Gefeuerter Tesla-Manager bezeichnet Robotaxis als "rollende Gefahr auf den Straßen"

Übermüdet Gefeuerter Tesla-Manager bezeichnet Robotaxis als "rollende Gefahr auf den Straßen" In einer Klageschrift ist von Überforderung und Schlamperei die Rede. Wer vor gefährlichen Folgen warnt, mu...

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Gefeuerter Tesla-Manager bezeichnet Robotaxis als "rollende Gefahr auf den Straßen"

Übermüdet

Gefeuerter Tesla-Manager bezeichnet Robotaxis als "rollende Gefahr auf den Straßen"

In einer Klageschrift ist von Überforderung und Schlamperei die Rede. Wer vor gefährlichen Folgen warnt, muss gehen, so der Vorwurf

Peter Zellinger

Ein rotes Auto (Tesla Model Y) kollidiert während eines Sicherheitstests mit einer Crash-Test-Dummy-Figur, die eine Straße überquert. Im Hintergrund sind ein gelber Schulbus und zwei Personen zu sehen, die die Szene beobachten.
Teslas Robotaxis überfahren Tiere ungebremst, so ein Vorwurf. Im Bild: Ein gescheiterter Sicherheitstest.

Einen einfachen Job hatte Javier Medrano bestimmt nicht. Der 32-Jährige hatte ganz schön viel Verantwortung zu tragen, war er doch der zuständige Manager für Robotaxi-Testflotte in Houston, Texas. Zu seinen Pflichten gehörte es, die Testfahrer, aber auch die Flotte selbst zu kontrollieren und mindestens einmal in der Woche selbst eine Probefahrt zu unternehmen.

Das Problem: Es handelt sich um einen Drei-Schicht-Betrieb, Medrano war plötzlich für 38 Sicherheitsfahrer verantwortlich. Ein Sicherheitsrisiko, allein schon wegen der immensen Arbeitsbelastung. Als Medrano vor den daraus entstehenden Problemen warnte, wurde er gefeuert.

Nun hat der Ex-Manager seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt und die Klageschrift wirft kein gutes Licht auf Teslas Robotaxi-Unternehmen.

Wie The Independent unter Berufung auf die bei Gericht eingereichten Unterlagen berichtet, wirft Javier Medrano dem Unternehmen vor, Warnungen über gravierende, systemische Sicherheitsmängel ignoriert zu haben. Der Personalmangel habe Teslas autonome Testflotte in "rollende Gefahren auf öffentlichen Straßen" verwandelt, heißt es da.

38 Fahrer, ein Manager

Eigentlich sollte Medrano maximal 15 Fahrer betreuen, zuletzt waren es, wie schon erwähnt, 38. Festgelegt wurde diese Regel von Autopilot-Direktor Pete Scheutzow – der seine eigenen Vorgaben aber laut Klageschrift sogleich ignorierte.

Die fehlenden Ressourcen führten bei dem Manager zu massiver Überarbeitung und chronischem Schlafmangel. Bei einer Arbeitszeit von durchschnittlich 60 bis 80 Stunden pro Woche und ständiger Wochenend-Bereitschaft warnte er seine Vorgesetzten.

In einer E-Mail an seinen Chef schrieb er: "Ich versuche, nicht komplett den Verstand zu verlieren, weil ich weder richtig schlafe noch esse." Wenig später forderte er dringend eine Auszeit zur Erholung und nannte die Nachricht "offiziell mein S.O.S-Signal". Ihm wurde Berichten zufolge lediglich geraten, sein Telefon im Dienst auf "Bitte nicht stören" zu stellen. Außerdem sehe er nicht aus, als würde er in Arbeit ertrinken, soll ihm ausgerichtet worden sein.

Anders als bei anderen Robotaxi-Unternehmen wie Waymo ist bei Tesla nach wie vor in vielen Fällen ein Sicherheitsfahrer mit an Bord.

Unfall im Halbschlaf

Die ignorierte Überlastung gipfelte Ende März 2025 in einem kritischen Vorfall. Um 2:05 Uhr morgens verwickelte eines der autonomen Testfahrzeuge einen unbeteiligten Verkehrsteilnehmer in einen Unfall. Die Testfahrerin rief Medrano protokollgemäß an. Dieser war jedoch aufgrund akuter Erschöpfung so stark beeinträchtigt, dass er den Anruf im Halbschlaf entgegennahm.

Die Klage beschreibt seinen Zustand als "schlafentzugsbedingte kognitive Handlungsunfähigkeit". In diesem Zustand gab er der Fahrerin unsichere Anweisungen und wirkte am Telefon teilnahmslos. Dies führte dazu, dass die Fahrerin eine Stunde lang unsicher an der Unfallstelle verblieb. Dort wurde sie von einer mutmaßlich beeinträchtigten dritten Person bedroht.

Als Medrano den Vorfall der Personalabteilung meldete, wurde er wenige Wochen später, am 1. Mai 2025, gefeuert – offiziell, weil er Aufgaben nicht gut genug delegiert habe. Medrano kontert: "Ich hatte niemanden, an den ich delegieren konnte." Nun fordert er vor Gericht seine Wiedereinstellung sowie finanziellen Schadenersatz für emotionalen Stress und entgangene Aktienoptionen.

Technik in der Kritik

Während die Klage gravierende organisatorische Mängel bei der Überwachung der autonomen Flotte offenlegt, steht auch Teslas Software selbst massiv in der Kritik. Wie ein aktueller Artikel der Nachrichtenagentur Reuters beleuchtet, kämpft Teslas FSD-Technologie weiterhin mit erheblichen technischen Problemen.

Dem Bericht zufolge schildern ehemalige Tesla-Mitarbeiter – sogenannte "Data Labeler", die FSD-Videoaufnahmen auswerten – regelmäßige und gefährliche Aussetzer der Software. Die Fahrzeuge scheiterten oft an grundlegenden Fahrmanövern: Sie hätten Probleme, Rettungswagen auszuweichen, ignorierten haltende Schulbusse und würden in einigen Fällen ungebremst Tiere überfahren.

Zudem soll Tesla die öffentlichen Unfallstatistiken durch hinkende Vergleiche geschönt haben. So wertet Tesla Unfälle nur dann als solchen, wenn auch ein Airbag ausgelöst wurde. Das Unternehmen verglich diese Zahlen daraufhin mit anderen Unfällen aus den USA und zog dabei aber die weit größere Zahl der abschlepppflichtigen Unfälle heran.

Robotaxis sind nicht der Bringer

Der anfängliche Hype um Teslas Robotaxis ist deutlich abgeflaut und selbst Firmenchef Elon Musk ist mittlerweile deutlich zurückhaltender, was große Ankündigungen betrifft. Im zweiten Quartal 2026 wurden im Rahmen des gesamten Robotaxidienstes – also inklusive der Fahrten mit Sicherheitsfahrern – 900.000 bezahlte Meilen zurückgelegt. Das ist praktisch der gleiche Wert wie im Quartal davor.

Gleichzeitig droht rechtliches Ungemach: Im US-Bundesstaat New Jersey wurde ein Gesetzesvorschlag eingebracht, der den Betrieb von Robotaxis ohne zusätzliche Sensoren wie Lidar oder Radar verbieten würde – aus Sicherheitsgründen. Eine Lex Tesla, denn die Konkurrenz nutzt derartige Systeme, nur Elon Musks Unternehmen nicht. Dieser möchte selbstfahrende Autos allein auf Basis von Kameras und KI-Software umsetzen.

Eine erste Vorverhandlung im Fall von Medrano ist für den 19. November angesetzt. (Peter Zellinger, 30.7.2026)

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