„Todesfalle“ im Ukraine-Krieg: Katastrophe in Oleschky droht – Anwohner „werden Winter nicht überleben“

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„Todesfalle“ im Ukraine-Krieg: Katastrophe in Oleschky droht – Anwohner „werden Winter nicht überleben“

Stand: 18.10.2026, 12:22 Uhr

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Oleschky: Auf diesem undatierten Bild aus einem Video, das am 4. Oktober 2026 von der ukrainischen 34. eigenständigen Marinebrigade „Borysfen“ zur Verfügung gestellt wurde, wirft eine Drohne ein Paket mit Hilfsgütern für Zivilisten in der von Russland besetzten Stadt Oleschky in der Region Cherson in der Ukraine ab.

Oleschky: Auf diesem undatierten Bild aus einem Video, das am 4. Oktober 2026 von der ukrainischen 34. eigenständigen Marinebrigade „Borysfen“ zur Verfügung gestellt wurde, wirft eine Drohne ein Paket mit Hilfsgütern für Zivilisten in der von Russland besetzten Stadt Oleschky in der Region Cherson in der Ukraine ab. © Ukrainian 34th Separate Marine B/Ukrainian 34th Separate Marine Brigade „Borysfen“/AP/dpa

In der besetzten ukrainischen Stadt Oleschky spitzt sich die humanitäre Lage drastisch zu: Rund 1700 Zivilisten sind von jeglicher Hilfe abgeschnitten.

Kiew/Moskau – Sie essen Schnecken, suchen in den verbleibenden Gärten nach Gemüse und sind weiter von Hilfslieferungen abgeschnitten: Knapp 1700 Menschen leben noch in Oleschky im besetzten Teil der Region Cherson und ihre Lage scheint inmitten der aktuellen Kämpfe im Ukraine-Krieg noch prekärer geworden zu sein. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warnte nun, dass die Stadt für die verbliebenen Zivilisten zu einer „Todesfalle“ geworden sei.

Dramatische Entwicklung im Ukraine-Krieg: Lage in der besetzten Stadt spitzt sich zu

Oleschky steht seit den ersten Wochen der russischen Vollinvasion im Februar 2022 unter russischer Besatzung. Organisierte Hilfslieferungen und regulärer Warenverkehr seien seit Ende Mai unterbrochen, berichtet die Kyiv Post. Die Not der Bevölkerung bekräftigte auch die EU in einer Erklärung Anfang Oktober: „Die Europäische Union ist weiterhin zutiefst besorgt über die sich verschlechternde humanitäre Lage und die Menschenrechtslage in den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine“, heißt es unter anderem. Die EU forderte den sicheren und ungehinderten humanitären Zugang sowie die Bereitstellung lebenswichtiger Nahrungsmittel und medizinischer Hilfe für die betroffene Bevölkerung.

Wie dramatisch die Lage inmitten des aktuellen Ukraine-Kriegs für die Menschen in Oleschky ist, geht auch aus einem Bericht der Washington Post hervor. Demnach fand am 26. Mai die letzte Lieferung von Lebensmitteln auf dem Landweg statt. „Die Familien hungern“, sagte Sybiha laut Kyiv Post; russische Soldaten hätten Bewohner mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe von Lebensmitteln gezwungen.

Hilfe aus der Luft: Die Drohnenbrücke nach Oleschky

Da Oleschky auf dem Landweg durch Minensperren und Frontverläufe komplett isoliert ist, setzt das ukrainische Militär schwere Schwerlastdrohnen (Typ Vampire, teils auch als Baba Jaga bekannt) ein. Diese werfen nachts Lebensmittelrationen, Wasseraufbereitungstabletten und lebenswichtige Medikamente über Wohngebieten ab. Für die Zivilbevölkerung birgt das Bergen der Pakete jedoch Lebensgefahr: Russische Besatzungstruppen versuchen, die Lieferungen mit Störsendern abzufangen, beschlagnahmen die Güter und verhaften Bewohner, die beim Aufsammeln der Hilfspakete beobachtet werden.

Eine Flucht aus der Stadt gleicht einem Himmelfahrtskommando: Die Landstraße sei vermint und werde von russischen Drohnen überwacht; auch der benachbarte Fluss sei vermint, erklärte Sybiha. Die Washington Post beschreibt eine Route Richtung Radensk, auf der nach Angaben der ehemaligen Leiterin der örtlichen Militärverwaltung Minen und Drohnen eine Flucht erschwerten. Einwohner, die dem Blatt ihre Flucht schilderten, berichteten von einem mehrstündigen Fußmarsch.

Oleschky wird zur Todesfalle: Ukrainische Versuche der Versorgung per Drohne

Die Ukraine hat wohl Ende September versucht, Lebensmittel mit Drohnen in die Stadt zu bringen. Demnach wurden vier Tonnen geliefert; die ehemalige Verwaltungsleiterin Tetiana Hasanenko sagte gegenüber der Washington Post, das reiche nicht aus, um die Krise abzuwenden. Die Welt berichtete, russische Soldaten hätten Hilfsgüter aus ukrainischen Drohnenlieferungen gestohlen; im Internet kursierende Videos zeigten demnach Soldaten mit solchen Gütern. Der Gouverneur der Region Cherson, Oleksandr Prokudin, sagte außerdem, Einwohner seien festgenommen und in Keller gebracht worden, weil sie Hilfspakete angenommen hätten.

Russland zerstört im Ukraine-Krieg Infrastruktur: Sorge vor dem Winter

Vor dem Zusammenbruch steht ebenso die grundlegende Infrastruktur. Laut Kyiv Post ist das Krankenhaus ohne Medikamente; kommunale Versorgungsnetze für Trinkwasser, Strom und Gas seien erheblich beschädigt. Die EU verwies auf Berichte über längere Zeiträume ohne Strom, fließendes Wasser, Heizung, Lebensmittel und medizinische Versorgung. Die Anwältin Myroslava Kharchenko von der Hilfsorganisation Save Ukraine warnte mit Blick auf die Menschen in der Region: „Die Menschen, die dort bleiben, werden einfach verhungern. Sie werden diesen Winter nicht überleben.“

Sybiha forderte die Vereinten Nationen, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und weitere internationale Partner auf, Hilfslieferungen und Evakuierungen zu ermöglichen. „Menschen können nicht von Erklärungen der Besorgnis leben. Sie brauchen Hilfe. Sie brauchen einen Ausweg. Und sie brauchen ihn jetzt“, sagte er. Am 16. Oktober sprach Papst Leo XIV. nach Angaben des Vatikans mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und drängte auf eine örtliche Waffenruhe für Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen sowie eine sichere Evakuierung. (Quellen: Kyiv Post, Ukrainska Pravda, Washington Post, Erklärung der EU, Welt, dpa, AFP) (fbu)