Chef der mächtigsten Bank der Welt rät von breiten Aktienkäufen ab
StartseiteWirtschaftStand: 23.07.2026, 13:00 UhrKommentareUns auf Google folgenJP Morgan-CEO Jamie Dimon würde sein privates Geld aktuell weder in den S&P 500 noch in US-Staatsanleihen stecken.New York – We...
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Stand: 23.07.2026, 13:00 Uhr
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JP Morgan-CEO Jamie Dimon würde sein privates Geld aktuell weder in den S&P 500 noch in US-Staatsanleihen stecken.
New York – Wenn Jamie Dimon über die Finanzmärkte spricht, hört die Wall Street hin. Der Vorstandschef von JPMorgan Chase führt nicht nur die größte Bank der Vereinigten Staaten, sondern gilt seit Jahren als einer der einflussreichsten Banker weltweit. Umso bemerkenswerter sind seine jüngsten Aussagen.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.
Denn während der S&P 500 von Rekord zu Rekord eilt und Anleger ungebrochen auf den KI-Boom setzen, würde Dimon ausgerechnet jetzt weder den breiten US-Aktienmarkt noch langfristige US-Staatsanleihen kaufen.

Im Gespräch mit CNBC machte der JPMorgan-Chef deutlich, dass die Finanzmärkte seiner Ansicht nach eine ganze Reihe gravierender Risiken unterschätzen. „Ich glaube, diese Risiken sind wahrscheinlich größer, als andere Leute denken“, sagte Dimon.
Gemeint sind vor allem die geopolitischen Spannungen rund um die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, der zunehmende Konflikt zwischen den USA und China sowie die weltweit steigenden Verteidigungsausgaben. Hinzu kommen die immer weiter wachsenden Haushaltsdefizite vieler Staaten – allen voran der USA.
Staatsverschuldung bereitet Dimon große Sorgen
Gerade diese Staatsverschuldung bereitet dem Banker Sorgen. Jahrelang konnten Regierungen ihre Defizite dank niedriger Zinsen vergleichsweise problemlos finanzieren. Doch diese Zeit könnte vorbei sein. Dimon rechnet damit, dass Investoren künftig höhere Renditen verlangen werden, um den amerikanischen Staat weiterhin zu finanzieren. „Ich gehe davon aus, dass dies zu einem Problem werden wird“, sagte er.
Das hat direkte Folgen für den Anleihemarkt. Auf die Frage, ob er aktuell langfristige US-Staatsanleihen kaufen würde, antwortete Dimon ohne Zögern: „Persönlich nein.“ Selbst wenn die Inflation wieder auf das Zwei-Prozent-Ziel der US-Notenbank zurückfallen sollte, hält er Renditen zehnjähriger Staatsanleihen von vier bis viereinhalb Prozent für angemessen. Aus seiner Sicht bieten Anleihen auf dem derzeitigen Niveau deshalb kaum attraktives Kurspotenzial.
Mindestens ebenso zurückhaltend äußerte sich der JPMorgan-Chef zum Aktienmarkt. Zwar schließt Dimon Investitionen grundsätzlich nicht aus. Einzelne Unternehmen könnten durchaus attraktive Chancen bieten. Den breiten Markt würde er bei den aktuellen Bewertungen allerdings meiden. Gleichzeitig bestätigte er, zuletzt keine Aktien gekauft zu haben.
Kaum noch Spielraum für Enttäuschungen
Nach der beeindruckenden Rally der vergangenen Jahre scheint der Markt aus Dimons Sicht kaum noch Spielraum für Enttäuschungen zu lassen. Viele Bewertungen setzen praktisch voraus, dass Wirtschaft, Unternehmensgewinne und Geldpolitik nahezu perfekt zusammenspielen.
Genau darin liegt aus Sicht vieler Strategen das Problem. Je höher die Erwartungen steigen, desto empfindlicher reagieren die Börsen auf negative Überraschungen.
Besonders skeptisch blickt Dimon dabei auf den aktuellen KI-Boom. Zwar zweifelt er nicht grundsätzlich an der wirtschaftlichen Bedeutung Künstlicher Intelligenz. Die Erwartungen vieler Anleger hält er jedoch für überzogen. „Wird es sich so auszahlen, wie man es sich erhofft, und auch im erwarteten Zeitrahmen? Definitiv nicht“, sagte der Banker.
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Zur Einordnung zieht er einen Vergleich mit dem Internetboom der 1990er-Jahre. Damals schienen Unternehmen wie Yahoo oder Netscape uneinholbar. Tatsächlich verschwanden viele der damaligen Börsenlieblinge später nahezu vollständig von der Bildfläche, während spätere Marktführer wie Google oder Facebook den eigentlichen wirtschaftlichen Erfolg des Internets einfuhren.
Für Dimon zeigt dieses Beispiel, dass technologische Revolutionen zwar enorme Chancen schaffen, die heutigen Gewinner aber keineswegs automatisch auch die Gewinner von morgen sein müssen.
Bei breiten Indexinvestments genauer hinschauen
Diese Einschätzung dürfte insbesondere Anleger beschäftigen, die derzeit nahezu ausschließlich auf die großen KI-Konzerne setzen. Denn Milliardeninvestitionen allein garantieren noch keine dauerhaft hohen Renditen. Entscheidend wird letztlich sein, welche Unternehmen die Technologie tatsächlich profitabel in Geschäftsmodelle übersetzen können. Genau hier sieht Dimon offenbar noch erhebliche Unsicherheiten.
Mit seiner vorsichtigen Haltung steht der JPMorgan-Chef inzwischen nicht mehr allein da. Zuletzt hatte bereits Warren Buffett den spekulativen Charakter vieler Marktbewegungen kritisiert und erklärt, der Aktienmarkt gleiche zunehmend einem Glücksspiel. Auch Michael Burry, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt weltbekannt wurde, warnt seit Monaten vor Überbewertungen in einzelnen Marktsegmenten.
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass unmittelbar ein neuer Bärenmarkt bevorsteht. Dimon selbst zeichnet kein Katastrophenszenario. Vielmehr mahnt er dazu, Risiken wieder stärker zu berücksichtigen. Nach Jahren steigender Kurse, sinkender Inflation und robuster Unternehmensgewinne seien viele Anleger außergewöhnlich optimistisch positioniert.
Gleichzeitig könnten geopolitische Konflikte, dauerhaft hohe Staatsdefizite oder eine unerwartet hartnäckige Inflation das Bild schnell verändern. Auch in einem intakten Bullenmarkt lohnt es sich, Qualität stärker zu gewichten als Euphorie – und bei breiten Indexinvestments genauer hinzuschauen, wie viel Optimismus bereits in den Kursen steckt.