Dem Klimawandel auf der Spur: Ex-Lehrer auf großer Expedition im Polargebiet

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Dem Klimawandel auf der Spur: Ex-Lehrer auf großer Expedition im Polargebiet

Stand: 18.07.2026, 06:30 Uhr

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Auf eine wissenschaftlich begleitete Forschungsreise nach Spitzbergen hat sich Ulrich Breitsprecher begeben.

Auf eine wissenschaftlich begleitete Forschungsreise nach Spitzbergen hat sich Ulrich Breitsprecher begeben. Der Monitor zeigt ein Bild von der Wanderung auf dem Waldemar-Gletscher bei Windstärke 6. © Rainer Jysch

Ulrich Breitsprecher (71) aus Seckenhausen war mit dem Expeditionsschiff „Ulla Rinman" in der Arktis unterwegs. Dabei erhaltene Messdaten sollen in Unterrichtsmaterial für Schulen einfließen.

Seckenhausen – Ulrich Breitsprecher (71) hatte sich bereits in jungen Jahren für die kalten Regionen auf unserem Planeten interessiert. Der von Fridtjof Nansen veröffentlichte Bericht über dessen dreijährige Polarexpedition Ende des 19. Jahrhunderts hatte sein Interesse geweckt. Schon vor 17 Jahren, noch während seiner aktiven Lehrertätigkeit an der KGS Brinkum, war er für zwei Monate mit einer Expedition des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in die Antarktis gereist. Mehr als 20 Jahre hatte Breitsprecher an der Schule die Arbeitsgemeinschaft „Polarstern“ geleitet. „Durch die Kontakte zum AWI konnten die Schüler viele Projekte zu Polarthemen umsetzen“, sagt er.

Beeindruckende Ansichten von Gletscher-Landschaften bieten sich auf Spitzbergen.

Beeindruckende Ansichten von Gletscher-Landschaften bieten sich auf Spitzbergen. © Ulrich Breitsprecher

Jetzt zog es den pensionierten Lehrer – er unterrichtete Mathematik, Kunst und Informatik – von Ende Mai bis Anfang Juni auf die norwegische Inselgruppe Spitzbergen. Als langjähriges Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung (DGP) hatte sich Breitsprecher Anfang Dezember 2025 an einer Ausschreibung beteiligt und konnte auf eigene Kosten an einer siebentägigen wissenschaftlich begleiteten Forschungsfahrt mit dem kleinsten deutschen Expeditionsschiff „Ulla Rinman“ teilnehmen. Das 1970 gebaute und knapp 24 Meter lange eisbrechende Schiff mit Heimathafen Longyearbyen/Spitzbergen bietet Platz für bis zu zwölf Passagiere. Drei Crew-Mitglieder, darunter das Eignerehepaar Mana und Jan-Friedrich Walther, kümmern sich um die Gäste.

Die Eigner hatten den ehemaligen schwedischen Seenotrettungskreuzer vor sieben Jahren erworben und bieten das Schiff während der Sommermonate im Nordpolarmeer als schwimmendes „Base-Camp“ für Forschungsteams, Geologen, Archäologen oder Dokumentarfilmer an. Im konkreten Fall handelte es sich bei den Passagieren um aktive sowie ehemalige Lehrkräfte aus der gesamten Republik, die sich im Rahmen des Projektes „Coole Klassen in der Arktis“ als Polarlehrer um Forschungsergebnisse kümmern. Aktuelle Forschungsfragen, Methoden und Erkenntnisse werden anschließend zusammen mit der DGP zu schülergerechtem und praxisnahem Unterrichtsmaterial aufbereitet. Im Herbst sollen die frei zugänglichen Daten auf der Website der DGP (www.polarforschung.de) veröffentlicht werden.

Nach dem Flug von Hamburg via Oslo erreichte Ulrich Breitsprecher Longyearbyen, den Hauptort auf Spitzbergen und Ausgangspunkt der Expedition. Mit acht anderen Lehrkräften und dem wissenschaftlichen Leiter Dr. Rainer Lehmann von der Universität in Flensburg startete seine fast 250 Seemeilen (rund 450 Kilometer) lange Reise durch die westlichen Fjorde des Archipels. Die Gruppe gelangte bis Ny-Ålesund, der weltweit nördlichsten Siedlung mit internationalen Forschungsstationen. Zwischendurch, auf Landgängen, war es Aufgabe der Reisenden, bei Außentemperaturen von zwei Grad plus Messergebnisse zum Permafrost zu ermitteln.

„Wir haben an bestimmten Stellen einen Schacht gebuddelt und gemessen, wie tief der Permafrost reicht“, berichtet der Hobbyforscher, der sich mit Literaturrecherchen auf die Reise vorbereitet hatte. Die ermittelten Daten wurden in eine App eingetragen und dienen dem AWI zur weltweiten Beobachtung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Messergebnisse geben wichtige Informationen darüber, was sich verändert. „Ein Haus in Longyearbyen, das ursprünglich auf stabilem Permafrostboden gebaut wurde, ist schon in sich zusammengebrochen“, berichtet Breitsprecher. „In Russland und Kanada ist es noch schlimmer: Dort versinken ganze Städte im Boden.“

Auch zum gewaltigen Abschmelzen der Gletscher und zur Verbreitung von Mikroplastik in der Arktis wurde geforscht. Beobachtungen erstreckten sich außerdem auf die Tier- und Pflanzenwelt. Polarfüchse, Robben und Walrosse gab es zu sehen. „Eisbären bekamen wir nicht zu Gesicht“, erzählt Breitsprecher. Zwei Guides, die mit an Bord waren, hatten die Gruppe bei Landgängen aus Sicherheitsgründen begleitet. Bewaffnet mit Gewehren und Leuchtpistolen war es ihre Aufgabe, die nähere Umgebung stets im Auge zu behalten. Das sei auf Spitzbergen außerhalb von Ortschaften gesetzlich vorgeschrieben.

Mehr als 1.000 Fotos hat der begeisterte Hobbyfotograf von seiner faszinierenden Tour in die Polarregion mitgebracht. „Auf dem beengten Schiff war das Ganze natürlich keine Urlaubsreise. Wenn man da Luxus erwartet, kann man es vergessen“, schildert der ehemalige Lehrer seine Eindrücke, die durch die taghellen Nächte des Polarsommers noch verstärkt wurden. Die Hälfte der Zeit habe er mit dem litauischen Kapitän auf der Brücke des Schiffes verbracht. „Wir hatten auch mal kräftigen Seegang“, berichtet Breitsprecher. „Aber zum Glück werde ich nicht seekrank.“