Ukraine- und Iran-Krieg plötzlich dicht beinander: Schlag schien möglich – was dahintersteckt
wa.dePolitikKrieg neben den Kriegen: Iran erwog angeblich Schlag gegen Ukraine – Was dahinterstecktStand: 30.07.2026, 14:08 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Ukraine hat ein iranisches Schiff attackiert. Ta...
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Krieg neben den Kriegen: Iran erwog angeblich Schlag gegen Ukraine – Was dahintersteckt
Stand: 30.07.2026, 14:08 Uhr
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Die Ukraine hat ein iranisches Schiff attackiert. Tage später ist klar: Der große Knall blieb aus. Aber Bewegung ist durchaus möglich. Eine Analyse.
Die Ukraine und der Iran – beide Länder sind Kriegsschauplätze, wenn auch in sehr verschiedenen Kontexten. Aber in der Weltpolitik zeigt sich immer wieder: (Fast) alles hängt mit (fast) allem zusammen. Mehreren Presseberichten zufolge war zuletzt sogar ein direkter militärischer Konflikt zwischen Iran und Ukraine denkbar. Vorerst scheint diese Gefahr gebannt. Dennoch ist das ein oder andere in Bewegung.

Das klarste Symptom der Spannungen machte am Samstagabend der SBU publik: Man habe mit Schlägen Frachtschiffe getroffen, die im Kaspischen Meer „zum Transport von Militärgütern zwischen Iran und Russland eingesetzt wurden“, schrieb der ukrainische Inlandsgeheimdienst auf Telegram. Stunden später berichtete Kyiv Independent, es habe sich um ein iranisches Schiff gehandelt, ein Seemann sei gestorben. Am Mittwoch zitierte das Portal eine ukrainischen Geheimdiensten nahe Quelle mit der Information, Iran habe einen Raketenangriff auf die Ukraine erwogen. Laut der New York Times ging es möglicherweise um eine Attacke auf einen Hafen. Was ist da los? Und was bedeutet es politisch? Ein Überblick:
Ukraine-Krieg und Iran-Krieg rücken näher zusammen: Fragen und Antworten
Attacke auf iranisches Schiff im Kaspischen Meer – Was ist neu daran? Das Kaspische Meer galt lange als vergleichsweise sichere Transportroute zwischen Iran und Russland. Die Ukraine hat keine Küste an dem Binnenmeer. Und weitere Anrainer wie Turkmenistan, Kasachstan und Aserbaidschan sind fern davon, eine offene Konfrontation mit Moskau zu suchen. Die Ukraine hat allerdings ihre Fähigkeiten für Schläge über weite Distanzen stark ausgebaut. Und macht seit dem Winter gelegentlich auch im Kaspischen Meer Gebrauch davon – hunderte Kilometer von freiem ukrainischem Territorium entfernt. Vor allem aber hat die Ukraine zum mutmaßlich ersten Mal ein Schiff unter iranischer Flagge attackiert. Normalerweise stehen russische Militärschiffe oder auch Schiffe der Schattenflotte im Fokus.
Warum geschah der Angriff jetzt? Eine These: Die Ukraine versucht, Russlands Angriffskrieg und den Iran-Krieg deutlich in Verbindung zu setzen. Hauptadressat einer solchen Strategie wäre US-Präsident Donald Trump. Kurz vor seinem Besuch in Washington erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland helfe dem Iran mit Aufklärungsdaten zu US-Basen im Nahen Osten. Ein Schlag auf ein iranisches Schiff könnte ein weiteres Signal an die USA sein. Die Militäranalystin Jennifer Kavanagh sagte dem Magazin Newsweek über Selenskyj: „Wenn er als Kombattant im US‑Krieg gegen Iran wahrgenommen wird, hofft er, dass die USA im Gegenzug dasselbe in der Ukraine tun.“ Trump sucht nach einem Ausweg aus dem Iran-Krieg. Und Putin scheint eher darauf zu hoffen, dass sein Angriffskrieg gegen die Ukraine über den Iran aus dem Fokus gerät.
