Eine Woche nach Berlin-Anschlag: 300.000 trotzen der Angst bei CSD in Hamburg

Nach dem Terroranschlag im Berliner Tiergarten verstärkt die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Tatort deutlich. Einsatzkräfte beginnen damit, die Zufahrten zum Bereich mit schweren Pollern zu sperren.

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Eine Woche nach Berlin-Anschlag: 300.000 trotzen der Angst bei CSD in Hamburg

Wichtige Updates

Eine Woche nach Anschlag: 250.000 Menschen zu CSD in Hamburg erwartet

Kevin Kühnert: Nach dem Anschlag wurde nicht getrauert, sondern gefordert

Muslime erinnern beim Freitagsgebet an Terroropfer

Polizei stellt nahe dem Anschlagsort in Berlin Poller auf

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Jonas Stein

Jonas Stein

Bistum Fulda distanziert sich von homophoben Aussagen

Das Bistum Fulda hat sich von homophoben Äußerungen eines Pfarrers im Ruhestand distanziert. „Sie geben weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wieder“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. Der ehemalige Pfarrer hatte in einem Leserbrief der „Fuldaer Zeitung“ zum tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin geschrieben, alle, die sich noch Christen nennen würden, sollten „derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr“.

Das Bistum erklärte dazu: „Insbesondere jede Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck eines göttlichen Handelns weisen wir entschieden zurück.“ Angesichts der Tat gelte die Anteilnahme den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die durch das Verbrechen erschüttert worden seien. 

Jonas Stein

Jonas Stein

„The Power of Love“ – Tausende bei Pride Parade in Brighton

Eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich im britischen Badeort Brighton viele tausend Menschen zur Pride Parade versammelt. Motto des Events in diesem Jahr ist „The Power of Love“. 

Die Parade zählt in Großbritannien zu den größten Events von und für Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht den traditionellen Mehrheitsnormen entspricht. Sie findet seit 35 Jahren statt und endet in der Nähe eines Parks, in dem das zweitägige „Pride on the Park“-Festival steigt. Headliner des Festivals ist am Samstag die britische Sängerin Raye („Love Of Your Life“), am Sonntag US-Künstlerin Diana Ross („Upside Down“). Über das Wochenende werden laut Veranstalter zu den Pride-Events mehrere hunderttausend Menschen erwartet. 

Jonas Stein

Jonas Stein

Große CSD-Demo in Hamburg – Menschen trotz gestiegener Unsicherheit

Eine Woche nach dem Terroranschlag am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern in Berlin haben in Hamburg Zehntausende für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt demonstriert und die queere Community gefeiert. Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ zog eine Parade von 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Firmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche durch die Innenstadt.

Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben von Polizei und Veranstaltern auf den Straßen. Im vergangenen Jahr waren etwa 260.000 Menschen gekommen. Unter den Teilnehmern waren etwa die prominente Dragqueen Olivia Jones und mehrere Politiker von SPD und Grünen, darunter SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch.

SPD-Fraktionschef Miersch wünscht sich einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Christopher Street Day. „Es wäre ein sehr gutes Zeichen, wenn der Kanzler zu einem CSD kommen würde“, sagte Miersch dieser Redaktion. „Ich finde es wichtig, dass wir als politische Verantwortungsträger in der aktuellen Lage Flagge zeigen.“

Angesichts des islamistischen Anschlags in Berlin hat das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung laut einer Umfrage gelitten. 38 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Civey Befragten gaben an, dass ihr Sicherheitsgefühl seit dem vergangenen Wochenende eindeutig oder eher abgenommen habe. 54 Prozent schätzen ihr persönliches Sicherheitsgefühl in der Umfrage im Auftrag dieser Redaktion unverändert ein. Sieben Prozent fühlen sich sicherer. 

Die Hamburger Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein. 

Jonas Stein

Jonas Stein

Senatorin fordert anhaltende Solidarität für queere Menschen

Berlins Senatorin für Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe (SPD), fordert mehr Mitsprachemöglichkeiten für die queere Community. „Ihre Stimmen gehören an den Runden Tisch und ihre Forderungen in die Gesetzgebung“, sagte Kiziltepe beim CSD in Hamburg. „Wir wollen mit der Community darüber sprechen, was jetzt wirklich hilft und sie einbeziehen.“ 

Der Anschlag am vergangenen Samstag am Rande des Berliner CSD dürfe nicht dazu führen, „dass sich queere Menschen aus Angst zurückziehen oder weniger sichtbar werden“. Solidarität dürfe keine Eintagsfliege sein, sie müsse auch dann tragen, „wenn die öffentliche Aufmerksamkeit weiterzieht“. „Wir halten zusammen und machen gemeinsam weiter. Jetzt erst recht“, betonte die Senatorin. 

