Merz setzt auf Frei: In der Union regt sich Frust – und ein brisanter Söder-Verdacht

tzPolitikStand: 23.07.2026, 14:01 UhrKommentareUns auf Google folgenMerz und Söder haben nach Spahns Rücktritt einen neuen Mann für die Spitze der Unionsfraktion gefunden: Thorsten Frei. Doch längst nicht alle ...

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Merz setzt auf Frei: In der Union regt sich Frust – und ein brisanter Söder-Verdacht

Stand: 23.07.2026, 14:01 Uhr

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Merz und Söder haben nach Spahns Rücktritt einen neuen Mann für die Spitze der Unionsfraktion gefunden: Thorsten Frei. Doch längst nicht alle sind zufrieden.

Berlin – Nach dem Rücktritt Jens Spahns (CDU) im Zuge der Causa Leihmutterschaft am Samstag (18. Juli) suchte die Union in den darauffolgenden Tagen intensiv nach einem neuen Fraktionsvorsitzenden. Im ZDF-Sommerinterview (19. Juli) kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch an, sich triftige Personaländerungen der Union vorstellen zu können. Doch die Entscheidung, die vier Tage nach Spahns Rücktritt erfolgte, ist eher verhaltener Art. An der Spitze der Unionsfraktion soll es nun Thorsten Frei (CDU) richten.

Merz und Söder haben nach Spahns Rücktritt einen neuen Mann für die Spitze der Unionsfraktion gefunden: Thorsten Frei. Doch längst nicht alle sind zufrieden.

Fotomontage Thorsten Freis (CDU), Markus Söders (l. CSU) und Friedrich Merz‘ (r. CDU) © dpa | Sebastian Gollnow und dpa | Michael Kappele

Der 52-jährige Baden-Württemberger – bis hierhin als Kanzleramtschef tätig – tat sich in jener Position ehrlicherweise schwer. Mit dem neuen Posten würde Frei jenes Amt bekommen, das er sich bereits im Vorjahr gewünscht hatte. Doch längst nicht alle Abgeordneten der Unionsbundestagsfraktion halten die Entscheidung für gelungen. 

Frei als Spahn-Nachfolger: Merz lobte Kanzleramtschef mit Nachdruck

Die führenden Unionspolitiker – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – verständigten sich auf Frei als neuen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion beider Parteien. Dies bestätigte die Union am Mittwoch offiziell in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Der Vorschlag sei in einer Videokonferenz mit dem Fraktionsvorstand unterbreitet und anschließend den Mitgliedern der Fraktion vorgelegt worden, berichtete etwa die Tagesschau.

Betreffend der Personalentscheidung sagte Merz der Tagesschau zufolge: „Ich bitte um Zustimmung der Fraktion für Thorsten Frei, der einen maßgeblichen Anteil am bisherigen Erfolg der Regierungsarbeit und der Stabilität der Koalition hat.“ Die Reformerfolge der letzten Wochen seien schließlich „auch sein Verdienst“, stellte Merz dabei heraus. Weiter betonte der Bundeskanzler, Frei komme aus der Mitte der Fraktion und werde dort „für das perfekte Zusammenspiel zwischen Parlament, Koalitionspartner und Bundesregierung sorgen“. 

Unionsfraktionsvorsitzender Frei bringt einiges an Druck mit ins neue Amt

Mit Frei folgt auf Spahn ein Mann für die Führung der christdemokratischen und christsozialen Fraktion, der die Unionsgeschäfte im Bundestag lange im Kern kennt. Zu Zeiten der Ampel-Koalition war Frei Parlamentarischer Geschäftsführer von CDU und CSU, wobei er für Abläufe in der eigenen Fraktion und Absprachen mit anderen politischen Gruppen im Bundestag verantwortlich war. Frei gilt als ein Vertrauter Merz’, der damals als Oppositionsführer der Fraktion vorstand.

Frei wird mit dem neuen Amt sicherlich eine neue Chance zugesprochen, doch die Kritik, die er seit seinem vorigen Amt mit sich bringt, ist nicht von geringem Gewicht. Denn diesbezüglich bezichtigen ihn manche Unionspolitiker der Mitverantwortlichkeit für mitunter mangelhafte Vorbereitung von Koalitionstreffen, unzufriedenstellende Außendarstellung der Regierungsarbeit und das Scheitern der geplanten Entlastungsprämie im Bundesrat. Manche Kritiker halten dem neuen Unionsfraktionschef mangelnde Regierungserfahrung vor, wie der Bayerische Rundfunk (BR) herausstellte.

Mit in sein neues Amt bringt Frei damit auch ein nicht geringes Maß an Druck, sich vor den übrigen Kollegen der Fraktion im Bundestag ob seiner Tauglichkeit als deren Vorsitzender zu beweisen. Innerhalb der Union scheinen sich jedoch bereits jetzt ernste Bedenken zu regen, dass Frei für seine neue Position wirklich so geeignet ist, wie Kanzler Merz und Bayern-Chef Söder zu glauben scheinen. Dem Spiegel zufolge seien jene Unionsabgeordneten, die sich für Dobrindt als Fraktionschef eingesetzt haben, nun offenbar frustriert. Dementsprechend halte sich die Begeisterung für Frei inmitten der Union in Grenzen. 

Offenbar fiel die Entscheidung für die Personalie Frei auch aus Vorsicht

Denn einige Abgeordnete hätten wohl auf eine Lösung weitreichenderen Ausmaßes gehofft: etwa auf einen Wechsel des aktuellen CSU-Innenministers Alexander Dobrindt auf den Posten des Fraktionschefs. Der nämlich hätte zugleich einen triftigeren Umbau der Regierung nach sich gezogen. In jenem Szenario hätte Frei Innenminister werden können. Dadurch wären andere Leerstellen zutage getreten, sodass jemand wie Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen, neuer Kanzleramtschef hätte werden können. Laut Spiegel sei jener Option für Bayern-Ministerpräsidenten Söder jedoch wohl ein zu immenses Risiko gleichgekommen.

Denn als erster Fraktionschef aus der CSU überhaupt hätte Dobrindt automatisch mit Söder um die Führung der Christsozialen konkurriert. Außerdem wäre ihm damit die Chance zugekommen, möglicher Kanzlerkandidat zu werden. Ein Denken, wer innerhalb der Union nun wem hypothetisch gefährlich werden könnte, dürfe man sich jedoch nicht mehr erlauben, heiße es aus Unionskreisen ferner: Und das primär angesichts aktueller Umfragen vor den Landtagswahlen im September, in denen die Union etwa in Sachsen-Anhalt in aller Deutlichkeit hinter der AfD liegt.

Das rückt eine AfD-Alleinregierung in den Rahmen des Möglichen. Angesichts jener Ausgangslage müsse Merz auf die stärksten Leute setzen, heiße es in der Fraktion weiter. Jedoch hat Merz offenbar Probleme, sich an der Spitze der Union gegen Söder zu behaupten. (Quellen: Tagesschau, Spiegel, Bayerischer Rundfunk, INSA) (fh)