Bayern: Drei Jahre Radgesetz

Es war eine Bewegung, die eindeutig Druck aufbaute: Mehr als 100 000 Unterschriften hatte ein Bündnis um den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bayernweit gesammelt. Mit dem Ziel: den Freistaat mit verbi...

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Bayern: Drei Jahre Radgesetz

Es war eine Bewegung, die eindeutig Druck aufbaute: Mehr als 100 000 Unterschriften hatte ein Bündnis um den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bayernweit gesammelt. Mit dem Ziel: den Freistaat mit verbindlichen Vorgaben beim Radln voranzubringen. Zur Volksabstimmung kam der Radentscheid aber nie. Die Staatsregierung legte kurzerhand selbst ein Radgesetz auf. Sie versprach 1500 Kilometer neue Radwege bis zum Jahr 2030, mehr Radverbindungen zwischen den Kommunen sowie etwa Abstellanlagen an Bahnhöfen und anderen zentralen Orten.

Das war 2023. Nun, drei Jahre nach Inkrafttreten des Radgesetzes, hat das bayerische Verkehrsministerium eine „positive Zwischenbilanz“ gezogen. Seit 2023 seien landesweit rund 600 Kilometer Radweg neu gebaut worden, heißt es in einer Mitteilung. Man habe 12 000 Abstellanlagen gefördert. Und in den Ausbau und Erhalt von Radwegen entlang von Staats- und Bundesstraßen werde jährlich mehr als 50 Millionen Euro investiert. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, wird Minister Christian Bernreiter (CSU) zitiert. Der Ausbau der Radinfrastruktur könne „sich wirklich sehen lassen“, gemeinsam mit den Kommunen erreiche man „spürbare Verbesserungen vor Ort“.

Bei Bayerns Radwegen hat sich also was getan, seit 2023 und den Diskussionen ums Radgesetz. Ob sich indes genug getan hat? Da ist man beim Erfinder der Idee, dem ADFC, skeptisch. Der Fahrradclub hatte sich mal mehr erhofft. Ihm gelten unter anderem die anvisierten 1500 Kilometer an neuen Radwegen als zu wenig für ein großes Bundesland wie Bayern. „Das verteilt sich in der Fläche“, sagt die Landesvorsitzende Eva Mahling. Und was die bereits 600 fertiggestellten Kilometer betrifft: „Wir wissen nicht, wo die sind.“ Dem Verband sei keine Übersicht bekannt, in der alle Fertigstellungen zusammenliefen.

Das soll nicht heißen, dass es die 600 Kilometer nicht gibt. Aber sie nähren die Sorge beim ADFC, dass die 1500 Kilometer vielleicht am Ende nicht alle dort verbaut werden, wo sie am dringendsten benötigt würden.

Auch sonst ist die Sache mit den Radl-Zahlen mitunter kompliziert. Eine kürzlich publizierte, umfassende Mobilitätsstudie sieht den sogenannten Radverkehrsanteil im Freistaat bei stabil elf Prozent. Ob die neuen Radlwege diesen Anteil erhöht haben, bleibt jedoch vorerst offen: Die Befragungen für die Studie fanden zwischen April 2023 und Juli 2024 statt, etwaige Effekte durch das Radgesetz kann sie also nicht abbilden.

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Die Unfallstatistik zeigt ebenfalls nur ein eingeschränktes Bild. Handlungsbedarf lässt sich aus ihr dennoch ableiten: Demnach steigen die Fallzahlen im Radverkehr tendenziell. So meldete das Innenministerium für 2025 rund 19 800 verletzte Radlerinnen und Radler, etwas mehr als im Vorjahr. Ungefähr die Hälfte von ihnen war mit dem E-Bike unterwegs. Für weniger Unfälle setze man auf „konsequente Kontrollen der Fahrradstreifen“, teilte das Ministerium damals mit, sowie auf eine bessere Infrastruktur.

Gerade dort, wo Radlwege fehlen oder sich mit anderen Spuren überschneiden, steigt die Gefahr für Unfälle – und das Potenzial für Ärger. Die einen sind dann frustriert, weil sie hinterm Drahtesel festhängen, die anderen, weil ihnen das Auto im Nacken klebt, vielleicht sogar nah überholt.

„Unser Eindruck ist: Es geht mehr als früher.“

Das persönliche Sicherheitsgefühl wurde bei der letzten Umfrage des ADFC von Radfahrenden als ausbaufähig beschrieben. Die nächste soll im September starten. Insgesamt aber habe das Radgesetz dem Rad schon einen Schub gegeben, heißt es von Seiten des Verbands. „Unser Eindruck ist: Es geht mehr als früher“, sagt Mahling. Trotzdem gehe der Ausbau der Infrastruktur zu langsam voran.

Ähnlich sehen das andere Verbandsmitglieder. Natürlich sei nicht alles erreicht worden, was man sich damals vorgenommen habe, erzählt am Telefon einer, der an der Organisation des Radentscheids beteiligt war. „Aber besser 20 Prozent als nichts.“