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Zehntausende bei CSD-Demonstration: "Zukunft ohne Angst"

Zehntausende Menschen sind in Hamburg zu einer Demonstration zum Christopher Street Day zusammengekommen. Sie versammelten sich nahe dem U-Bahnhof Lübecker Straße. Mit 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Unternehmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche setzte sich der Zug durch den Stadtteil St. Georg in Richtung Innenstadt in Bewegung. Das Motto lautet: "Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!".

Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride erwarten rund 250.000 Teilnehmer. Die Polizei konnte zunächst keine Zahl nennen. Die Stimmung sei friedlich und ausgelassen, sagte eine Sprecherin nach Beginn der Demonstration. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen. Unter den Teilnehmern waren auch mehrere Politiker von SPD und Grünen.

Eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf eine ähnliche Veranstaltung in Berlin hat die Hamburger Polizei ihr Sicherheitskonzept überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein. "Hamburg freut sich auf einen bunten und fröhlichen CSD und setzt damit ein klares Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt in unserer Stadt", erklärte Innensenator Andy Grote (SPD).

Pascal Biedenweg

Hamburger CSD: Polizei sperrt Zugänge mit Dutzenden Einsatzfahrzeugen

Vor dem Hintergrund des Anschlags beim Berliner CSD hat die Polizei zum Schutz der Teilnehmer die seitlichen Zugänge zum Umzug mit zahlreichen Einsatzfahrzeugen gesichert. Verschachtelt geparkte Pkw, Transporter und Laster sollen eine physische Barriere gegen herannahende Fahrzeuge bilden. Je nach Straßenbreite seien bis zu sechs Fahrzeuge positioniert, bestätigte die Polizei Hamburg vor Ort. Unterstützung erhält sie dabei von der Polizei Niedersachsen.

Pascal Biedenweg

Hamburger CSD: Scharfe Kritik an Merz und Prien zur Eröffnung

Mit einer kämpferischen Rede hat Hamburg Pride den diesjährigen Christopher Street Day eröffnet. Ein Sprecher der Veranstalter richtete sich dabei direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz:  „Von hier aus will ich Friedrich Merz zurufen: Sprechen Sie nicht über uns, sondern mit uns."

Auch Familienministerin Karin Prien (CDU) geriet in die Kritik. Ihre Aussage, gesellschaftliche Vielfalt sei „kein staatliches Förderungsziel", bezeichnete der Sprecher als „einen Angriff auf alle Minderheiten" – die queere Community eingeschlossen.

Zum Abschluss seiner Rede fand der Sprecher versöhnliche Worte und rief die Menge dazu auf, sich trotz aller Widersprüche und Diskussionen „gemeinsam auf den Weg zu machen". Mit einem „Happy Pride" endete die Rede – gefolgt von einer Konfettiexplosion, die den Start der Pride Parade einläutete.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

589 queerfeindliche Vorfälle in Brandenburg

Queerfeindliche Vorfälle haben in Brandenburg einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren zugenommen. 2025 seien insgesamt 589 Fälle erfasst worden, fast 17 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es im Monitoringbericht 2025 der Potsdamer Fachstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, der in Kürze veröffentlicht werden soll und dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Davon seien 753 Menschen betroffen gewesen.

Beleidigungen seien mit 111 Fällen am häufigsten dokumentiert worden, heißt es in dem Bericht. Danach folgen Sachbeschädigungen mit 72 Fällen, Nötigungen und Bedrohungen mit 69 Fällen sowie Fremdouting mit 61 Fällen. Auch 48 einfache und 38 schwere Körperverletzungen wurden verzeichnet. Insgesamt 308 Fälle hätten einen rechtsmotivierten, 106 einen religiös-christlichen und 19 einen religiös-muslimischen Hintergrund gehabt. 54 Fälle hätten mit familiären Konflikten im Zusammenhang gestanden.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Eine Woche nach Anschlag: 250.000 Menschen zu CSD in Hamburg erwartet

Rund 250.000 Menschen werden morgen (Samstag) zur Demonstration des Christopher Street Days (CSD) in Hamburg erwartet. Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am vergangenen Wochenende gehen die Organisatoren davon aus, dass der Hamburger CSD für viele Menschen in diesem Jahr besonders emotional sein wird. Die Polizei wird mit einer erhöhten Zahl von Einsatzkräften vor Ort sein. 

Jonas Stein

Jonas Stein

CSD-Anschlag: Polizei stellt nahe dem Tatort Poller auf

Rund um den Ort des Terroranschlags am Rande des CSD im Berliner Tiergarten erhöht die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen. Beamte stellten an Zugangswegen schwere Poller auf, sodass dort kein Auto mehr durchkommt. Die Poller sollen aber nicht dauerhaft dort bleiben.

Das Vorgehen gehöre zu polizeilichen Maßnahmen anlässlich einer Gedenkveranstaltung für die Anschlagsopfer am Sonntag und weiterer angekündigter Versammlungen in der direkten Umgebung, teilte die Polizei auf dpa-Anfrage mit. 