Wie groß sind die Verknüpfungen zwischen den Kriegen wirklich? Iran und Russland sind in beiden Fällen involviert. Der Iran gehört zu den Unterstützern Russlands im Ukraine-Krieg – prominent etwa über die Technik der Shahed-Drohnen, die die Ukraine nach wie vor plagen. Nach (unbestätigten) ukrainischen Angaben transportierte auch das nun attackierte Schiff Militärtechnik. Putins Hilfe für den Iran ist nicht immer gleichermaßen greifbar, einige Beobachter halten sie sogar für vielsagend schwach. Mitte Juli gab es aber beispielsweise Berichte über die Landung einer russischen Tu-214PU-Maschine in Teheran. Und nun eben den Vorwurf, dem Iran mit Satellitendaten zu helfen.
Die Ukraine wiederum hat nur indirekt mit dem Krieg im Iran zu tun; sie hat USA und wohl auch Israel technologische Hilfe angeboten. Und die Rolle der USA im Ukraine-Krieg ist bekanntermaßen seit Trumps Amtsantritt schwer kalkulierbar. Bislang schien der US-Präsident Russland zuzuneigen – und eine Rolle Putins im Iran geflissentlich auszublenden. Widerstreitende Meinungen gibt es darüber, ob Trumps USA eine gefühlte Verknüpfung von USA- und Iran-Krieg genehm ist. Washington wolle die Angelegenheiten lieber trennen, sagte die Politologin Nicole Grajewski Radio Free Europe. Je mehr beide Kriege verknüpft sind, desto schwieriger werde es, „einige Haltungen gegenüber der Ukraine“ zu rechtfertigen. Möglich aber, dass sich die nun ohnehin ändern. Vielleicht auch, weil die Ukraine im Kampf gegen Russlands Angriff zuletzt etwas das Blatt wendete.
Warum ist die Lage doch nicht eskaliert? Der Ukraine war vermutlich an einem Signal gelegen – aber nicht an einer weiteren Front im Krieg. In diesem Sinne könnte ihr Kalkül aufgegangen sein. Denn für den Iran dürfte die Lage ähnlich sein; Teheran ist mit den Angriffen der USA beschäftigt. Der iranische Analyst Mehdi Rahmati erklärte der New York Times, es habe im Land Warnungen vor einem Schlag gegeben: „Die Ukraine ist kein kleines, irrelevantes Land. Sie hat Kriegserfahrung und logistische Unterstützung aus den USA und Europa“, sagte er. Grajewski mutmaßte sogar, Russland könne Druck zur Zurückhaltung auf Iran ausüben: Es sei nicht im Interesse Putins, die Ukraine in den Iran-Konflikt hineinzuziehen. Der Schlag bleibt vorerst also ein Symbol – und eine Warnung, dass der Verkehr über das Kaspische Meer riskanter wird.
Was verrät der Vorfall über Bündnisse und Kräfteverhältnisse? Gerade Donald Trump macht das Spielfeld unübersichtlich. Er ist Gegner des Iran, aber bislang nicht Russlands. Russland und Iran sind offiziell „strategische Partner“ – nicht wegen ideologischer Nähe, sondern aus Pragmatismus. Beide sind von den westlichen Demokratien weitgehend ausgegrenzt. Die beiden Kriege schränken aber offensichtlich die Optionen zur gegenseitigen Hilfe ein. Pikanterweise reichen die Szenarien über Handel hinaus: Iran könnte an neuen – vor israelischen Schlägen sicheren – Waffenlagern in Osteuropa interessiert sein, sagte Analyst Boris Ginzburg unserer Redaktion schon vor den Angriffen der USA und Israels. Eine Option sei Belarus. Dessen Diktator Alexander Lukaschenko sei wiederum auf einem „Drahtseilakt“ – der Westen ist für ihn auch ein potenzieller Partner, gerade weil die USA zuletzt Sanktionen erleichterten.
Die Lage ist also durchaus in Bewegung. Ein weiteres Beispiel ist Israel. Die Kooperation zwischen Kiew und Tel Aviv ist im Allgemeinen eher zögerlich. Experten halten aber für möglich, dass Israel der Ukraine beim Schlag im Kaspischen Meer mit Daten geholfen hat. Eine Attacke gegen den Gegner Iran ist schließlich willkommen. Und Israel könnte Interesse daran haben, den Iran – samt seiner Lieferungen an Russland – im Kaspischen Meer zu blockieren. Diese Route hat wegen des offenen Konflikts im Persischen Golf für das Regime in Teheran an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. (Quellen: Kyiv Independent, Radio Free Europe, New York Times, Boris Ginzburg, eigene Recherchen)