einen Tag der offenen Tür. Für Caspar und seine Mutter wäre das Schloss wohl ohnehin zu groß. Beim Gang durch eines der vielen Zimmer will von der Groeben wissen, wann Caspar das letzte Mal in diesem Raum gewesen ist. Der gesteht schmunzelnd: „Aktiv hier drin vor drei Wochen. Das hört sich schlimm an, aber da habe ich den Schrank hier aufgebaut.“
Um die monatlichen Kosten für das Schloss zu decken, sei ein vierstelliger mittlerer Betrag nötig. Carolin von der Groeben hakt bei dem Schlossherren nach: „Bist du Multimillionär?“ Der antwortet zunächst ausweichend: „Das sind Fragen!“, verrät jedoch anschließend: „Eigentlich nicht. Je nachdem, in welchem Winkel man das betrachtet. Ich selber verdiene im Monat 600 Euro.“
Caspar übernahm 2025 Jahren das Familienanwesen
Die Summe zahle sich Caspar monatlich aus seiner eigenen Firma aus, die sich um den Erhalt des Schlosses kümmert. Doch alleine der Grundbesitz dürfte den 21-Jährigen schon deutlich wohlhabender machen.
Um Reichtum oder Geld gehe es dem jungen Freiherren jedoch nicht. Statt eines Porsche fahre er einen kleinen Fiat 500, den er liebe, verrät Caspar. Und auch beim Dating prahle er nicht mit seiner adeligen Abstammung. „Da vermeide ich das Thema eigentlich. Da sage ich immer nur: Wir haben ein kleines Familienunternehmen und ein Einfamilienhaus.“
Mit der Übernahme des Schlosses wolle er versuchen, „der Familie treu bleiben“ - und hofft, dass das Schloss auch über weitere Generationen im Familienbesitz bleibt: „Man wünscht sich das schon, dass das immer weitergeht.“
Prinz Michael von Anhalt spricht über Adoptivbruder Marcus
Einen komplett anderen Blick auf den Adel erhält Carolin während ihres Besuchs bei Maximilian Michael Prinz von Anhalt. Vor rund 20 Jahren ließ dieser sich von Frédéric Prinz von Anhalt adoptieren. Genauso wie sein Adoptivbruder Prinz Markus von Anhalt.
Einen finanziellen Vorteil habe ihm der adelige Nachname nicht gebracht. So sei rechtlich geregelt worden, dass Michael weder von Frédéric Prinz von Anhalt noch von dessen 2016 verstorbener Ehefrau Zsa Zsa Gabor etwas erben werde. Dennoch habe die Adoption ihm Vorteile gebracht: „Das Leben ist vielleicht ein bisschen spannender geworden“, erklärt der 59-Jährige. „Das war bestimmt für manche Dinge ein Türöffner.“ Zumindest für prominente Kreise. Mit anderen Adeligen habe er eigener Aussage nach nichts zu tun. „Das interessiert mich überhaupt gar nicht“, betont er.
Laut dem 59-Jährigen mache einen Prinzen vor allem ein „gutes Benehmen“ aus. Von der Groeben will daraufhin wissen, was Michael von seinem ebenfalls adoptierten Bruder Markus Prinz von Anhalt hält. Dieser ist aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils vor allem als „Protz-Prinz“ bekannt. Dennoch findet Michael nur lobende Worte. „Ich finde, der Markus hat seinen eigenen Stil. Und ich finde, er passt gut rein“, meint er. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)