Die Poller sind demnach Teil eines „gesamtheitlichen Sicherheitskonzeptes“ und sollen nach jetzigem Stand temporär, also zeitlich begrenzt, im Tiergarten stehen. „Vergleichbare Maßnahmen für zukünftige Einsatzlagen können jedoch nicht ausgeschlossen werden“, hieß es. 

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

LSVD Verband lädt zur Mahnwache nach dem CSD-Anschlag ein

 

LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg und der LSVD⁺-Bundesverband laden für kommenden Sonntag, 2. August 2026, um 18 Uhr zu einer Mahnwache am Ort des Anschlags ein. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, findet diese am Ahornsteig im Großen Tiergarten in der Nähe der Lennéstraße statt. Gemeinsam solle der Opfer gedacht, den Verletzten und ihren Angehörigen Solidarität ausgesprochen und ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit und Hass gesetzt werden. Erwartet werden nach eigenen Angaben auch Vertreterinnen und Vertreter des CSD Berlin und CSD Deutschland.

"Der Anschlag hat die queere Community weit über Berlin hinaus tief erschüttert", so der Verband. Die Mahnwache biete Raum für Trauer und gemeinsames Gedenken. Zugleich mache sie deutlich, dass queerfeindliche Gewalt konsequent benannt, verfolgt und wirksam bekämpft werden muss. "Der Schutz queerer Menschen muss oberste politische Priorität haben."

Tobias Köberlein

Kevin Kühnert: Nach dem Anschlag wurde nicht getrauert, sondern gefordert

Der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hat in einem Gastbetrag für die "Süddeutsche Zeitung" eine mangelnde Kultur des Trauerns um die Opfer des Anschlags auf den CSD beklagt. "Sollte seither jemand die Hoffnung gehabt haben, es könne so etwas wie einen pietätvollen Moment des Innehaltens mit Raum für Trauer und Wut geben, dann darf diese Hoffnung getrost als enttäuscht betrachtet werden", schrieb Kühnert.

Nach dem Anschlag seien kaum Fragen gestellt worden, beklagte das ehemalige Bundestagsmitglied. Stattdessen sei die Politik "in den sofortigen Sendemodus" gewechselt und habe jede Menge Forderungen gestellt. Wichtig sei dabei vor allem "die demonstrative Abgrenzung von einem anderen politisch-kulturellen Lager" gewesen, so Kühnert weiter. "Anlässe wie der Angriff auf den Berliner CSD rufen mir immer wieder in Erinnerung, wie wir Schwule, Lesben und Queers jeglicher Couleur uns ein Leben mit Umleitungen gebaut haben", schrieb Kühnert. Trotz einer weitgehenden rechtlichen Gleichstellung gebe es für queere Menschen weiterhin No-Go-Areas. "Wir machen keine Probleme, bekommen aber welche, wenn andere es so wollen", resümierte der 37-Jährige.

Zudem schreibt der 37-Jährige über "Umleitungen", durch die er als schwuler Mann Gefahren umgehe. "Ich halte in der Öffentlichkeit nicht die Hand meines Partners und rede mir standhaft ein, das sei einfach nicht mein Ding", so Kühnert. "Bevor ich ihn in der Öffentlichkeit küsse, scanne ich grundsätzlich die Umgebung – immer und überall."  Die Todesfahrt des CSD-Attentäters erinnere die queere Gemeinschaft daran, "wie fragil der eigene gesellschaftliche Status ist."

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin: Haltung nicht nur in Pride Week, sondern jeden Tag

Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) unterstützt den politischen Einsatz für Gleichstellung und fordert Haltung an jedem Tag im Jahr. Am Vortag des Christopher Street Day (CSD) in Hamburg sagte sie laut Mitteilung der Bürgerschaft: „Eine Woche, nachdem uns alle der islamistisch motivierte Angriff auf den Berliner CSD getroffen hat, kommen wir im Zentrum unserer Stadt zusammen und zeigen: Jetzt erst recht!“

In Gemeinschaft „zu singen, zu tanzen, bunt und laut zu sein“, sei „politischer Kampf für eine freie, gleiche und offene Gesellschaft und ein klares Zeichen gegen autoritäre Ideologien, die unsere Freiheit einschränken“, erklärte Veit. Die queere Community und alle mit ihr solidarischen Hamburgerinnen und Hamburger ließen sich nicht einschüchtern oder verdrängen.

„Blinder Hass ist keine Meinung. Solidarität heißt hinschauen. Freiheit hört nicht bei den eigenen Interessen auf“, erklärte Veit. „Diese Haltung brauchen wir nicht nur in der Pride Week – sondern an jedem Tag im Jahr. Denn queere Menschen gehören dorthin, wo wir morgen sein werden: in die Mitte unserer Stadtgesellschaft.“

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